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Mit Passion für das Niederwild

Niederwildtag Zichtau

Seit 2 Jahren fördert der LJV Sachsen-Anhalt aus Mitteln der Jagdabgabe das mehrjährigen Projekt Netzwerk Niederwild. Im Rahmen des Projektes lädt der Verband einmal jährlich die Projektpartner und interessierte Jägerinnen und Jäger zum Niederwildtag ein, um sich mit Experten über Mittel und Möglichkeiten der Niederwildhege auszutauschen. In diesem Jahr zog es die Gäste des LJV in die südliche Altmark, genauer in die Milde-Niederung in das Niederwildreferenzrevier Schenkenhorst. Zahlreiche von Baumreihen gesäumte Gräben und vor allem die Milde prägen das Revier. Regional ist es dafür bekannt, dass seine Revierinhaber fleißige Raubwildjäger sind. Auch die Falkner des VDF zieht es einmal im Jahr nach Zichtau, um am Rande Ihrer Jahrestagung zu beizen. Geleitet wird das Referenzrevier von den drei Brüdern, Kurt, Berthold und Otto Volber. Schaut man auf die Fangstatistik der Volbers, wird schnell deutlich wo die Probleme liegen. Was 2006 mit einem gefangenen Waschbär begann, schnellte bis heute auf rund 90 Waschbären pro Jahr hoch. Ohne das Engagement der Volber Brüder, hätte das Niederwild in der Milde-Niederung sicherlich deutlich weniger Chancen. Bejagt werden vor allem Waschbär, Marderhund und Fuchs. Solch hohe Strecken erreicht man jedoch nicht durch Einzelansitze. Fünf Kunstbaue, zehn Kastenfallen und ca. zwei Stunden Kontrollgänge pro Tag sind der Schlüssel zum Erfolg. Dazu werden diverse klein angelegte Wildäcker mit der kostenfreien Niederwildmischung des LJV bestellt und in Absprache mit den Landwirten bleiben bei der Ernte auch einige Feldrandstreifen stehen, was im Winter für zusätzliche Äsung und Deckung sorgt. Das ihr Revier keine Insel ist, war den Volber Brüdern schnell klar. Daher wurden im Rahmen des Projektes Netzwerk Niederwild auch die Reviernachbarn mit ins Boot geholt, um den Fangdruck auch außerhalb des Referenzreviers zu erhöhen. Ein weiteres wichtiges Mittel sind auch die revierübergreifenden Baujagden, die vor allem in den Wintermonaten zum Tragen kommen. Ganz offensichtlich mit Erfolg, denn die letzte Niederwildzählung ergab ca. 6,5 Hasen, 12 Fasanen und 5 Rebhuhnpaare je 100 Hektar, das sind 2 Hasen über den landesweiten Durchschnitt. Um das Niederwildreferenzrevier Schenkenhorst einmal der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wurden rund 40 interessierte Gäste aus der Politik, der Verwaltung, der Landwirtschaft und der örtlichen Jägerschaft im Rahmen des Niederwildtages per Kremser in die Milde-Niederung befördert. Der ehemalige Revierförster Kurt Volber be- Seit 2 Jahren fördert der LJV Sachsen-Anhalt aus Mitteln der Jagdabgabe das mehrjährigen Projekt Netzwerk Niederwild. Im Rahmen des Projektes lädt der Verband einmal jährlich die Projektpartner und interessierte Jägerinnen und Jäger zum Niederwildtag ein, um sich mit Experten über Mittel und Möglichkeiten der Niederwildhege auszutauschen. Blick in das Revier Schenkenhorst Wir Jäger in Sachs en-Anhalt 11 gleitete die Fahrt und zeigte, was genau im Schenkenhorster Revier zur Sicherung der Niederwild-Artenvielfalt und im Kampf gegen die „Räuber“ unternommen wird. Zahlreiche Praxistipps zum Einsatz von Fanggeräten und Lockstoffen vermittelte Berthold Volber. Diskutiert wurde auch über das seit 2011 geltende Fütterungsverbot in Sachsen- Anhalt. Demnach, erklärte Ulrich Mette von der oberen Jagdbehörde, darf auch Niederwild nur mit Erlaubnis der Behörde in Notzeiten gefüttert werden. Das Fütterungsverbot richtet sich jedoch vor allem gegen illegale Schalenwildfütterungen, so dass eine entsprechende Verfügung der Oberen Jagdebehörde zum Schutze des Niederwildes bereits auf dem Weg sei. Wissenschaftliche Untersuchungen ergaben, dass durch diverse Insektizide kaum noch eiweißhaltige Insekten in der Feldflur vorhanden seien, so das viele Küken schlichtweg verhungern. Ziel der Verfügung ist es einem Eiweißmangel in der Phase der Kükenaufzucht und nach der Ernte bei Rebhuhn und Fasan entgegenzuwirken. Energie aus Wildpflanzen Im zweiten Teil des Niederwildtages referierten Experten rund um das Thema Niederwild und seine Lebensräume. Fakt ist dabei auch, dass der Lebensraum zum überwiegenden Teil durch die Landwirtschaft bestimmt ist. Daher bestand das Ziel der Veranstaltung darin, Landwirte und Jäger an einen Tisch zu holen und gemeinsam nach Alternativen zur Monokultur zu suchen. Landwirt und Jäger Werner Kuhn ging auf die Vorteile der energetischen Nutzung von Wildpflanzen ein. Ein wesentlicher Vorteil von Biogasanlagen sei, dass sie neben Mais auch eine extensive Verwertung von Wildpflanzen ermöglichen. Dabei kann der Aufwuchs von Wildpflanzen bis zu fünf Jahre nach der Aussaat genutzt werden und erspart zahlreiche Arbeitsschritte, wie Bodenvorbereitung, Aussaat und den kostenintensiven Einsatz von Spritzmitteln. Wildsaaten können laut Kuhn je nach Standort bis zu drei Mal jährlich geerntet werden, sie verbessern Lebensraum und Nahrungsangebot, wirken einer Bodenerosion entgegen und sind ohne jeden Zweifel eine alternative für schwierige Ackerstandorte. Als Reaktion auf Kuhns Vortrag nahmen die Kreisbauernverbände Altmark und Börde bereits mit der Jägerschaft Kontakt auf. Eine Informationsveranstaltung für Landwirte ist für die zweite Oktoberwoche in Wolmirstedt geplant. Blühstreifen als Beitrag Mit der Förderung von ein- und mehrjährigen Blühstreifen sowie von Schonstreifen als Agrarumwelt- und Klimamaßnahme will das Land Sachsen-Anhalt seinen Beitrag leisten. Wie Anke Busse vom Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt informierte, sollen Blühstreifen mindestens fünf Meter breit und können Blühflächen bis zu zweieinhalb Hektar groß sein. Mit der Hochschule Harz seien dafür mehrere standortangepasste Saatgutmischungen entwickelt worden. Alternativ kann auch die Niederwildmischung des LJV Sachsen-Anhalt genutzt werden. Pflanzenschutz und der Einsatz stickstoffhaltiger Dünger sind auf diesen Flächen verboten. Nicht erlaubt ist auch die Nutzung des Aufwuchses – eine Vorgabe, die auf Unverständnis trifft: Das Abschlegeln auf 20 Zentimeter Höhe ist erlaubt, doch „warum soll der Schnitt ungenutzt liegen bleiben?“, fragte LJV-Geschäftsführer Wilko Florstedt. Er plädierte dafür, die Nutzung zuzulassen. Prädatorenmanagement – Wiesenvogelschutz Dr. Marcel Holy berichtete über die Erfahrungen des Prädatorenmanagements als Säule des Wiesenvogelschutzes am Beispiel des Naturschutzgebietes Dümmer. Im Beobachtungszeitraum seien trotz Verbesserung der Lebensräume und trotz Gelegeschutzes beispielsweise nur 13 Prozent der geschlüpften Küken der Uferschnepfen flügge geworden, die meisten wurden gefressen. Erst mit Raubwildbejagung sei es gelungen, bei Kiebitz, Uferschnepfe und Brachvogel höhere Bruterfolge zu erzielen. Mit Meldern ausgestattete Fanganlagen leisteten dabei gute Dienste. Ähnlich äußerte sich auch Dorothee März vom Trappenschutzprojekt Fiener Bruch. Dort stellen sich Bruterfolge vor allem auf einem eingezäunten raubsäugersicheren Areal innerhalb des Schutzgebietes ein. Es sei dringend nötig, außerhalb der umzäunten Areale Bruterfolge zu erzielen. „Das schaffen wir nur im Schulterschluss mit Landwirten und Jägern“. Wilko Florstedt