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Rechtliche Hinweise zu Erntejagden

Quelle: flain-fotografie

Seit 2019 gelten in Bezug auf Erntejagden neue jagdrechtliche Vorschriften und auch die SVLFG hat ihre Empfehlungen zur Sicherheit bei Erntejagden (UVV) aktualisiert. Wir geben einen Überblick über die neuen Regelungen.

Die Ausübung der Jagd erfordert immer ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein – insbesondere bei Gesellschaftsjagden.Diese Art der Jagd ist in Sachsen-Anhalt zahlenmäßig nicht konkret definiert.Dementsprechend zählen alle Jagden, an denen mehrere Personen zusammenwirken, zu den Gesellschaftsjagden.

Die Unfallverhütungsvorschrift (UVV) schreibt für diese Jagden in §4 die Benennung eines Jagdleiters vor. Jagdleiter ist der Revierinhaber bzw. eine vom Revierinhaber benannte Person. Aufgaben des Jagdleiters sind in erster Linie die Einhaltung der Rechtsvorschriften. Dazu zählen neben der UVV, sämtliche Vorschriften des Jagd, Waffen-, Tierschutz- und Naturschutzrechts.

Quelle: SVLFG

Mit der Änderung im Landesjagdgesetzes ist es nun erlaubt, bei Erntejagden von jagdlichen Einrichtungen, welche auf Kraftfahrzeuge oder Anhänger angebracht sind zu schießen. Vorausgesetzt diese überschreiten die Fahrzeughöhe deutlich, das Fahrzeug steht und das Fahrzeughaus ist unbesetzt. Das Umsetzen solcher Fahrzeuge während der Erntejagd ist nur in Abstimmung mit dem Jagdleiter möglich.

Quelle: SVLFG

Sofern durch die Geländeform kein ausreichender Kugelfang gegeben ist, müssen feste oder mobile Ansitzeinrichtungen in ausreichender Anzahl und Höhe vorhanden sein. Der einzuhaltende Schusswinkel zum Nachbarschützen darf nach Empfehlung der SVLFG 30 Grad nicht unterschreiten.

 

Quelle: flain-fotografie

Grundsätzlich ist von erhöhten jagdlichen Einrichtungen zu schießen. Es wird eine Fußhöhe von mindestens 2,5 Metern empfohlen. Die Ansitzeinrichtungen werden im Abstand von mindestens 100 Metern aufgestellt.

Mit der letzten Änderung des Landesjagdgesetzes im August 2019 hat der Gesetzgeber das Verbot mobiler Ansitzeinrichtungen im Zusammenhang mit Erntejagden ausnahmsweise aufgehoben. Konkret heißt es im §23:

Es ist über § 19 des Bundesjagdgesetzes hinaus verboten, von Kraftfahrzeugen sowie maschinengetriebenen Wasserfahrzeugen aus auf Wild zu schießen, mit Ausnahme des Schusses von jagdlichen Einrichtungen, die während einer Erntejagd auf abgestellten Kraftfahrzeugen oder Anhängern angebracht sind und die die Höhe des Fahrzeugs deutlich überschreiten; das Fahrzeug muss während der Jagdausübung stehen und das Fahrerhaus darf nicht besetzt sein; das Umsetzen solcher Fahrzeuge während der Erntejagd ist zulässig, …

Wichtig: Da der Gesetzgeber die Ausnahme konkret auf Erntejagden bezieht, bleibt der Einsatz der mobilen Ansitze bspw. für die Einzeljagd oder Drückjagden weiterhin verboten!

Zur Verbesserung der Sicherheit für alle Beteiligte setzte sich noch LJV-Präsident Dr. Hans-Heinrich Jordan im Ausschuss für Jagd und Forst der SVLFG für konkrete Regelungen bei Erntejagden mit Erfolg ein. Der daraus resultierende Leitfaden zur sicheren Durchführung von Erntejagden gibt konkrete Hinweise. Analog zu Drückjagden empfiehlt die SVLFG bspw. die Erstellung eines Lageplans mit Schusssektoren und gibt Hinweise zu Schusswinkeln von verschiedenen Ansitzhöhen. Die vollständige Broschüre finden sie im Downloadbereich des LJV Sachsen-Anhalt.

Vor der Jagd

Erfragen Sie frühzeitig den geplanten Erntetermin bei ihrem Landwirt, um die Erntejagd fachgerecht planen zu können. Zur besseren Übersicht sollte für jeden Jagdbeteiligten im Vorfeld ein Lageplan erstellt werden, in dem die Stände und die Verteilung der Schützen eingezeichnet sind. Auch die Belehrung aller Jagdteilnehmer mit schriftlicher Handreichung einige Tage vor der Jagd, hat sich im praktischen Jagdbetrieb bewährt. Zur besseren Kommunikation empfiehlt sich außerdem, vor dem Jagdtermin die Handynummern auszutauschen.

Die Ansitzeinrichtungen werden im Abstand von mindestens 100 Metern aufgestellt. Die Schützenstände sollten möglichst immer eine gerade Linie bilden. Die Sicherheitsabstände zu den Erntemaschinen und dem Erntekorridor sind einzuhalten. Es gilt zu beachten, dass grundsätzlich nur von erhöhten jagdlichen Einrichtungen zu schießen ist, eine Fußhöhe von mindestens 2,5 Metern wird bei Drückjagdböcken empfohlen.

Als Kugelfang ist nur „gewachsener“ Boden geeignet, der Eintrittswinkel des Geschosses soll dabei größtmöglich sein und soll 10 Grad nicht unterschreiten. Der Schusswinkel zum Nachbarn muss größer als 30 Grad sein. Vor Beginn der Jagd und nach Kontrolle der Jagdscheine müssen alle Jagdteilnehmer über den Ablauf und die sicherheitsrelevanten Vorgaben durch den Jagdleiter unterrichtet werden.

Die Jagdleitung beziehungsweise die beauftragten Gruppenführer weisen die Hundeführer und Schützen ein. Die Einweisung in die Stände mit Ansprache zum vorgegebenen Schussbereich, der maximale Schussentfernung sowie der freigegebenen Wildarten hat zu erfolgen.

Bei der Jagd

Die geltenden jagdrechtlichen Bestimmungen und die grundlegenden Regeln der Weidgerechtigkeit sind bei der Jagd zu beachten. Alle Jagdteilnehmer müssen sich laut Unfallverhütungsvorschriften (UVV) deutlich farblich von der Umgebung abheben, beispielsweise durch das Tragen von Warnwesten und signalfarbende Kopfbedeckung. Die zugewiesenen Stände dürfen gemäß UVV während der Jagd und vor dem Abblasen grundsätzlich nicht verlassen werden. Ausnahmen, beispielsweise zum Abfangen von Wild, dürfen nur nach Rücksprache und mit Erlaubnis des Jagdleiters gemacht werden. Standnachbarn sind vorher zu informieren.

Ideal für Erntejagden sind mobile Ansitzeinrichtungen wie Drückjagdböcke, die während des Ernteverlaufs, nur bei ruhender Jagd, umgesetzt werden dürfen. Während der Jagdausübung müssen die Fahrzeuge ebenerdig stehen und das Fahrerhaus darf nicht besetzt sein. Mit Erntemaschinen und Zuschauern ist jederzeit während der Jagd zu rechnen. Es wird grundsätzlich nicht in Richtung des Erntebestands geschossen. Weitschüsse sind unzulässig, der Gefahrenbereich ist stets zu beachten.

Entsprechende Maßnahmen für eventuell notwendige Nachsuchen und Verkehrssicherungen sind zu treffen. Der Sammel- und Rettungsplatz sollte nie in unmittelbarer Nähe zur bejagenden Fläche liegen. Für den Notfall ist immer Erste-Hilfematerial für Mensch und Hund bereitzuhalten. Am Streckenplatz sind die Waffen entladen, gesichert und mit geöffneten Verschluss zu tragen.