Wilde Feldflur

Umsetzungsprojekt „Wilde Feldflur“

Hintergrund

Der Feldhase, das Rebhuhn und der Feldhamster zählen als ursprüngliche Steppenbewohner zu den Charakter- und Leitarten des Offenlandes. Seit Beginn bzw. Mitte des 20 Jhdt. sind bei allen Arten starke Bestandrückgänge zu beobachten. Die Gründe hierfür sind vielfältig und liegen unter anderem in der Industrialisierung und im Wandel der Landwirtschaft.
Während die Qualität des Lebensraumes sank, stieg die Dichte der Beutegreifer an. Zu den bereits in Deutschland heimisch vorkommenden Fressfeinden reihten sich nach und nach die durch anthropogenes Handeln eingeführten invasiven Neozoenarten, allen voran Waschbär und Marderhund ein. Durch deren Ausbreitung hat sich die Liste der potenziellen Prädatoren besonders auch für Jungtiere, Küken und Gelege erweitert.
Durch die starke anthropogene Prägung der Ökosysteme schaffen es viele Arten nicht mehr ohne menschliche Unterstützung und die Umsetzung von Maßnahmen ihre Bestände zu stabilisieren und langfristig wieder zu verbessern. Aus diesem Grund haben der Landesjagdverband Sachsen-Anhalt (LJV) und der Deutsche Jagdverband (DJV) das Umsetzungsprojekt „Wilde Feldflur“ entwickelt, indem Arten- und Niederwildschutz eine primäre Rolle spielt. Als entscheidender Kooperationspartner konnte zudem das Rotmilanzentrum am Museum Heineanum gewonnen werden. Weiterhin findet ein Austausch mit dem Projekt Feldhamsterland Sachsen-Anhalt statt.

LJV Sachsen-Anhalt e.V.

Projektgebiet

Das Projektgebiet befindet sich nordwestlich von Magdeburg in der Magdeburger Börde in einem intensiv ackerbaulich genutzten Gebiet. Naturräumlich wird es der Großlandschaft des Nordostdeutschen Tieflandes zugeordnet. Die Fläche beträgt etwa 1550 ha und umfasst drei Jagdbezirke. Der Großteil der Projektgebietsfläche besteht aus Ackerland.

Projektziel

Im Fokus des Projektes stehen die Niederwildhege und der Feldhamsterschutz. Ziel ist es repräsentativ die Bestände der drei ausgewählten Offenlandarten Feldhase, Rebhuhn und Feldhamster zu erhalten und langfristig zu fördern. Um dieses Ziel zu erreichen, werden in Zusammenarbeit mit der Jägerschaft und den lokalen landwirtschaftlichen Betrieben auf Grundlage eines Drei-Säulen-Modells zielgerichtet Maßnahmen umsetzten. Neben der Raubwildbejagung steht auch die Biotopverbesserung im Fokus. Um die Wirkung der Maßnahmen evaluieren zu können, findet begleitend ein Wildtiermonitoring statt.

Drei-Säulen-Modell

Wildtiermonitoring

Zur Evaluierung der umgesetzten Maßnahmen sollen der Bestand der Leitarten Feldhase, Rebhuhn und Feldhamster erfasst und in ihrer Entwicklung beobachtet werden. Dafür wurden je nach Art unterschiedliche Ansätze gewählt. Um den Prädationsfaktor annähernd einschätzen zu können, werden zudem Daten zu Raubsäugern, Aaskrähen und Greifvögel erhoben, zugearbeitet und in die Auswertung miteingebracht.

Biotopverbesserung

Nicht nur die Prädation hat einen Einfluss auf die Überlebensrate und den Nettozuwachs, sondern auch Nahrungsverfügbarkeit und -qualität. Gerade in der landwirtschaftlich intensiv genutzten Kulturlandschaft der Magdeburger Börde ist die Wiederherstellung einer Strukturvielfalt von hoher Bedeutung. Fokussiert wird dabei die Anlage von Blühflächen mithilfe von Niederwildfreundlichem Saatgut sowie die Anlegung von Gehölz- und Heckenstrukturen aus heimischen Gehölzen. Aber auch bestandsstützende Maßnahmen wie die Anlage von Hamstermutterzellen verbessern die Lebensraumbedingungen.

Raubwildmanagement

Um den Prädationsdruck auf die Niederwildarten zu reduzieren und somit eine höhere Zuwachsrate zu ermöglichen, soll im Projektgebiet eine intensive Bejagung der Prädatoren durchgeführt werden, dabei wird vor allem die Fallenjagd in den Fokus gestellt. Zu den bereits in den Revieren vorhandenen Fallen sollen noch weitere aus Projektmitteln angeschaffte Anlagen ergänzt werden. Um die Raubsäugerdichte zusätzlich zu reduzieren, sollen Baujagden durchgeführt werden sowie eine Rabenvogelbejagung. Auf Grundlage einer erweiterten Streckenerfassung soll die Ergebnisse der Bejagung erfasst werden.

Ansprechpartner:

Sachbearbeiterin Wildforschung
Natascha Schumann
n.schumann@ljv-sachsen-anhalt.de
039205-417576

Bildquelle aller Fotos ohne Nachweis: Canva/LJV, LJV