Letzte Beiträge

Schweißarbeit auf Schalenwild

Foto: S. Grimm

Peitschende Äste und wehrhaftes Wild, die Gefahren bei Nachsuchen sind vielfältig und dürfen nicht unterschätzt werden. Gerade krankgeschossenes Schwarzwild schiebt sich oft in schwer zugängliche Vegetation ein. Professionelle Gespanne haben geeignete Schutzausrüstung für Mensch und Hund, um die Nachsuche sicher zum Erfolg zu bringen. Oben: Bei Weichschüssen nicht zu früh nachgehen! Es handelte sich hier um einen Weidwundschuss nahe am Kurzwildbret bei einem Rehbock. Der Schütze hatte das Stück durch zu frühes Nachgehen aufgemüdet und die Suche erstreckte sich über 3 Kilometer bis der Bock im Wundbett erlöst werden konnte.

Foto: S. Grimm

Wird durch den Schützen ein Wildbretschuss falsch interpretiert und zu sofortiger Suche übergegangen, kann im Ergebnis das kranke Wild aufgemüdet und unerreichbar für den Hundeführer werden. Die Fährte sollte mindestens 4 h stehen, um eine Krankwitterung zu entwickeln. Die körpereigene Witterung (Dunstwolke) muss „verfliegen“, da der Hund mit tiefer Nase nur der Bodenverwundung folgen soll. Dabei zersetzen mikrobiologische Organismen die olfaktorischen Bestandteile und ergeben den für den eingearbeiteten Hund einzigartigen Geruch der Krankfährte. Diese Zeit sollte auch dem Wild gegeben werden, um durch Wundfieber und Blutverlust ausreichend krank zu werden. Dem nachsuchenden Hund wird die unter Umständen anstehende Hatz dadurch erleichtert. Ist das Stück noch zu gesund, kann es auch für den Schweißhund unter Umständen nicht möglich sein, das Stück zu stellen, mit der Konsequenz dass sich das Leid des Tieres verlängert.

Nachsuchen stellen hohe Anforderungen an das Können der Hundeführer und der eingesetzten Jagdhunde.

Während für einfache Totsuchen eine Brauchbarkeit der Fachgruppe D für den Jagdhund ausreichend ist, bedarf es für schwierige Nachsuchen zumeist Spezialisten mit entsprechender Schutzausrüstung, sogenannte Schweißhundegespanne. Aus Verpflichtung zur Weidgerechtigkeit und aus Achtung gegenüber dem Wild sollte immer ein bestätigtes Gespann gerufen werden, wenn keine eindeutigen Zeichen für eine Totsuche bestehen. Damit die Schweißhunde auch schwierige Nachsuchen meistern können, braucht es einer entsprechenden Veranlagung des Schweißhundes, als auch einer gewissenhafte Einarbeitung mit ständiger Übung und Praxis.

Die jeweiligen Zucht- und Rasseverbände bieten die verschiedensten Prüfungsmodelle an. Angefangen bei der einfachen Brauchbarkeit Schweiß (600m Schweiß getupft oder gespritzt, Übernacht) über die Verbandsschweissprüfung (1000m Schweiß gespritzt oder getupft, Übernacht) bis hin zur Verbandsfährtenschuhprüfung (1000m Fährtenschuh getreten). Hier werden bereits die Unterschiede in den Schwierigkeitsgraden deutlich.

Jeder Jagdhund ist entsprechend seiner Rasse und seinen Anlagen einzusetzen. In der Regel werden unsere Jagdhunde als Allrounder in den Revieren geführt. Ein Drahthaar oder Weimaraner apportiert die Ente, sucht den Hasen verloren oder stöbert zur Drückjagd. Das soll ein auf der Wundfährte ausgebildeter Schweißhund nicht tun. Ihm wird in monatelanger Ausbildung beigebracht, gerade nicht der Gesundfährte von Wild zu folgen. Er ist der Spezialist auf der Krankfährte! Allein dafür gezüchtet und nach harten Kriterien bei umfangreichen Vorprüfungen auf der mit dem Fährtenschuh getretenen Fährte geprüft. Der erfahrene Schweißhundeführer legt dann noch seine Hauptprüfung während einer reellen Nachsuche ab. Aber wie wird der Spezialist eingearbeitet?

Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass ein Schweißhund allein aufgrund seiner Rassebezeichnung erfolgreich die Schweißfährte meistert. In Vorbereitung auf die Fährtenschuhprüfung sollte ein junger Schweißhund bereits in der Prägungsphase mit Schleppen und später mit dem Fährtenschuh auf der Übungsfährte eingearbeitet sein. Teils mit, aber meistens ohne einen Tropfen Schweiß werden diese durch unterschiedliche Vegetationen, Bodenbeschaffenheiten und Wildverleitungen getreten. Schweißarbeit ist Fleißarbeit und so können bis zur Prüfung durchaus 60 oder mehr Übungsfährten anfallen, bis am Ende mindestens 1000 m mit 2 Haken, mit anfänglicher Anschussvorsuche, einem Teil der Fährte mit und einem Teil ohne Schweiß sicher beherrscht werden. Anschließend erfolgt die Einarbeitung in die Praxis.

Auch hier ist sehr viel Fingerspitzengefühl gefragt um den Hund nicht gleich mit schwersten Fährten zu überfordern. Erst dann hat der Hund das Rüstzeug dafür, ein Spezialist zu werden. Dieser Spezialist benötigt keinen Schweiß, er zeigt dem Führer kleinste Pirschzeichen wie Schnitthaar oder Feistteile und arbeitet die individuelle Witterung der Schalenabdrücke des kranken Stückes. Genau da liegt der Unterschied! Dieser Spezialist wird keine Ente bringen, nicht stöbern oder Verloren suchen. Er wird mit voller Passion der Krankfährte nachhängen. Es spricht nichts dagegen, wenn am Anschuss eindeutig Lungenschweiss zu finden ist, der Fährte mit dem brauchbaren geprüften Hund nachzugehen.

Sollten aber unklare Pirschzeichen oder gar für das menschliche Auge keine Merkmale auf einen Treffer zu finden sein, sollte ein professionelles Gespann zur Kontrollsuche gerufen werden! Erfahrungen beispielsweise aus dem Nachsuchering Hainicher Land zeigen, dass zwei Drittel aller durchgeführten Kontrollsuchen auf kurz oder lang zum Stück führten.

SCHWEISSHUNDESTATION MITTELDEUTSCHLAND / LJV

Alle bestätigten Schweißhundeführer im Land Sachsen-Anhalt mit Kontaktadresse finden Sie auf unserer Website www.ljv-sachsen-anhalt.de unter der Rubrik Hundeführer.