Letzte Beiträge

30 Jahre LJV Sachsen-Anhalt – Die Präsidenten

Portrait Dr. S. Mehlitz

Die Präsidenten Dr. h. c. Siegfried Mehlitz – Gründungspräsident des Landesjagdverbandes Sachsen-Anhalt Im Jahre 1923 geboren, war Dr. Mehlitz von Anfang bis zum Ende Kriegsteilnehmer, wie viele aus diesen Jahrgängen.

Als Invalide kehrte er aus diesem unseligen Krieg zurück. Er hat wesentliche Teile seiner beruflichen Ausbildung bis zum Hochschul-Diplom im Fernstudium mit der ihm eigenen Energie mit besten Ergebnissen absolviert. Er entwickelte sich zu einem der hervorragendsten Praktiker und Wissenschaftler der Forst- und Jagdwirtschaft im Ostteil unseres Landes. Ihm ist die Gründung des Wildforschungsgebietes Nedlitz, eines der größten seiner Art, zu verdanken. Es war ihm vergönnt, dieses Wildforschungsgebiet über 3 Jahrzehnte zu leiten und mustergültig zu entwickeln. Die Überschrift zu einem Fachartikel, anlässlich des 30sten Gründungstages des Gebietes heißt bezeichnenderweise „Wald- und Wildbewirtschaftung gehören zusammen – Erfahrungen aus dem Wildforschungsgebiet Nedlitz“. In diesem Artikel, und noch viel mehr in den Waldbildern, konnte er belegen, dass Spitzenergebnisse der Waldbewirtschaftung sehr wohl mit Spitzenergebnissen der Wildbewirtschaftung einhergehen können. Dieses Thema hat gerade in der heutigen Zeit nichts an Aktualität verloren. Sein Lebenswerk, die Entwicklung einer Oberförsterei in Einheit von Waldund Wildwirtschaft, wurde mit der Berufung zum Ehrendoktor gewürdigt. In der Phase der Wiedervereinigung unseres Landes war Dr. Mehlitz als  erster Präsident ein Glücksfall für die Gründung unseres Jagdverbandes. Er war allseits bekannt und geachtet, eine Integrationspersönlichkeit im besten Sinne des Wortes. Einige von uns werden sich noch erinnern, dass er am 28. 04. 1990 in Dessau einstimmig zum Präsidenten gewählt wurde. Leider war es ihm nicht vergönnt, mit seiner ihm eigenen Energie die Entwicklung des Landesjagdverbandes über einen längeren Zeitraum zu begleiten. Bereits im August 1990 verlor Dr. Mehlitz seinen Kampf gegen eine langjährige Krankheit. Seine Lebensleistung, die Einheit von Wald und Wild weiter zu entwickeln, ist Vermächtnis für den Landesjagdverband Sachsen-Anhalt.

Portrait Dr. W. Stubbe

Dr. Wulf Stubbe, der Präsident der 1. Stunde Am 28. April 1990 wurde der Landesjagdverband Sachsen- Anhalt in Dessau gegründet. Dr. Wulf Stubbe war von Beginn an Mitglied des Präsidiums und wurde nach dem viel zu frühem Tod unseres ersten Präsidenten, Dr. Siegfried Mehlitz, am 15. August als dessen Nachfolger am 7. Oktober 1990 gewählt. Er übte dieses Amt 21 Jahre, bis zum 29.05.2010, aus. Die Amtszeit von Wulf Stubbe war anfangs durch die Neuorganisation des Jagdwesens in unserem Land und dem Aufbau der Strukturen unseres Verbandes geprägt. Das Ringen nach einer optimalen Fusion der positiven Aspekte des ostdeutschen Jagdwesens, worum uns die meisten Jäger der alten Bundesländer beneideten, mit dem bundesdeutschen Recht, konnte leider nicht verwirklicht werden. Der Einigungsvertrag sah so etwas nicht vor. Bedingt durch das hohe jagdwissenschaftliche Ansehen, welches Wulf Stubbe genoss und dank seiner absoluten politischen Integrität, war es ihm und dem Präsidium möglich, einige für die Jäger in Sachsen-Anhalt vernünftige Regelungen in das Landesjagdgesetz einfließen zu lassen. Auch die Bildung der Kreisjagdverbände kam zügig voran, so dass der Verband bald aus einer demokratischen Basis heraus fungieren konnte. Der Beitritt zum DJV war dann die logische Fortsetzung dieser Entwicklung, zumal unser Verband auch viel „Entwicklungshilfe“ aus den alten Bundesländern, insbesondere durch Niedersachsen, erfuhr. Es war schnell klar, dass der Gegenwind für alle Jäger, egal ob aus dem Osten oder Westen, aus der gleichen Richtung kam. Dr. Stubbe wurde im DJV-Präsidium zum Verantwortlichen für das Niederwild bestimmt. Seine diesbezüglichen Aktivitäten, insbesondere für das Feldhasenprojekt, wurden auch in unserem Bundesland erfolgreich umgesetzt. Der Hauptschwerpunkt der jagdpolitischen Arbeit musste durch ihn jedoch im eigenen Land geleistet werden. Die monatlich durchgeführten Präsidiumssitzungen hatten oft brisante Themen zum Inhalt und fanden mitunter bis spät in die Nacht statt. Es wurde generell so lange diskutiert, bis sich das Präsidium eine einheitliche Meinung gebildet hatte. Dies war auch für die Außenwirkung enorm wichtig. Dietrich Kramer und Silke Schindler hatten dann die Aufgabe die Ergebnisse in die Jägerschaften zu tragen und zu verteidigen. Der kooperative Leitungsstil von Wulf Stubbe trug dazu bei, dass sich das Präsidium zu einer eingeschworenen Gemeinschaft entwickelte. Er hatte auch für private Probleme immer ein offenes Ohr. Die Zusammenarbeit mit den entsprechenden Behörden und Verbänden war nicht immer leicht. Hatte man die entsprechenden Kontakte hergestellt, kam es oft zu politischen Paradigmenwechsel mit gleichzeitiger Veränderung der Ansprechpartner und man musste wieder von vorn beginnen. Während seiner Amtszeit als Präsident wurde das Landwirtschafts- bzw. Umweltressort in Sachsen-Anhalt 7-mal (!) neu besetzt. Dennoch konnten unter seiner Leitung grundlegende Erfolge für die Jägerschaft erzielt werden. 1993 wurde der Landesjagdverband anerkannter Naturschutzverband nach dem Bundesnaturschutzgesetz. Dies war ein fundamentaler Meilenstein in der Geschichte unseres Verbandes, der einigen Naturschutzverbänden und politischen Strömungen dieser Kategorie noch schwer im Magen liegt. Erinnert sei auch an sein Engagement zum Abschluss der „Langenweddinger Erklärung“ zur Vermeidung erhöhter Wildschadensforderungen durch die Landwirtschaft. Legendär sind seine jährlichen Berichterstattungen zu den Delegiertenversammlungen, bei denen er stets den anwesenden Politikern, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen aber auch ohne ins Persönliche zu gehen, ordentlich die Leviten verlas. Dies fruchtete schließlich in der Abschaffung der Jagdsteuer als Gentlemen Agreement bei der gleichzeitigen Beseitigung des Unfallwildes durch die Jäger. Auch die Wiederbejagungsmöglichkeit von Elster und Rabenkrähe zur Niederwildhege fällt in seine Amtszeit. Die verbandpolitische Arbeit, die ja ehrenamtlich war und ist, verschlingt eine Unmenge Zeit und Manpower, wie es neudeutsch heißt. Wulf Stubbe musste natürlich auch weiterhin seiner eigentlichen Verdiensttätigkeit als Tierarzt nachgehen, deshalb kann man seinen außerordentlichen Einsatz für den Verband nicht hoch genug einschätzen. Hinzu kamen noch seine jagdwissenschaftlichen Betätigungen, insbesondere in der Gesellschaft für Wildtierund Jagdforschung e.V., von welcher er 2005 mit der Ehrenmedaille ausgezeichnet wurde. Wulf Stubbe ist Träger der DJV Ehrennadel in Gold. Im Jahre 2011 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen. Als Ehrenpräsident ist Wulf Stubbe noch immer fest mit unserem Verband verbunden.

Portrait Dr. H. H. Jordan

Präsident Dr. Jordan (2010 – 18.06.2019) Dr. Hans Heinrich Jordan gehörte unserem Verband seit seiner Gründung an. Frühzeitig erwarb er den Jagdschein, wurde Hundeführer und ging in seiner Heimat, der Altmark zur Jagd. Dr. Jordan war mit Leib und Seele Jäger. Neben der Jagdpraxis lag ihm auch das Ehrenamt am Herzen. In seiner Zeit als Abgeordneter des Deutschen Bundestages ergriff er als Sprecher für Jagdangelegenheiten der CDU/ CSU Bundestagsfraktion Partei für Jagd und Jäger. Mit der Wahl zum Präsidenten des Landesjagdverbandes im Jahr 2010 begann seine verbandspolitische Arbeit im Jagdwesen für die Jägerinnen und Jäger in Sachsen-Anhalt. In seiner Tätigkeitals Präsident lag ihm der Mitgliederservice sehr an Herzen.Egal ob Förderprojekte, die Verbesserung der Gruppenversicherung, die Erweiterung um das Ressort Rechtsschutz, bis hin zu Maßnahmen zur Aus- und Weiterbildung der Mitglieder waren wesentliche Kernpunkte seiner Tätigkeit. Unter seiner Leitung wurde der Um- und Ausbau der Geschäftsstelle vollzogen. Der Verband verfügt heute über eines der modernsten Zentren der Wildverwertung und Wildbrethygiene, dass alle Kriterien, der Aus- und Weiterbildung von uns Jägern erfüllt. Seit 2013 investierte Dr. Jordan viel Zeit und Kraft in die juristische und politische Auseinandersetzung mit der SVLFG. Sein Engagement gipfelte mit der Wahl in die Vertreterversammlung der landwirtschaftlichen Sozialversicherung. Im Ausschuss für Forst und Jagd setzte er sich für eine Verbesserung der Unfallverhütungsvorschriften für Erntejagden und eine Neugestaltung der Beitragsbemessung zu Gunsten der Jägerinnen und Jäger bundesweit ein. In der jagdpolitischen Zusammenarbeit mit Minister Dr. Aeikens entstand 2014 die weit beachtete Kooperationsvereinbarung zum Thema Wolf. Kern der Kooperationsvereinbarung ist die Beteiligung der Jäger im Wolfsmonitoring. Nach der Landtagswahl im April 2016 zog Frau Prof. Dr. Dalbert als neue Ministerin in das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Energie ein. Unvoreingenommen setzte sich Dr. Jordan für eine Fortsetzung der traditionell guten Zusammenarbeit zwischen dem Ministerium und dem Landesjagdverband ein. Zugleich machte er mit seiner Rede zur Delegiertenversammlung im selben Jahr deutlich: „Wir wollen keine Verhältnisse wie in Nordrhein-Westfalen oder Baden- Württemberg! Wir wollen Sachsen- Anhalt!“ Viele wesentliche Änderungen des Landesjagdgesetzes im vergangenen Jahr, tragen seine Handschrift. Erinnert sei nur an Themen wie digitales Kataster für Jagdgenossenschaften, die Erlaubnis von Schalldämpfern bei der Jagd und das Schießen von Fahrzeugen bei Erntejagden. 2018 hat Dr. Jordan, beauftragt durch die Beschlüsse der Landesdelegierten alle Möglichkeiten genutzt, eine Mitwirkungspflicht der Landwirte zur Vermeidung von Wildschäden an Mais und Raps zu erwirken. Die Abgeordneten des Landtages von Sachsen- Anhalt haben mit Ihrer Stimme 2019 eine Regelung im Sinne von Dr. Jordan geschaffen. Das große Ziel von Dr. Jordan war, 2021 den Bundesjägertag in Wernigerode zu organisieren. Dieses Ziel konnte er nicht mehr erreichen. Das Leben von Dr. Hans Heinrich Jordan endete nach kurzer, schwerer Krankheit im Juli 2019. Die Mitglieder unseres Verbandes erinnern sich dankbar seiner Leistungen für den Verband und seine Mitglieder. Mit seiner positiven, ruhigen und sachlichen Art konnte er schwierigste Probleme einer Lösung zuführen. Dr. Jordan erwarb sich dadurch auch auf DJVEbene große Anerkennung. Der Landesjagdverband ehrte Ihn für seine Verdienste mit der Verdienstnadel des LJV in Gold.