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Wildunfälle – Tipps zur Vermeidung

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Kollisionen mit Wild sind in Sachsen-Anhalt die Hauptursache für Unfälle.

Wie das Ministerium für Inneres und Sport informiert, wurden 2019 über 74.000 Verkehrsunfälle im Land registriert, 20% davon Wildunfälle. Die Rangliste der Hauptunfallursachen führt im vierten Jahr in Folge die Unfallursache „Wild“ mit 15.100 Fällen an. Im Vergleich zum Vorjahr gab es 1.000 Wildunglücke mehr, ein Anstieg um sieben Prozent. Bundesweit wurden zuletzt pro Jahr rund 275 000 Wildunfälle registriert. Hinzu komme eine hohe Dunkelziffer.

Wie wir Jägerinnen und Jäger des Landes dazu beitragen können, dass Wildunfallgeschehen im Jagdbezirk zu reduzieren, haben wir in Kooperation mit dem LJV Nordrhein-Westfalen für euch zusammen getragen.

Wie kann der LJV und die Jägerschaften zur Wildunfallvermeidung beitragen?

Als anerkannten Naturschutzverband werden dem Landesjagdverband Sachsen-Anhalt Mitwirkungsrechte nach § 63 Bundesnaturschutzgesetz eingeräumt. Dem Verband wird damit die Möglichkeit zur Stellungnahme zu Verfahren, die mit Eingriffen in Natur und Landschaft verbunden sind und zur Einsicht in einschlägige Sachverständigengutachten, gegeben. Durch die frühzeitige Beteiligung bei Bauvorhaben können so die Belange von Wild und Jagd eingebracht, Lebensraumverbünde erhalten, Wildkorridore wiederhergestellt und Störungen minimiert werden. Der Verband kann geeignete Standorte für Querungshilfen und Wanderkorridore vorschlagen und seine Expertise bei Planungen einbringen. Die Jägerschaften sind angehalten bei entsprechenden Planungsverfahren mitzuwirken und den Verband durch lokale Expertise bei der Erarbeitung einer Stellungnahme zu unterstützen. Auch regional können Jägerschaften aktiv werden, indem sie in Absprache mit den Behörden beispielsweise vorhandene Querungshilfen für Wild durch die Anlage von Leitstrukturen (Hecken oder Zäune) optimieren. Bei Neu- und Ausbau von Straßen können für Wild unattraktive Saatgutmischungen als Straßenbegleitgrün vorgeschlagen und von Anpflanzungen masttragender Baumarten am Straßenrand abgeraten werden. Im Rahmen gemeinsamer Beratungen zwischen Jägern, Flächeneigentümern und Behördenvertretern können Wildunfallsituationen analysiert, Ursachen ermittelt und Maßnahmen vorgeschlagen werden. Eine regelmäßige Öffentlichkeitsarbeit kann ebenfalls dazu beitragen, Wildunfälle zu vermeiden.

 

Wildunfälle vermeiden – Wie?

  1. Freie Sicht zum frühzeitigen Erkennen von Wild ermöglichen: Einflussnahme auf Straßenbaulastträger und Grundstückseigentümer!
  2. Schäden an Wildschutz-zäunen dem Straßenbaulastträger melden!
  3. Wilddurchlässe und Wild- brücken nicht bejagen!
  4. Wildwarnreflektoren an Leitpfosten anbringen (Genehmigung des Straßenbaulastträgers einholen)!
  5. Störungen verringern: Wanderer, Hundehalter, Reiter, Beeren- und Pilzsammler über Wildruhezonen/-einstände aufklären! Der LJV bietet dafür auch entsprechende Plakate an.
  6. Wilddichte anpassen, ggf. zusätzliche Abschüsse beantragen! Der Abschussplan darf gem. LJagdG §26 (9) bei Jungwild und weiblichem Wild ohne vorherige Genehmigung bis zur Hälfte des bestätigten oder festgesetzten Abschusses überschritten werden.
  7. Bejagung optimieren: störungsarme Jagdarten wählen; frühzeitiger Eingriff in die Jugendklasse, z. B. Schmalrehbejagung im Mai
  8. Vorsichtsmaßnahmen bei der Jagdausübung, besonders bei Gesellschaftsjagden in Straßennähe beachten (Gefährdungszone 500 m): Hinweisschilder in Abstimmung mit Straßenverkehrsbehörde und Baulastträger aufstellen, Treiben und Drücken immer weg von der Straße anlegen; Jagdhunde nur in ausreichender Entfernung zur Straße schnallen!
  9. Attraktive Lebensräume entfernt von Straßen anlegen; sonst Gefahr der Fallenbiotope! Kirrungen, Wildäcker und Wildwiesen ausreichend weit abseits von Straßen pflegen!

 

Wildunfall – Was ist zu tun?

  1. Am Telefon: genaue Angaben wie Name, Zeit, Unfallort (Straßenbezeichnung, Kilometerstein, Fahrtrichtung), Hergang, ggf. verletzte Personen und Wildtiere abfragen und notieren, falls erforderlich Polizei und Krankenwagen anfordern!
  2. Am Unfallort: Eigensicherung beachten! Warnweste tragen, Warnblinkanlage anschalten, Warndreieck und Blinklampen aufstellen, u. U. beide
    Fahrtrichtungen absichern!
  3. Fachgerechte Tötung von verletztem Wild: Zuschauer wegschicken!;  Fangschuss: richtiges Kaliber wählen; Gefahr durch Geschosssplitter und Abpraller auf Asphalt vermeiden; Gefährdung von Personen ausschließen! Abfangen mit der kalten Waffe (Messer) nur bei ausreichender Erfahrung!
  4. Aneignung: Unfalltiere, die dem Jagdrecht unterliegen, kann sich der zuständige Jäger aneignen, das Fleisch darf aber nicht in den Verkehr gebracht werden.
  5. Nachsuche auf Schalenwild nur bei ausreichender Erfahrung und mit brauchbarem Hund selbst durchführen; sonst Schweißhundführer anfordern und
    einweisen! Der LJV Sachsen-Anhalt veröffentlicht eine Liste der bestätigten Schweißhundeführer.
  6. KFZ-Schaden mit Wild: Bescheinigung für Teilkaskoversicherung ausstellen!
  7. Totfund im Tierfundkataster registrieren!

LJV NRW & LJV ST