Wildtiererfassung

Wildtiererfassung

Bereits seit 1998 wird durch den Landesjagdverband Sachsen-Anhalt e. V. ein Wildtiermonitoring durchgeführt und über die Jahre immer weiter ausgeweitet. Beim Wildtiermonitoring werden durch die ehrenamtliche Unterstützung der Jäger regelmäßig Daten zum Vorkommen, zu Bestandsdichten sowie Bestandsentwicklungen von Wildtieren gesammelt. Ziel ist dabei die Dokumentation von Wildtierpopulationen, um langfristig gesunde Wildtierbestände zu erhalten. Die von den Jägern erhobenen Daten sind teilweise die einzigen Daten, die zu der Verbreitung und der Entwicklung einzelner Wildtierarten vorliegen.

WILD

WILD-Referenzgebiete

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Tierfund-Kataster

Wildtiererfassung Sachsen-Anhalt

Streckenerfassung

WILD – Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands

Hintergrund

Beim Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands, kurz WILD, handelt es sich um ein seit dem Jahre 2001 bestehendes bundesweites Monitoringprogramm, welches in Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Jagdverband e. V. (DJV) und den Landesjagdverbänden läuft. Zudem sind mehrere wissenschaftliche Institutionen wie das Thünen-Institut für Waldökosysteme sowie die Tierärztliche Hochschule Hannover integriert.

In einem zweijährigen Rhythmus werden flächendeckend alle Jagdrevierinhaber als Experten vor Ort dazu aufgefordert, einen Fragebogen zum Vorkommen und zur Häufigkeit von ausgewählten Wildarten in ihrem Revier auszufüllen. Im Zuge des Projektes werden neben den „Kernarten“ wie Feldhase, Rebhuhn oder auch Schwarzwild einzelne Arten auch in regelmäßigen Abständen bzw. sporadisch erfasst, sodass bereits Daten zu über 40 verschiedenen, meist jagdbaren Wildarten vorliegen. WILD stellt aktuell das umfassendste Monitoringprogramm für jagdbare Arten und Kleinsäuger dar. Aber auch seltene oder geschützte Arten sind ein Bestandteil. Die erhobenen Daten bieten eine Grundlage für ein nachhaltiges Wildtiermanagement und werden als Basis für Zusatzprojekte benutzt.

Die WILD-Broschüre bietet einen guten Überblick über Ziele, Organisationsstrukturen und Methoden des Projektes. Diese erhalten Sie neben der freien Downloadversion auch kostenlos als Printversion im DJV-Shop. Einen kleinen Einblick in die Erfassung im Nachbarland Brandenburg erhalten Sie zudem in dem in Kooperation zwischen dem DJV und LJV Brandenburg gedrehten Kurzfilm.

 

Ansprechpartner:

WILD-Länderbetreuerin Sachsen-Anhalt
Natascha Schumann
n.schumann@ljv-sachsen-anhalt.de
039205-417576

WILD-Broschüre (Quelle: DJV)
WILD-Erfassungsbogen FE 2023 (Quelle: DJV)

Erfassungsmethode

Bei WILD handelt es sich um ein Citizen Science Projekt.

„Citizen Science beschreibt die Beteiligung von Personen an wissenschaftlichen Prozessen, die nicht in diesem Wissenschaftsbereich institutionell gebunden sind.“

(aus dem Grünbuch Citizen Science Strategie 2020 für Deutschland, pdf, S. 13)

Solche Programme haben in der Vergangenheit immer mehr an Bedeutung gewonnen. Der Vorteil von WILD gegenüber anderer Projekte ist, dass Jäger über eine hohe Sachkompetenz besitzen und gute flächendeckende Ortskenntnisse besitzen.


Die Erfassung stellt eine Bestandseinschätzung dar und wird in einem zweijährigen Rhythmus durchgeführt. Es sind Daten zum Revier (Größe, bejagbare Fläche) sowie zur Revierstruktur (Anteile von Wald, Offenland und Gewässer) anzugeben. Ein regelmäßiger Bestandteil ist die Abfrage des Vorkommens und der Frühjahrsbesätze der vier Niederwildarten Feldhase, Wildkaninchen, Fasan und Rebhuhn. Auch die Verbreitung der Schalenwildarten und Neozoen sowie deren Streckenangaben zählen zu den Kernelementen der Erfassung. Andere Gruppen wie Wasservögel, Gänse oder semiaquatisch lebende Säugetiere werden abwechselnd in einem Rhythmus zudem immer wieder mitaufgenommen. Neben dem Vorkommen, den Streckenergebnissen und der Bestandseinschätzung sind auch Informationen zum Auftreten von Wildkrankheiten und Hegemaßnahmen von Interesse.

Für viele Wildarten gibt es keine verlässlichen Erfassungsmethoden besonders heimliche, meist nachtaktive Arten sind nur schwer zu erfassen. Mit dem WILD-Projekt werden Daten gesammelt, welche über Standardmethoden flächendeckend zu teuer beziehungsweise schlichtweg nicht umsetzbar wären. Zum Teil sind bei Wildarten Besatzunterschiede festzustellen, die durch vereinzelte verteilte Stichproben nicht erfasst werden können. Die Ergebnisse von WILD stellen revierbezogene Dichteschätzungen des Revierinhabers dar. Die Jäger sind regelmäßig in ihrem Revier unterwegs und decken auch die hohen Aktivitätszeiten des Wildes ab. Auf dieser Basis in Kombination mit den vorliegenden Orts- und Artkenntnissen sowie der Kenntnisse zum Verhalten der Tiere können verlässliche Angaben generiert werden. Fehler durch Mehrfachzählungen besonders großräumig agierender Arten sind jedoch nicht auszuschließen.

Die von den Revierinhabern freiwillig eingereichten Daten werden nicht an Dritte weitergeben bzw. nur nach vorheriger Einwilligung der Revierinhaber.

Beteiligung

Das Wildtiermonitoring stellt nicht nur einen wichtigen Baustein für die Sammlung von Daten in der Umweltbeobachtung sowie für Argumente in politisch naturschutzfachlichen Diskussionen, sondern ist auch ein bedeutender Bestandteil in der Öffentlichkeitsarbeit. Die Erhebung solcher Daten ist in Deutschland einmalig und Sie als Jäger tragen durch Ihr Mitwirken zur Unterstützung der Jagd in Deutschland bei. So zeigen Sie Ihre Verantwortung für die Natur und die nachhaltige Nutzung der Wildtierbestände und liefern Argumentationsgrundlagen für die Diskussionsposition Jagd.

In Sachsen-Anhalt nehmen ehrenamtlich zwischen 50 und 60 % der landesweiten über 2.700 Reviere an der Erfassung teil. Eine hohe Beteiligungsrate ist ausschlaggebend für eine valide Datengrundlage. Die angewandte Methodik ermöglicht es im Vergleich zu anderen Erfassungsverfahren einen Großteil der Landesfläche abzudecken und großflächig Daten zu den Arten zu sammeln.

Beteiligung an der Wildtiererfassung 2022 in den Landkreisen (Quelle: LJV)
Aktueller WILD-Bericht (Quelle: DJV)

Ergebnisse

Die erhaltenen Daten werden zunächst auf Plausibilität geprüft und anschließend ausgewertet. Im WILD-Bericht werden die Ergebnisse veröffentlicht. Neben Karten zum Vorkommen werden auch Entwicklungen und Bestände dargestellt. Zudem sind in jedem Bericht Zusatzartikel zu verschiedenen Themen enthalten.

Die WILD-Berichte der vergangenen Jahre können auf der Seite des DJVs heruntergeladen werden.

Informationen zu den Ergebnissen der WILD-Erfassung zu einzelnen Arten in Sachsen-Anhalt finden Sie in den Wildtiersteckbriefen.

Das Projekt wird gefördert aus Mittel der Jagdabgabe des Landes Sachsen-Anhalt.

Bildquelle aller Fotos ohne Nachweis: Canva/LJV-ST

WILD – Referenzgebiete

Hintergrund

Neben der flächendeckenden Erfassung sind auch die Referenzgebiete (RG) Teil des WILD-Projektes. Im Fokus stehen hier vor allem die Niederwildarten. Das Kernelement ist die Feldhasentaxation zur methodischen Erfassung der Feldhasenbesätze. Zusätzlich werden noch Daten zum Vorkommen und zum Besatz von Rebhuhn, Fuchs, Dachs, Marderhund und Aaskrähe gesammelt sowie die Streckenergebnisse des Raubwildes und der Neozoen erfasst. Die Durchführung der Erfassungen über mehrere Jahre ermöglicht es Besatzentwicklungen einzuschätzen.

Die Referenzgebiete dienen als ausgewählte Repräsentationsflächen. Dabei können sowohl einzelne Reviere teilnehmen als auch revierübergreifende Zusammenschlüsse. Wichtig ist das Vorhandensein von einer ableuchtbaren Offenlandfläche von ca. 200 ha. Aktuell nehmen 34 Referenzgebiete an der WILD-Erfassung teil, einzelne davon bereits über Jahrzehnte. Bei Interesse unterstützen wir Sie gerne dabei, auch bei Ihnen ein Referenzrevier einzurichten.

 

Ansprechpartner:

WILD-Länderbetreuerin Sachsen-Anhalt
Natascha Schumann
n.schumann@ljv-sachsen-anhalt.de
039205-417576

Übersicht der Referenzgebiete in Sachsen-Anhalt (Stand: 2023; Quelle: LJV)

Erfassungsmethode

Alle relevanten Unterlagen erhalten Sie auch nach Rückfrage von der WILD-Länderbetreuung.

Feldhase

Der Feldhase ist als ursprünglicher Steppenbewohner eine typische Charakterart des Offenlandes. Die Erfassung der Feldhasen finden auf Basis einer standardisierten Methode statt. Sie wird vier Mal im Jahr durchgeführt. Zwei Erfassungen finden im Frühjahr (Februar/März/April) und zwei im Herbst (Oktober/November) statt. Der richtige Zeitpunkt innerhalb des Erfassungszeitraums ist so zu wählen, dass die Feldkulturen eine ausreichende Sichtfreiheit gewährleisten. Die Erfassungen in den beiden Jahreszeitenblöcken sollten, wenn möglich nicht länger als 10 Tage auseinanderliegen. Es werden zuvor festgelegte Strecken nachts abgefahren. Bei der Streckenfestlegung ist darauf zu achten, dass die Wege das ganze Jahr über befahren werden können, sodass die Erfassung immer methodengleich wiederholt werden kann. Bei der Einrichtung der Erfassung erhalten Sie Unterstützung durch die WILD-Länderbetreuung.

In Sachsen-Anhalt wird die Streifentaxation durchgeführt. Dabei werden die an die Fahrstrecke angrenzenden Flächen mit einem vom LJV gestellten Scheinwerfer abgeleuchtet und vorhandene Feldhasen gezählt. Der Scheinwerfer wird dabei rechtwinklig auf der Beifahrerseite montiert und besitzt eine Leuchtweite von 150 m. Neben Feldhasen können auch andere beobachtete Arten miterfasst werden. Die Erfassung startet ca. 1-2 Stunden nach Sonnenuntergang, nach Eintritt der völligen Dunkelheit. Mithilfe der Anzahl der gezählten Feldhasen und der Größe der abgeleuchteten Fläche kann die Hasendichte pro 100 ha Offenlandfläche berechnet werden. Dieser Wert ermöglicht es, über einen Zeitraum hinweg, die Entwicklung des Feldhasenbesatzes zu beobachten. Mittels der Feldhasendichten im Frühjahr und Herbst kann zudem die Nettozuwachsrate, also der Zuwachs der
Population über das Erfassungsjahr berechnet werden.

Mehr Informationen und einen kleinen Einblick in die Feldhasenerfassung in Sachsen-Anhalt erhalten Sie in dem in Kooperation mit dem DJV gedrehten Kurzfilm.

Beispielkarte für Taxationsstrecken

Rebhuhn

Beim Rebhuhn ist seit den 1950er-Jahren ein Bestandsrückgang zu beobachten. Um den Bestand des Rebhuhns in einem Gebiet einschätzen zu können, wird im Frühjahr die Paardichte bestimmt. Dafür wird die Anzahl der Rebhuhnpaare pro 100 ha Offenland ermittelt. In den Referenzgebieten wird die Rebhuhndichte auf Basis einer Populationseinschätzung berechnet. Diese Methode liefert entsprechend einer Voruntersuchung in Niedersachsen hinreichend zuverlässige und aussagekräftige Bestandsdaten und benötigt deutlich weniger Personal- und Zeitaufwand als beispielsweise die Klangattrappenverhörmethode. Dafür erhalten die RG-Betreuer jährlich einen Abfragebogen, in den sie die Gesamtanzahl der geschätzten Rebhuhnpaare im RG über das Jahr hinweg eintragen.

Während der Paarbildung im Frühjahr (März/April) ist das Erfassen der Feldhühner am einfachsten. Zu dieser Zeit ist die Rufaktivität besonders hoch und die Vegetation noch nicht zu hochwüchsig, sodass die Paare gut während der Revierarbeiten, -fahrten und -begehungen beobachtet bzw. gehört werden können.

Aaskrähe

Die Aaskrähe kommt in Deutschland in zwei Unterarten vor, der westlich verbreiteten Rabenkrähe (Corvus corone corone) und der östlich verbreiteten Nebelkrähe (Corvus corone cornix). In einer Kontaktzone entlang der Elbe kommt es auch zu einer Vermischung der beiden Unterarten.

Im Zuge der WILD-Erfassung werden Brut- und Revierpaare erfasst. Als Brutpaar werden Aaskrähenpaare bezeichnet, die beim Brutgeschäft am Nest im April/Mai direkt beobachtet werden können. Als Revierpaar hingegen werden die Paare bezeichnet, die während der Brutperiode ein Revier besetzt halten und Territorialverhalten zeigen, jedoch der Neststandort nicht exakt lokalisiert werden kann.

In den ersten beiden Aprilwochen vor der vollständigen Belaubung sind alle Aaskrähen-Nester zu kartieren und auf die Besetzung durch Brutpaare zu überprüfen. Anschließend soll in der Zeit von Anfang April bis Ende Mai durch insgesamt 5 Begehungen, die in die Revierarbeit integriert werden können, das Revier auf territoriale Aaskrähenpaare überprüft werden. Um Durchzügler und Zufallsbeobachtungen auszuschließen, müssen die Paare an mindestens zwei Kartiergängen beobachtet werden. Bei der Erfassung ist anders als bei anderen Vogelarten nicht speziell auf eine Tageszeit, sondern mehr auf gute Witterungsbedingungen zu achten. Bei der Auswertung wird als Bezugsfläche die gesamte Revierfläche herangezogen und ein Brutbestand pro 100 ha ermittelt.

Neben des Brutbestandes werden zudem noch Angaben zu Beobachtungen von Schlafplätzen und Schwärmen abgefragt. Hierbei handelt es sich aber eher um eine grobe Einschätzung und keine genaue Bestandskontrolle.

Raubwild

Die Niederwildbesätze werden von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst. Dazu zählt unter anderem auch die Prädation. Für die Niederwildhege und auch den Schutz von anderen Arten wie unter anderem Bodenbrütern ist es wichtig, den Bestand der Raubwildarten und Neozoen im Referenzgebiet zu kennen. Im Zuge der WILD-Erfassung wird in den RG dafür eine Geheckkartierung der Arten Rotfuchs, Dachs und Marderhund sowie eine erweiterte Streckenerfassung aller Raubwildarten und Neozoen durchgeführt.

Die Geheckkartierung ermöglicht es, den Frühjahrsbesatz der erfassten Arten abzuschätzen. Als Basis wird dafür ein Baukataster angelegt. Die Erstkartierung aller im Referenzgebiet befindlichen Bauten sollte möglichst in den Wintermonaten durchgeführt werden, da das Auffinden durch die vegetationsfreie Zeit und die vorherrschende Ranz beim Rotfuchs erleichtert wird. In den Monaten April und Mai sollten die Bauten anschließend durch mehrmalige Kontrollen auf Fuchsgehecke kontrolliert werden. Beim Dachs sollte der Zeitraum bis Juni zur Geheckkontrolle genutzt werden, beim Marderhund wiederum sogar bis Ende Juni. Das Baukataster kann neben der Bestandsermittlung auch als Grundlage zur Bejagungsplanung genutzt werden. Es ist von einer Dunkelziffer durch übersehene Wurfbauten und Gehecke auszugehen, weshalb die Ermittlung nur einen Mindestbesatz angibt. Nach der Kartierung der Gehecke wird mithilfe artspezifischer Faktoren und der RG-Größe die Dichte der Raubwildart im Referenzgebiet berechnet.

Die erweiterte Streckenerfassung im Zuge der WILD-Erfassung bildet eine gute Ergänzung zur Bestimmung der Raubwilddichte. Unter Berücksichtigung bestimmter Faktoren wie unter anderem der Intensität der Bejagung ermöglicht die Streckenerfassung des Raubwildes und der Neozoen einen kleinen Einblick in die Entwicklung der Population über mehrere Jahre hinweg.

Formulare

Feldhase

Kurzanleitung Feldhasentaxation

Rebhuhn

Kurzanleitung Rebhuhnerfassung

Aaskrähe

Kurzanleitung Aaskrähenerfassung

Raubwild

Kurzanleitung Geheckkartierung

Entwicklung des Feldhasenbesatzes in Sachsen-Anhalt (Quelle: LJV)

Ergebnisse

Die erhaltenen Daten werden zunächst auf Plausibilität geprüft und anschließend ausgewertet. Für die bundesweite Auswertung wird Deutschland in die naturräumlichen Großlandschaften eingeteilt. Sachsen-Anhalt wird zum Großteil der Großlandschaft Nordostdeutsches Tiefland zugeordnet. Kleine Teile gehören noch dem Nordwestdeutschen Tiefland, dem Westdeutschen Mittelgebirge und dem Ostdeutschen Mittelgebirge an.

Die Frühjahrszählung der Feldhasen im Jahr 2022 ergab, dass in Sachsen-Anhalt durchschnittlich 6,1 Hasen pro Quadratkilometer vorkommen. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Rückgang. Innerhalb der Referenzgebiete sind zum Teil große Unterschiede zu erkennen. Der Rückgang ist wohl auf die schlechten Witterungsbedingungen im Jahr 2021 zurückzuführen. Laut dem Deutschen Wetterdienst war der April der kälteste seit 40 Jahren. Junghasen benötigen gerade in den ersten Lebenswochen Wärme und Trockenheit. Nässe und Kälte führen zu einem erhöhten Infektionsrisiko und daraus resultierend zu einer erhöhten Sterblichkeit. Nach den trockenen Vorjahren war zudem der Sommer besonders der August äußerst nass. Dementsprechend lag die Nettozuwachsrate vom Frühjahr zum Herbst im Jahre 2021 für Sachsen-Anhalt bei – 8 %. Die Abnahme hat sich auch auf den Frühjahrsbesatz 2022 ausgewirkt. Ergebnisse der Frühjahrszählung 2023 liegen noch nicht vor.

Verglichen mit dem bundesweiten Durchschnitt mit einem Frühjahrsbesatz von 16 Feldhasen pro Quadratkilometer Offenland liegt Sachsen-Anhalt mit seinem Feldhasenbesatz weiter weit zurück (bei dieser Berechnung sind die Bundesländer Berlin und Sachsen unberücksichtigt).

Die Auswertung der Feldhasendaten auf Bundesebene ist im WILD-Bericht veröffentlicht. Der aktuelle WILD-Bericht und die der vergangenen Jahre können auf der Seite des DJVs heruntergeladen werden.


Wir bedanken uns sehr herzlich bei allen Zählerinnen und Zählern, die Jahr für Jahr die Mühen auf sich nehmen und zur wissenschaftlichen Auswertung der Entwicklung unserer Wildtierpopulationen beizutragen. Nach wie vor sind die Jägerinnen und Jäger die einzigen Naturschützerinnen und Naturschützer in Sachsen-Anhalt, die ein derart umfassendes System zur Erfassung verschiedener Tierarten und deren populationsökologischer Dynamik umsetzen.

Das Projekt wird gefördert aus Mittel der Jagdabgabe des Landes Sachsen-Anhalt.

Bildquelle aller Fotos ohne Nachweis: Canva/LJV-ST, LJV

Tierfund-Kataster

Hintergrund

Die dritte Säule des Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands ist das Tierfund-Kataster. Dabei werden bundesweit einheitlich und standortgenau Wildunfälle und andere Tierfunden erfasst. Neben der Analyse von Wildunfallschwerpunkte ermöglichen die Daten die Erkennung und Eindämmung von Tierseuchen wie unter anderem der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Das Projekt wurde erstmals 2011 in einer Zusammenarbeit zwischen dem Landesjagdverband Schleswig-Holstein und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel ins Leben gerufen. Im Jahre 2016 hat der Deutsche Jagdverband dieses dann auf das gesamte Bundesgebiet ausgeweitet. Im Vergleich zu den beiden anderen Säule des WILD-Projektes richtet sich das Tierfund-Kataster nicht nur an Jäger, sondern auch an Naturliebhaber und Verkehrsteilnehmer.

Die Broschüre zum Tierfund-Kataster erhalten Sie neben der freien Downloadversion auch als Printversion kostenlos im DJV-Shop.

 

Ansprechpartner:

WILD-Länderbetreuerin Sachsen-Anhalt
Natascha Schumann
n.schumann@ljv-sachsen-anhalt.de
039205-417576

Broschüre "Tierfund-Kataster" (Quelle: DJV)
Tutorial Tierfund-Kataster (Foto: DJV)

Beteiligung

Um am Tierfund-Kataster teilzunehmen, genügt eine einmalige Registrierung. Die Eingabe der Tierfunde kann im Anschluss zu Hause über den Desktop oder direkt unterwegs über die kostenlose App geschehen. Die App kann auch ohne Internetverbindung über wenige Klicks bedient werden und ist sowohl im App-Store von Apple als auch von Google erhältlich. Über das Tutorial erhalten Sie einen kleinen Einblick in die Funktionsweise und Handhabung. Die Beteiligung in Sachsen-Anhalt und die im Jahr gemeldeten Totfunde sind im Vergleich zu anderen Bundesländern noch recht gering. Der Landesjagdverband hofft, die Teilnahme in Zukunft noch weiter steigern zu können.

Ergebnisse

Die Ergebnisse des Projektes sollen genutzt werden, um die Bereiche Wildunfall- oder Seuchenprävention sowie Arten- und Naturschutz zu verbessern. Dafür veröffentlich der Deutsche Jagdverband und seine Landesjagdverbände regelmäßig Ergebnisse des Tierfund-Katasters in Form von Grafiken, Broschüren oder Videos.

(Quelle: DJV)

Foto: Kapuhs/DJV

Nutzen

Das Tierfund-Kataster sammelt erstmals bundesweit einheitlich Daten zu Wildunfällen von einer Vielzahl an Wildtieren. Diese Informationen gehen über die der Polizei hinaus, da diese in der Regel nur Unfälle mit Personenschaden registrieren. Besonders Kleinsäuger und Vögel werden daher kaum bis gar nicht erfasst. Neben der Erkennung von Wildunfallschwerpunkten und der daraus resultierenden Möglichkeit zur Ergreifung von Maßnahmen zur Reduktion von Sach- und Personenschäden sowie der Erhöhung der Verkehrssicherheit hat das Tierfund-Kataster noch weitere Nutzfunktionen.

Durch das Melden von verkehrsunabhängigen Totfunden ist es möglich, Seuchenzüge zu erkennen. Das Kataster wird aktuell auch zur Früherkennung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) verwendet. In diesem Zuge werden alle totgemeldeten Wildschweine direkt an das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) übermittelt und an das zuständige Veterinäramt weitergeleitet.

Durch die Meldung aller Totfunde können die Daten aus dem Kataster auch genutzt werden, um andere Gefahren für Wildtiere wie Zäunungen, Bahntrassen oder Windkraftanlagen zu erkennen und deren Anteil an der Gesamtmortalität abzuschätzen.

Die gemeldeten Funde gelten ebenfalls als Vorkommensnachweis einer Art. So können gerade bei seltenen Arten mit heimlicher Lebensweise Totfunde auf unbekannte Vorkommensgebiete hinweisen. Unter anderem die heimlich lebende Wildkatze wird häufig Opfer von Verkehrsunfällen. Gerade bei seltenen Arten ist für Wissenschaftler das Hochladen eines Fotos des toten Tieres zur Validierung der Artbestimmung wichtig.

Weitere Informationen vor allem auch zu den Projektzielen finden Sie auf der Homepage des Tierfund-Katasters.

Verhalten bei Wildunfällen

Wildunfälle stellen seit mehreren Jahren die Hauptunfallursache im Straßenverkehr dar. Fast jeder fünfte Unfall hing 2022 mit dem Zusammenstoß mit einem Wildtier zusammen (2022: 13.429 Unfälle). Die Hauptunfallart stellt dabei das Rehwild dar (Staatskanzlei des Landes Sachsen-Anhalt Pressestelle 2023). Gerade bei Unfällen mit kleineren Wildtieren gibt es eine hohe Dunkelziffer.

Alle Informationen und Verhaltenstipps bei Wildunfällen finden Sie auch in der Broschüre „Besser langsam als Wild“.

Was tue ich nach einem Wildunfall?

Ruhe bewahrenWarnblinker einschalten und prüfen, ob die Straße frei ist

Unfallstelle sichernWarnweste anziehen und Warndreieck aufstellen

Hilfe leistenBei Personenschäden den Notruf unter 112 verständigen

Folgeschäden verhindernTote Tiere markieren oder von der Fahrbahn entfernen (Handschuhe – Infektionsgefahr!). Zu verletzten Tieren Abstand halten

Polizei oder Jäger benachrichtigen und Standort meldenaus Tierschutzgründen sollte auch ohne sichtbare Schäden immer die Polizei verständigt werden

Bescheinigung einholenUnfall dokumentieren und Wildunfallbescheinigung für die Versicherung von der Polizei oder Jäger vor Ort ausstellen lassen

Geschwindigkeiten bei Wildunfällen (Quelle: DJV)
Aufprallgewicht bei Wildunfällen (Quelle: DJV)
Wie vermeide ich einen Wildunfall?

Gefahrenbereiche erkennenbesonders vorsichtig fahren an unübersichtlichen Wald- oder Feldrändern, im Wald oder auf neuen Straßen

Geschwindigkeit anpassenGeschwindigkeit beeinflusst den Bremsweglänge

Überblick behaltenvorausschauend fahren und Umgebung beobachten. Wildtiere kennen keine Verkehrsregeln

Mit Nachzüglern rechnenWildschweine, Rehe und anderen Arten sind häufig in Gruppen unterwegs

Aufmerksam bleibenWildunfälle sind zu jeder Tages- und Jahreszeit möglich (besonders aufmerksam bei Dämmerung, Nacht, Nebel und nach der Zeitumstellung)

Tier verjagenAbblenden, kontrolliert bremsen und hupen. Aufblenden führt bei Wildtieren zu Orientierungslosigkeit

Kontrollierter Zusammenstoßbei einem unvermeidbaren Wildunfall keine panischen Ausweichmanöver durchführen, sondern Spur halten und stark abbremsen

Das Projekt wird gefördert aus Mittel der Jagdabgabe des Landes Sachsen-Anhalt.

Bildquelle aller Fotos ohne Nachweis: Canva/LJV-ST, LJV

Wildtiererfassung Sachsen-Anhalt

Hintergrund

Die Wildtiererfassung Sachsen-Anhalt ist ein landeseigenes Monitoringprogramm und läuft bereits seit dem Jahre 1998. Im Fokus stand hier zunächst die Erfassung des Feldhasen sowie die Abfrage von Wildtiervorkommen. Durch den Start des bundesweiten Monitoringprogramms Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands (WILD) im Jahre 2001 und der darin integrierten Feldhasentaxation sowie flächendeckenden Erfassung beschränkt sich die Wildtiererfassung Sachsen-Anhalt aktuell auf die flächendeckende Abfrage von Wildtiervorkommen in den Zwischenjahren, die durch das WILD-Projekt ausgesetzt werden. Die Methodik wird analog zur WILD-Erfassung durchgeführt. Für weitere Informationen schauen Sie bitte hier.

 

Ansprechpartner:

Sachbearbeiterin Wildforschung
Natascha Schumann
n.schumann@ljv-sachsen-anhalt.de
039205-417576

Das Projekt wird gefördert aus Mittel der Jagdabgabe des Landes Sachsen-Anhalt.

Bildquelle aller Fotos ohne Nachweis: Canva/LJV-ST, LJV

Streckenerfassung

Hintergrund

In der Vergangenheit wurden für viele jagdbare Arten die Streckenzahlen herangezogen, um eine Bestandsentwicklung abzuleiten. Diese Auswertung ist jedoch alleine nicht immer repräsentativ, da die Jagdstrecke neben der Bestandsdichte auch von vielen weiteren Faktoren beeinflusst wird wie beispielsweise die Bejagungsart, dem jagdlichen Fokus sowie der Witterung. Um dennoch eine fundierte Aussage zum Zustand der Population treffen zu können sind die vorliegenden Zahlen durch weitere Daten zu ergänzen. In Kombination mit den erworbenen Daten aus den Wildtiererfassungen ist es möglich eine Einschätzung zur Entwicklung der Wildtierbestände zu erhalten.

 

Ansprechpartner:

Sachbearbeiterin Wildforschung
Natascha Schumann
n.schumann@ljv-sachsen-anhalt.de
039205-417576

Auswertung der Streckenergebnisse 2022/23

Schalenwild
Bei der Berechnung werden sowohl die Erlegungen als auch das Unfallwild und sonstige Fallwild mit berücksichtigt. (Quelle: LJV)
Quelle: LJV
Niederwild
Raubwild & Neozoen
Bei der Berechnung werden sowohl die Erlegungen als auch das Unfallwild und sonstige Fallwild mit berücksichtigt. (Quelle: LJV)

Auswertung der Streckenergebnisse 2020/21

Für das Jagdjahr 2020/21 wurde eine ausführlichere Auswertung der Streckenergebnisse und Erfassungsdaten durchgeführt. Diese finden Sie hier:

Aufgrund des hohen Aufwandes ist dieses nicht für jedes Jahr möglich.

Bildquelle aller Fotos ohne Nachweis: Canva/LJV-ST, LJV