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Vertretung erlaubt?

Das kommt bei Mitgliederversammlungen immer wieder vor: Plötzlich steht eine wildfremde Person vor der Einlasskontrolle und legt einen Brief vom Mitglied Schulz vor. Dieser ist erkrankt und schickt seinen Nachbarn Helfegern als Vertretung. Natürlich wünschen wir Mitglied Schulz erst mal gute Besserung. Doch dann stellt sich die Frage: Darf Herr Helfegern das Mitglied Schulz in der Mitgliederversammlung vertreten?

Grundsätzlich darf er das nämlich nicht. Nur wenn die Satzung die Vertretung von Mitgliedern vorsieht, darf also Herr Helfegern für Mitglied Schulz einspringen. Eine etwaige Regelung in der Vereinsordnung ist nicht ausreichend und auch der Beschluss der Mitgliederversammlung Herrn Helfegern zuzulassen wäre nicht ausreichend.

Die Vertretung kann in der Satzung einfach zugelassen werden. Sie kann aber auch spezifiziert werden. So kann man vorschreiben, dass die Vertretung nur von einem anderen Vereinsmitglied ausgeübt werden darf oder umgekehrt dass keine ehemaligen oder ausgeschlossenen Mitglieder die Vertretung übernehmen dürfen. Man kann auch festlegen, dass die Vertretung volljährig sein muss. Eine Altersbegrenzung nach oben hingegen ist problematisch, weil sie gegen das Diskriminierungsverbot verstoßen könnte.

Außerdem können weitere Regelungen in der Satzung verankert werden. Beispielsweise, dass Vertretungen nur bei bestimmten Abstimmungspunkten mit abstimmen können beziehungsweise kein Stimmrecht haben. Die Satzung kann sogar vorgeben, dass das Mitglied in der Bevollmächtigung des Vertreters festlegt, wie dieser abzustimmen hat.

Aber wie gesagt: Gibt’s keine Regelung in der Satzung, gibt’s auch keine Vertretung.