Wildtiererfassung

Wildbericht 2013 erschienen

Das Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands (WILD) ist ein bundesweites Monitoring-Programm, mit dem Daten zum Vorkommen, zur Häufigkeit und Bestandsentwicklung von Wildtieren erhoben werden. Über 1400 Reviere in Sachsen-Anhalt unterstützen die Wildtiererfassung. Das WILD Projekt umfasst drei Bereiche: die jährliche Erfassung ausgewählter Referenzreviere, die flächendeckende Erfassung der Reviere und die Betrachtung der Jahresstrecken. Diese drei Bausteine bilden die Basis für eine genaue Betrachtung von Wildtierpopulationen. WILD ist ein Projekt der Jäger und stellt seit 2001 einen dauerhaften Baustein der ökologischen Umweltbeobachtung dar. Wichtigstes Ziel ist die Dokumentation von Wildtierpopulationen, um hieraus Strategien für den Erhalt und die nachhaltige Nutzung von Wildtieren zu entwickeln.

Der Waschbär kommt in allen Bundesländern vor. Die Hauptverbreitungsgebiete liegen dabei in Brandenburg, Hessen und Sachsen-Anhalt mit Vorkommensanteilen über 70 Prozent. Sachsen-Anhalt nimmt dabei eine besondere Rolle ein, sowohl von Osten als auch von Westen wandern Waschbären in unser Bundesland ein. Die Ausbreitung dieser Art verläuft daher rasant. Die Verbreitung hat flächendeckend zugenommen. Selbst in der Börde, die nicht unbedingt Waschbärtypische Lebensräume bietet, breitet sich die Art weiter aus. Dieser Vorgang ist sehr wahrscheinlich auf die hohe Siedlungsdichte zurückzuführen.

Mit einem Streckenergebnis von 12.090 Waschbären im Jahr 2011 wurde das 2010’er Ergebnis um rund 4.000 überboten. An dem Streckenanstieg sind so auch die Städte Magdeburg, Halle und Dessau- Roßlau beteiligt. Rund 30 % der Strecke des Landes entfiel wie schon Jahre zuvor auf den Landkreis Stendal. Auswirkungen durch die Verbreitung des Neozoen auf die heimische Vogelwelt sind nachgewiesen. So belegen beispielsweise Beobachtungen der Vogelwarte Steckby, dass die je 300 Tiere umfassenden Graureiher- und Kormorankolonien des Naturschutzgebietes Steckby-Lödderitzer Forst nach 3 Jahren Anwesenheit des Waschbären nicht mehr nachweisbar waren.

Der ostasiatische Marderhund lebt nach Auswertung der Wildtiererfassung 2019 in 38 Prozent der Reviere Deutschlands. Der Schwerpunkt seines Verbreitungsgebietes liegt nach wie vor im Nordostdeutschen Tiefland.

Das sind knapp drei Viertel mehr Reviere mit Sichtungen (+74%) als noch 2006 und 8% mehr als 2009. Durch den Marderhund wird die Palette der heimischen Beutegreifer um einen Neuling erweitert, womit sich der Druck auf potentielle Beutetiere, beispielsweise Bodenbrüter und Niederwild, erhöht. Da eine effektive Reduzierung von Prädatoren weitestgehend fehlt, erhöht sich das Aussterberisiko vor allem für Populationen bestandsgefährdeter Arten (A. Sutor, 2011). Der Marderhund spielt besonders bei der Prädation von Enten- und Graugansgelegen eine Rolle (Roth et al., 2008). Als Ektoparasiten wurden Flöhe, Zecken, Räudemilben und Hundehaarlinge festgestellt. Als Endoparasiten wurden Bandwürmer, Nematoden, Trematoden, Kratzer und Einzeller nachgewiesen (P. Borkenhagen, 2011). Der Marderhund steht darüber hinaus in Verdacht Krankheiten, wie Staupe, Parvovirus und Räude auf heimische Raubsäuger zu übertragen, weshalb er, wie auch andere invasive Raubsäugerarten, veterinärmedizinisch beobachtet werden sollte!

Der an Gewässer gebundene Mink kommt bundesweit gesehen in 8 Prozent der Reviere vor – zwei Drittel mehr als 2006. Knapp ein Viertel der Jagdreviere (24 Prozent) in Sachsen-Anhalt haben das Vorkommen des Mink gemeldet – das sind dreimal so viele wie im Bundesschnitt und 3% mehr als 2011.

Den größten Anstieg an Revieren mit Sichtungen seit 2006 hat Brandenburg verzeichnet – um weit mehr als die Hälfte (+58 Prozent). In Sachsen-Anhalt stellt sich die Situation wie folgt dar: Nach der Freilasung von rund 15.000 Nerzen aus einer Zuchtfarm im Jerichower Land sollen sich etwa 1.500 bis 2.000 Tiere in der freien Natur fest etabliert haben. Danach erfolgte eine relativ rasche Ausbreitung entlang der Elbe und ihrer Nebenflüsse. Aufgrund seiner carnivoren Lebensweise ist bei erhöhten Besätzen ein negativer Einfluss auf die Vogelwelt belegt.

Der semiaquatisch lebende Mink prädiert sowohl Entennester, als auch Rallen- und Tauchernester (Roth et al., 2008). Der Mink ist eine der am häufigsten verbreiteten gebietsfremden Säugetierarten weltweit und gilt als Überträger einer Vielzahl von Zoonosen wie Leptospirose, Trichinellose und Toxoplasmose, wie die Goethe- Universität aus Frankfurt am Main am 01.12.2020 mitteilte.