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Präsident Dr. Mehlitz verstorben

Dr. Wulf Stubbe

Nach nur dreieinhalb Monaten im Amt verstarb der erste Präsident des LJV Sachsen-Anhalt, Dr. Mehlitz. Bei der Suche nach einem Nachfolger fiel damals der Blick auf Vizepräsidenten Dr. Wulf Stubbe, der dann im Juni 1990 das Amt übernahm. In den kommenden 21 Jahren arbeitete Wulf Stubbe im LJV-Präsidium und im DJV-Präsidium und prägte damit die Arbeit des Verbandes wie kein anderer. Lesen Sie im zweiten Teil unseres Interviews mit Wulf Stubbe über die ersten Jahre im LJV.

Welche Erinnerungen haben Sie an die erste DJV-Sitzung?

Als ich das erste Mal nach Bonn fuhr, traf ich im Zug zufällig Anton Koehler, den Präsidenten unseres Partnerverbandes, der Landesjägerschaft Niedersachsen. Er hat mich damals mit in die Geschäftsstelle des DJV genommen. Unser Zug hatte Verspätung und die Präsidiumssitzung hatte schon begonnen. Von den neuen Bundesländern war ich der letzte der kam. Ich muss sagen, dass ich im DJV-Präsidium ganz vorschriftsmäßig empfangen wurde. Ich kannte damals noch nicht alle Präsidenten, nicht mal aus den neuen Ländern waren mir alle bekannt. DJV Präsident Dr. Gerhard Franck unterbrach die Sitzung und machte uns alle miteinander bekannt. Er war sehr für die neuen Bundesländer und besuchte uns auch sehr schnell. Ihm verdanken wir unter anderem, dass die Beiträge für die neuen Bundesländer anfangs halbiert wurden. Ich habe ihn immer als einen sehr vorbildlichen, freundlichen Mann und Präsidenten erlebt, der die LJV’s der neuen Länder sehr gut in den DJV eingefügt hat und ich muss sagen, dass sich im DJV-Präsidium eine sehr gute Zusammenarbeit entwickelt hat.
Ich war damals im DJV für Niederwild verantwortlich und ab 1995 unter Baron von Heeremann wurden wir auch recht aktiv. Heeremann lebte auf dem Land und hatte auch einen Faible für Niederwild. So kam es, dass wir in der Börde in der Gaststätte zum Körling mit der ganzen Arbeitsgruppe tagten. Wir haben damals versucht viele Dinge anzudrehen. Probleme mit dem Rückgang der Feldhasen und mit dem Niederwild haben uns bewegt Untersuchungen zu den Ursachen anzustellen. Das war eine recht interessante Zeit. Baron Heeremann ist ein Original. Mit ihm zusammenzuarbeiten hat Spaß und Freude bereitet. Da wurde auch mal ein Witz gemacht und alle lachten. Das war schon eine tolle Arbeit. Ihm folgte dann Herr Borchert.

Ein neues System kostet anfangs viel Zeit. Behörden, Zuständigkeiten und nicht zuletzt Menschen wechseln. Netzwerke, die man sich aufgebaut hat, verschwinden von einem Tag auf den anderen.

Wie empfanden Sie die ersten Jahre?

Die ersten Jahre waren für mich schwierig, denn ich habe ja unheimlich viel Zeit in den Verband investiert. Allein die Präsidiumssitzung in Bonn, das waren immer zwei Tage. Am Anfang bin ich morgens um 04.00 Uhr los. Später bin ich dann am Tag zuvor hingefahren und hab‘ dann in Bonn übernachtet. Viele Dinge blieben durch das Ehrenamt liegen, so dass ich viele Wochenenden durchgearbeitet habe. Aber es ist so, wenn man sich erst einmal eingearbeitet hat, läuft es trotz hoher Belastung und es ist meines Erachtens gut gelaufen. Sicher haben wir mit Petra Wernicke auch viele Jahre Glück gehabt. Sie stand ja uns Jägern absolut positiv gegenüber. Mit ihrer Hilfe ist es uns gelungen als eines der ersten Länder die Jagdsteuer abzuschaffen. Eine Bagatellsteuer, die aus den 30er Jahren stammte, in vielen Bundesländern aber auch heute noch angewendet wird. In Hessen müssen die Jäger bis heute zum Teil 30 Prozent Jagdsteuer zahlen, in Nordrhein-Westfalen soll sie unter den Grünen wieder eingeführt werden und wir Jäger in Sachsen-Anhalt müssen das schon viele Jahre nicht mehr bezahlen.
Das sind Summen die da zusammenkommen, aber zurück zur Fährte:
Es stimmt schon, die Zusammenarbeit mit Verbänden und Behörden war am Anfang nicht einfach. Überall waren neue Personen tätig, aber das hat sich nach und nach gelegt. Ich denke da an die gute Zusammenarbeit mit dem ersten Präsidenten, des Landesbauernverbandes, Herrn Gutzmer. Mit ihm haben wir einige Schlachten geschlagen. Sie dürfen ja nicht vergessen, wir hatten recht schnell eine Rot-Grüne-Koalition und glauben Sie mir, Frau Heidecke, unsere damalige Ministerin, war nicht einfach. Ich kann mich erinnern, ich war damals mit Herrn Gutzmer zu einer Fernsehdiskussion beim MDR, da ging es knallhart her. Durch diese Sendung hatten wir sehr schnell einen guten Draht zueinander. Ich würde sagen die Nutzerverbände insgesamt konnten sehr gut zusammenarbeiten und auch der Austausch mit den Behörden war ausgezeichnet.

Was war für Sie eine der wichtigsten Wegmarken in dieser Entwicklung?

Ein ganz wichtiger Punkt war damals die Anerkennung als Naturschutzverband. Das war ein Meilenstein. Den gesamten Termin habe ich nicht mehr ganz genau in Erinnerung, aber es war 1993, als der Landesjagdverband nach § 29 Bundesnaturschutzgesetz anerkannt wurde.
Wir waren damals bei Minister Rauls, der mich fragte, warum wir eigentlich anerkannter Naturschutzverband werden wollen. Ich habe ihm geantwortet, wissen Sie, die Jäger sind flächendeckend über das ganze Land verteilt, wir sehen jede Veränderung in der Natur, egal welcher Art. Wir sind die, die viel für den Naturschutz tun, beispielsweise durch das Anlegen von neuen Biotopen, Hecken und Teichen. Das macht so kein anderer Verband, kein anderer – nicht BUND, nicht Nabu, keiner.
Das sind alles nur Schreibtischtäter und unsere machen die Arbeit vor Ort. Da hat Rauls aufgeschaut und hat dem Antrag zugestimmt. Diese Anerkennung war und ist in der Argumentation für uns immer sehr wichtig.

Herr Dr. Stubbe was brauchen die Jäger in der Zukunft?

Starke Jagdverbände! Ich sage immer, die die nicht im Verband sind, sind alles Trittbrettfahrer. Sie genießen Dinge, die der Landesjagdverband mit viel Mühe und viel Arbeit erreicht und durchgesetzt hat, aber ihren Anteil wollen sie nicht beitragen. Nehmen wir nur die Beschlüsse des Europäischen Gerichtshofs, wenn wir da nicht als Verband gemeinsam im DJV zusammengestanden hätten, dann hätten wir heute französische Verhältnisse. Das ist ein Punkt den man gar nicht oft genug wiederholen kann.
Für alles was jetzt und in Zukunft auf uns zukommt, brauchen wir starke Strukturen und damit meine ich nicht nur den LJV, sondern vor allem die Jägerschaften und ebenso die Hegeringe. Ein Verband lebt von aktiven Mitgliedern. Das ist eine unserer größten Herausforderungen für die Zukunft.