Letzte Beiträge

Zeitumstellung erhöht Wildunfallrisiko

ljv_wildunfaelle_661x1124

Mit der Umstellung auf die Winterzeit steigt die Gefahr von Wildunfällen.

In der Morgendämmerung passieren die meisten Unfälle. Der Landesjagdverband mahnt zur erhöhten Vorsicht.

In der Nacht von Samstag zu Sonntag, dem 25. Oktober, werden die Uhren um eine Stunde zurückgestellt. Pendler sind dann wieder in der Dämmerung unterwegs. Reh, Hirsch und Wildschwein kennen weder Zeitumstellung noch Verkehrsregeln und orientieren sich nach ihrer inneren Uhr. Gerade in der Morgen- und Abenddämmerung sind sie vermehrt auf Nahrungssuche. „Wir appellieren an alle Autofahrer, besonders umsichtig zu fahren und die Geschwindigkeit entlang von Feld- und Waldrändern zu drosseln“ sagt LJV-Geschäftsführer Wilko Florstedt.

Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungs­wirtschaft (GDV) kam es im Jahr 2019 im gesamten Bundesgebiet zu rund 235.000 Wild­unfällen im Straßen­­­verkehr. Allein auf Sachsen-Anhalts Straßen gab es im vergangenen Jahr 15.100 Unfälle mit Wildtieren, das ist eine Steigerung von 1.000 Unfällen zum Vorjahr.

Die Auswertung des Tierfund-Katasters hat ergeben, dass im Oktober die meisten Rehe, Hirsche und Wildschweine auf deutschen Straßen sterben. Besonders gefährlich wird es in der Morgendämmerung zwischen 6 und 8 Uhr. Über das Jahr hinweg kommen Rehe am häufigsten unter die Räder – mit 41 Prozent der Unfälle. Überraschend: Hase und Kaninchen landen mit 10 Prozent dahinter. Es folgen Fuchs (8 Prozent) und Wildschwein (6 Prozent). Wissenschaftler haben insgesamt 19.800 Datensätze in dem Zeitraum 1. September 2017 bis 31. August 2019 ausgewertet.

pg_unfallursache_1063x945

Wie wir Jägerinnen und Jäger des Landes dazu beitragen können, dass Wildunfallgeschehen im Jagdbezirk zu reduzieren, haben wir in Kooperation mit dem LJV Nordrhein-Westfalen für euch zusammen getragen.

 

Wie kann der LJV und die Jägerschaften zur Wildunfallvermeidung beitragen?

Als anerkannten Naturschutzverband werden dem Landesjagdverband Sachsen-Anhalt Mitwirkungsrechte nach § 63 Bundesnaturschutzgesetz eingeräumt. Dem Verband wird damit die Möglichkeit zur Stellungnahme zu Verfahren, die mit Eingriffen in Natur und Landschaft verbunden sind und zur Einsicht in einschlägige Sachverständigengutachten, gegeben. Durch die frühzeitige Beteiligung bei Bauvorhaben können so die Belange von Wild und Jagd eingebracht, Lebensraumverbünde erhalten, Wildkorridore wiederhergestellt und Störungen minimiert werden. Der Verband kann geeignete Standorte für Querungshilfen und Wanderkorridore vorschlagen und seine Expertise bei Planungen einbringen. Die Jägerschaften sind angehalten bei entsprechenden Planungsverfahren mitzuwirken und den Verband durch lokale Expertise bei der Erarbeitung einer Stellungnahme zu unterstützen. Auch regional können Jägerschaften aktiv werden, indem sie in Absprache mit den Behörden beispielsweise vorhandene Querungshilfen für Wild durch die Anlage von Leitstrukturen (Hecken oder Zäune) optimieren. Bei Neu- und Ausbau von Straßen können für Wild unattraktive Saatgutmischungen als Straßenbegleitgrün vorgeschlagen und von Anpflanzungen masttragender Baumarten am Straßenrand abgeraten werden. Im Rahmen gemeinsamer Beratungen zwischen Jägern, Flächeneigentümern und Behördenvertretern können Wildunfallsituationen analysiert, Ursachen ermittelt und Maßnahmen vorgeschlagen werden. Eine regelmäßige Öffentlichkeitsarbeit kann ebenfalls dazu beitragen, Wildunfälle zu vermeiden.

 

Wildunfälle vermeiden – Wie?

  1. Freie Sicht zum frühzeitigen Erkennen von Wild ermöglichen: Einflussnahme auf Straßenbaulastträger und Grundstückseigentümer!
  2. Schäden an Wildschutz-zäunen dem Straßenbaulastträger melden!
  3. Wilddurchlässe und Wild- brücken nicht bejagen!
  4. Wildwarnreflektoren an Leitpfosten anbringen (Genehmigung des Straßenbaulastträgers einholen)!
  5. Störungen verringern: Wanderer, Hundehalter, Reiter, Beeren- und Pilzsammler über Wildruhezonen/-einstände aufklären! Der LJV bietet dafür auch entsprechende Plakate an.
  6. Wilddichte anpassen, ggf. zusätzliche Abschüsse beantragen! Der Abschussplan darf gem. LJagdG §26 (9) bei Jungwild und weiblichem Wild ohne vorherige Genehmigung bis zur Hälfte des bestätigten oder festgesetzten Abschusses überschritten werden.
  7. Bejagung optimieren: störungsarme Jagdarten wählen; frühzeitiger Eingriff in die Jugendklasse, z. B. Schmalrehbejagung im Mai
  8. Vorsichtsmaßnahmen bei der Jagdausübung, besonders bei Gesellschaftsjagden in Straßennähe beachten (Gefährdungszone 500 m): Hinweisschilder in Abstimmung mit Straßenverkehrsbehörde und Baulastträger aufstellen, Treiben und Drücken immer weg von der Straße anlegen; Jagdhunde nur in ausreichender Entfernung zur Straße schnallen!
  9. Attraktive Lebensräume entfernt von Straßen anlegen; sonst Gefahr der Fallenbiotope! Kirrungen, Wildäcker und Wildwiesen ausreichend weit abseits von Straßen pflegen!

 

Wildunfall – Was ist zu tun?

  1. Am Telefon: genaue Angaben wie Name, Zeit, Unfallort (Straßenbezeichnung, Kilometerstein, Fahrtrichtung), Hergang, ggf. verletzte Personen und Wildtiere abfragen und notieren, falls erforderlich Polizei und Krankenwagen anfordern!
  2. Am Unfallort: Eigensicherung beachten! Warnweste tragen, Warnblinkanlage anschalten, Warndreieck und Blinklampen aufstellen, u. U. beide
    Fahrtrichtungen absichern!
  3. Fachgerechte Tötung von verletztem Wild: Zuschauer wegschicken!;  Fangschuss: richtiges Kaliber wählen; Gefahr durch Geschosssplitter und Abpraller auf Asphalt vermeiden; Gefährdung von Personen ausschließen! Abfangen mit der kalten Waffe (Messer) nur bei ausreichender Erfahrung!
  4. Aneignung: Unfalltiere, die dem Jagdrecht unterliegen, kann sich der zuständige Jäger aneignen, das Fleisch darf aber nicht in den Verkehr gebracht werden.
  5. Nachsuche auf Schalenwild nur bei ausreichender Erfahrung und mit brauchbarem Hund selbst durchführen; sonst Schweißhundführer anfordern und
    einweisen! Der LJV Sachsen-Anhalt veröffentlicht eine Liste der bestätigten Schweißhundeführer.
  6. KFZ-Schaden mit Wild: Bescheinigung für Teilkaskoversicherung ausstellen!
  7. Totfund im Tierfundkataster registrieren!

LJV NRW & LJV ST