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30 Jahre LJV – Das Verbandsleben

Projekte

Im Laufe seiner Verbandsgeschichte hat der LJV zahlreiche Projekte umgesetzt. 1992 erhielt er die Möglichkeit, Jagdabgabemittel an die Jägerschaften auszureichen.

Gehölzpflanzungen

Neben dem Jagdwesen, wurden ab Mitte der 1990er auch Förderungen zur Biotopverbesserung in den Revieren des Landes Sachsen- Anhalt bereitgestellt. Zur Umsetzung eines Beispielprojektes in Höhe von 15.000 DM, für die Umsetzung von Gehölzpflanzungen erhielt die Jägerschaft Köthen 1994 den ersten Zuwendungsbescheid. Bis heute konnten 250 Pflanzmaßnahmen in Sachsen-Anhalt umgesetzt werden. Es wurden so über 400.000 Gehölze von Jägerinnen und Jägern durch Unterstützung der Jagdabgabe gepflanzt. Die Zukunft des Projektes hängt von weiteren Förderwillen der Oberen Jagdbehörde ab.

Sonnenblume
Andreas Hänsch

Niederwildfreundliche Einsaaten

Als wichtigen Beitrag zur Biodiversitätsförderung in der Agrarlandschaft begann man vor 20 Jahren mit der Ausgabe der niederwildfreundlichen Einsaaten. Seither wird die eigens entwickelte Mischung jährlich ausgegeben und stetig weiterentwickelt. 2019 wurden über 400ha Ackerland begrünt. Durch die Aussetzung der Mindestbewirtschaftung auf den Flächen mit niederwildfreundlichen Einsaaten konnte der LJV als anerkannter Naturschutzverband 2018 in Sachsen-Anhalt neue Maßstäbe im Greening setzen. Durch das Unterlassen des Mulchens und Mähens der Blühstreifen auf den Äckern ist es gelungen, den Brut- und Setzerfolg des Niederwildes deutlich zu verbessern. Kinderstuben können so effektiv vor dem Mähtod bewahrt werden.

Hasenprogramm

Mit dem Ziel dem Rückgang der Hasenbestände entgegenzuwirken engagierte sich der LJV Sachsen-Anhalt im DJV-Gemeinschaftsprojekt „Hasenprogramm“ ab 1993. In Kooperation mit der Landesforstanstalt Eberswalde wurde Ursachen für die Besatzrückgänge wissenschaftlich untersucht, ausgewertet und Gegenmaßnahmen entwickelt. Das Hasenprogramm endete 1998 und wurde Grundbaustein für das 2001 initiierte Wildtierinformationssystem der Länder Deutschlands, kurz WILD. Das Monitoringprogramm für jagdbare Wildtiere in Deutschland basiert sowohl auf Wildtierzählungen in ausgewiesenen Referenzgebieten, als auch auf flächendeckenden Bestandseinschätzungen. Heute ist WILD das umfassendste Monitoringprogramm für jagdbare Tierarten deutschlandweit und bietet eine fundierte Datengrundlage für Politik, Wissenschaft und die Öffentlichkeit.

Eindämmung invasiver Arten

In Fortsetzung der Projekte zur Niederwildhege, engagiert sich der LJV seit 2016 auch intensiv in der Eindämmung invasiver Arten. Durch Landesmittel wurden 2017 über 500 Holzkastenfallen und 2018 eine Infrastruktur zur Sammlung von erlegtem Raubwild und Neozoen errichtet.

AG Niederwild

Durch die 2019 vom LJV berufene „Arbeitsgemeinschaft Niederwild“ sollen das Wildtiermonitoring, die Biotopverbesserung und die Raubwildbejagung enger verknüpft werden und ein Netzwerk für Hegeringe zu Gunsten des Niederwildes geschaffen werden. Nur mit Hilfe ehrenamtlich engagierte Revierinhaber ließen sich diese Leuchtturmprojekte umsetzen.

Verbandsentwicklung

1990 schlossen sich dem LJV Sachsen- Anhalt Kreisjägerschaften aus allen Kreisen des damals noch jungen Bundeslandes an. Unter dem Dach des Landesjagdverbandes organisierten sich damals 40 Jägerschaften in 40 Landkreisen. Die Anzahl der Jägerschaften blieb seit der Gründung nahezu unverändert, wenn auch die Zahl der Landkreise und kreisfreien Städte mittlerweile auf 14 geschrumpft ist. Seit der Gründung sind die jährlichen Veranstaltungen der Jagdhornbläser und die Austragung der alljährlichen Landesmeisterschaften im jagdlichen Schießen feste Bestandteile des Verbandlebens. Mehr noch sie sind Tradition und sorgen für die Wahrung des jagdlichen Brauchtums in der Gemeinschaft der Jäger. Der Einsatz des Landesjagdverbandes für den Erhalt unserer artenreichen Kulturlandschaft wurde 1993 mit der Anerkennung „Naturschutzvereinigung des Landes Sachsen-Anhalts“ Ausdruck verliehen.

 

Mitteilungsblatt

Seit dem 01.01.1993 veröffentlichte der Landesjagdverband Sachsen-Anhalt in Zusammenarbeit mit den Landesjagdverbänden aus Brandenburg und Sachsen ein monatliches Mitteilungsblatt für die Mitglieder. Im Laufe der Jahre hat sich das Mitteilungsblatt im Inhalt, Design und Layout weiterentwickelt. Nach dem Ausscheiden der Bundesländer Brandenburg und Sachsen betreut der LJV Sachsen-Anhalt seit 2015 allein ein Mitteilungsblatt.

Logo

Als Folge des Verbots der Nutzung des Wappens Sachsen-Anhalts, wurde auf der Delegiertenversammlung am 25. Mai 2002 beschlossen, ein neues Logo zu verwenden. Das bis heute aktuelle Zeichen des Landesjagdverbandes Sachsen-Anhalts: Der lebende Rehbock. Das „Markenzeichen“ des LJV Sachsen- Anhalt kann als Hommage an die häufigste Wildart des Landes und den Hegegedanken gedeutet werden. Es steht im Kontrast zu den sonst üblichen Trophäen im Wappen und symbolisiert unverwechselbar, den vergleichsweise jungen Verband mit seinen Zielen.

Neue Geschäftsstelle

Mit dem Kauf eines eigenen Geschäftsstellenobjektes in der Gemeinde Sülzetal hat der Landesjagdverband Sachsen-Anhalt 2005 ein langjährig geplantes Projekt realisiert. Das umgebaute Einfamilienhaus in der Ortschaft Langenweddingen bietet heute ausreichend Platz für Verbandsarchiv, Materiallager und Büroräume der hauptamtlichen Mitarbeiter. Aktuell sind beim Landesjagdverband 5 hauptamtliche Mitarbeiter beschäftigt. Neben der Geschäftsführung mit Assistenz sind die Sachgebiete Naturschutz und Öffentlichkeitsarbeit, Umweltbildung, sowie Hundewesen, Verbandsservice und Revierpflege besetzt. Zusätzlich unterstützen Praktikanten und Freiwilliger im ökologischen Jahr regelmäßig den Geschäftsstellenbetrieb. Das nahegelegene Lehrrevier und eine gute Verkehrsanbindung komplettieren den neuen Sitz. Für Veranstaltungen wurde ein Tagungsraum für ca. 60 Personen angebaut, welcher mittlerweile ganzjährig für verschiedenste Veranstaltungen und Schulungen zur Verfügung steht. Seit 2016 steht zudem einer Zerwirkraum zur Durchführung von Schulungen im Bereich Wildbretverarbeitung zur Verfügung. In zahlreichen Kursen werden heute hilfreiche Praxistipps unter Berücksichtigung der aktuelle Hygienevorschriften vermittelt.

Gründung

Nach einer Zusammenkunft mit den bestehenden Bezirksjagdbehörden in Magdeburg und Halle und der Landesjägerschaft Niedersachsen wurde beschlossen, einen Verband zu gründen, um die Interessen der Jäger unter anderem bei der Ausarbeitung eines neuen Jagdgesetzes zu vertreten. Dazu wurde jede Jagdgesellschaft über die noch bestehenden Jagdbehörden angeschrieben und eingeladen, einen oder zwei Delegierte zur Gründungsveranstaltung nach Dessau zu entsenden. Am 28. April 1990 wurde der Landesjagdverband Sachsen-Anhalt (LJV) schließlich unter der Führung des ersten Präsidenten Dr. Mehlitz in der NVA-Kaserne „Johann Philipp Becker“ in Dessau gegründet. Neben der Erarbeitung eines neuen Landesjagdgesetzes, war es in den folgenden Monaten ein wichtiges Anliegen, notwendige Verbandsstrukturen zu schaffen, wie z.B. Kreisjägerschaften und Hegeringe. Auch der Geschäftsstellenbetrieb wurde zeitnah aufgenommen, damals noch in Magdeburg in der Klausener Straße 11-13. Der Landesjagdverband trat am 01.01.1991 dem 1949 gegründeten Deutsche Jagdverband (DJV) bei. Der DJV ist Dachverband der Landesjagdverbände und vertritt rund 250.000 Jäger. Der DJV hat in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Projekte zum Naturschutz ins Leben gerufen.

Entwicklung Jagdrecht

Die ersten Jahre

Im Jahr 1990 verlor das Jagdrecht der DDR seine Gültigkeit, noch bevor ein neues Gesetz beschlossen wurde. Was zu teils gesetzlosen Zuständen führte – trotz Übergangsregelungen. Die erste Aufgabe des Verbandes war die Mitwirkung an einem neuen Landesjagdgesetz. In mehreren Sitzungen erarbeiteten die Vertreter des Landesjagdverbandes Sachsen-Anhalt gemeinsam mit Vertretern der Landesjägerschaften Niedersachsen die neue Gesetzgebung. Deutschlandweit erstmalig eingeführt wurde eine Regelung zur revierübergreifenden Nachsuche mit Hilfe eines behördlich anerkannten Schweißhundeführers. Diese Regelung findet sich mittlerweile in fast allen Jagdgesetzgebungen der Bundesrepublik wieder.

 

Rabenvogelverordnung

Nach mehrjährigem Einsatz des anerkannten Naturschutzverbandes wurden am 14. März 2002 Aaskrähe, Elster und Nutria dem Jagdrecht unterstellt. Mit der Gesetzesänderung ist es schließlich möglich geworden, die steigenden Bestände der genannten Arten zum Schutz des Niederwildes ganzjährig unter Beachtung des Elterntierschutzes zu bejagen.

 

Abschaffung Jagdsteuer

Im Folgejahr hat sich die Landesjägerschaft erfolgreich für das Gesetz zur Abschaffung der Jagdsteuer vom 18. Dezember 2003 eingesetzt. Bis heute wird in einigen Bundesländern die Jagdsteuer noch entrichtet.

 

Langenweddinger Empfehlung

Im Februar 2008 einigte sich der Landesjagdverband mit seinen Partnern, dem Landesbauernverband, dem Landvolkverband, der Arbeitsgemeinschaft Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer und der Arbeitsgemeinschaft des land- und forstwirtschaftlichen Grundbesitzes gemeinsam mit dem Umweltministerium, auf eine Weiterreichung von Empfehlungen bei Wildschadensangelegenheiten. Die „Langenweddinger Empfehlungen“ soll zur Beruhigung bei Wildschadensereignissen zwischen Jägern, Landwirten und Bodenbesitzern beitragen. Durch intensiven Informationsaustausch, das Abschließen von konkreten Vereinbarungen und die Berücksichtigung der Bemühungen vor Ort, sollen Streitfälle vermieden beziehungsweise außergerichtlich geklärt werden.

 

Föderalismusreform

Mit der zweiten Stufe der Föderalismusreform im Jahr 2009 folgte ein Einschnitt der Rahmengesetzgebung im Jagdrecht durch den Bund. Durch die konkurrierende Gesetzgebungs- zuständigkeit (Artikel 72 GG) dürfen die Länder gesetzgeberisch tätig werden. Dies stellte eine rigorose Novellierung der Landesjagdgesetze dar. Mit der Föderalismusreform ist die Bedeutung der Landesjagdverbände erheblich gestiegen. Ihrer Verantwortung obliegt die Wahrung eines bundeseinheitlichen Jagdgesetzes ebenso wie die zukunftsorientierte Weiterentwicklung des Jagdrechts.

 

Schutzgebietsausweisungen

Mit der Wende wurden in Sachsen-Anhalt zahlreiche Neuausweisungen von Naturschutzgebieten vorgenommen. Der Landesjagdverband war damals wie heute bestrebt, nicht zielführende jagdliche Einschränkungen durch sachliche Argumente abzuwenden und eine angemessene Jagd -auch in Schutzgebieten- zu befördern. Zuletzt wurde der LJV bei der Natura2000- Landesverordnung und der Ausweisung des Grünen Bandes aktiv. Für Diskussionen sorgten dabei immer wieder Themen, wie Jagdeinschränkungen, Jagdzeit-Aufhebungen für jagdbares Wild und für jagdliche Einrichtungen. Durch die frühe Mitwirkung des LJV und die umfangreichen Stellungnahmen gemeinsam mit den Jägerschaften, erreichte die Landesjägerschaft eine umfassende Berücksichtigung Ihrer jagdlichen Interessen in den neu ausgewiesenen Schutzgebieten.

 

Änderungen des Landesjagdgesetzes 2010

Nachdem das Landesjagdgesetz von 1991 18 Jahre Bestand hatte, wurden zeitgemäße Änderungen notwendig. Der Landesjagdverband befasste sich ab 2009 mit der Überarbeitung des Gesetzes. Die Aufhebung der Hochwild- Bewirtschaftungsgebiete und die grundlegende Neuregelung der Wildfolge ist bis heute wegweisend. Umfangreiche Veränderungen gab es auch im Komplex Jagdhundewesen. Eine Präzisierung zu den Einsatzvoraussetzungen bei Jagdhunden wurde geschaffen und der Betrieb von Anlagen zur Jagdhundeausbildung, wie Schwarzwildgatter und Schliefanlagen wurde festgeschrieben. Wesentlich für die Novellierung war auch die Vereinfachung im Bereich der Abschussplanung und Kontrolle.

 

Änderung des Hundegesetzes 2016

Seit 2012 engagierte sich der Landesjagdverband unter anderem mit einer Petition für eine Ausnahmeregelung der Jagdhunde im Hundegesetz. Dabei sollten die vermehrt ins Visier des sogenannten Kampfhundegesetzes gekommenen Jagdhunde von der regelung befreit werden. Nach Jahrelanger Diskussion ist am 1. März 2016 eine der Forderung entsprechende Regelung in Sachsen-Anhalt in Kraft getreten.

 

Änderungen des Landesjagdgesetzes 2019

Am 28.08.2019 verabschiedete der Landtag das Dritte Gesetz zur Änderung des Landesjagdgesetzes für Sachsen-Anhalt. Erfolgreich hat der Landesjagdverband die Mitwirkungspflicht der Landwirte zur Wildschadensvermeidung in Mais und Raps und die Aufhebung des Verbotes von Schalldämpfern durchgesetzt. Zu den Erfolgen des Verbandes gehören auch die Aufnahme der Nilgans als jagdbare Art und die Erlaubnis bei Erntejagden von mobilen Ansitzeinrichtungen zu jagen. Durch intensive Gespräche konnte der Verband sich auch beim Problem Jagdkataster durchsetzen. Die Genossenschaften bekommen nunmehr Zugriff auf eine digitale Fassung zum ermäßigten Behördentarif. Im Zuge der Änderung des Landesjagdgesetzes wurde 2020 die Durchführungsverordnung an das neue Gesetz angepasst. Neben einer Jagdzeit für die Nilgans wurden auch die Voraussetzungen geschaffen Vorund Aufsatzgeräte zur Nachtjagd auf Schwarzwild einzusetzen. Die Verordnung (DVO) tritt nach Verkündigung im Gesetz- und Verordnungsblatt in Kraft.

Ausblick

Aktuelle Diskussionen zum Waldumbau, zur Ausbreitung invasiver Arten, der Rückkehr von Großraubwild oder der Ausbreitung von Tierseuchen, wie der Afrikanischen Schweinepest und der Staupe geben immer wieder Anlass die Jagdgesetzgebung weiter zu entwickeln und an aktuelle Gegebenheiten anzupassen. Der Landesjagdverband ist damals wie heute dazu aufgefordert die Interessen der Jägerinnen und Jäger zu vertreten. Es gilt dabei die Maßgabe, einen den landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnissen angepassten artenreichen und gesunden Wildbestand mit seinen Lebensräumen zu erhalten und Konflikte mit Wild von der Gesellschaft abzuwenden.

Jungjäger beim Reviergang