Wildtierforschung

Wildtierforschung

Sachsen-Anhalt ist ein Bundesland mit einer Vielzahl verschiedener Landschaftsstrukturen. Diese bieten vielen verschiedenen Wildtierarten Lebensraum. Jede Wildtierart hat dabei individuelle Ansprüche an ihr Habitat und an die damit verbundenen Lebensraumfaktoren.
Wildtierforschung ist ein Bereich der Wissenschaft, der sich mit der Untersuchung von wild lebenden Tieren und ihren Lebensräumen befasst. Dabei werden verschiedene Methoden wie Beobachtungen, Datenerhebung und -analyse angewendet. Die Erforschung umfasst unter anderem die Verhaltensweisen, die ökologische Bedeutung der Art, ihre Anpassung an die Umwelt, die Populationsdynamik und ihre Interaktionen mit anderen Arten. Ziel der Wildtierforschung ist es, ein besseres Verständnis für die natürlichen Lebensräume und die Artenvielfalt zu erlangen, um effektive Maßnahmen zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung von Wildtieren zu entwickeln. Durch die Erforschung von Wildtieren können wir auch wichtige Erkenntnisse für den Naturschutz und die Erhaltung bedrohter Arten gewinnen.

„Was wir wissen, ist ein Tropfen; was wir nicht wissen, ein Ozean.“

-Isaac Newton-

Populations-

genetische Studie

zum Rotwild in Sachsen-Anhalt

Laufzeit 2023 – 2026

Stabilisierung und Vergrößerung der Großtrappenpopulation in Sachsen-Anhalt

Kooperationspartner

Laufzeit 2021 – 2024

Rebhuhn retten – Vielfalt fördern

Projektgebiet Zerbster Land

Kooperationspartner

Laufzeit 2023 – 2029

Populationsgenetische Studie zur Validierung und Sicherung der genetischen Diversität der Rotwild-Vorkommen in Sachsen-Anhalt

Bei dem Forschungsprojekt handelt es sich um eine Kooperation zwischen dem Landesjagdverband Sachsen-Anhalt e.V. und dem Arbeitskreis Wildbiologie der Justus-Liebig-Universität Gießen unter der Leitung von Prof. Gerald Reiner. Das Projekt ist 2023 gestartet und auf zwei Jahre angesetzt.

 

Kontaktperson:

Sachbearbeiterin Wildforschung
Natascha Schumann
n.schumann@ljv-sachsen-anhalt.de
039205-417576

Foto: LJV

Hintergrund

Durch verschiedene Faktoren wie die Intensivierung der Landwirtschaft, das Freizeitverhalten von uns Menschen sowie die zunehmende Zersiedlung der Landschaft durch Bauprojekte und Infrastruktur kommt es immer mehr zu der Verinselung von Wildtiervorkommen. Der Verlust und die Unerreichbarkeit von saisonalen Lebensräumen hat ein gesteigertes Wildschadensrisiko zur Folge. Parallel bedroht die Verinselung den genetischen Austausch und fördert den Verlust von wertvollen Genvarianten in den einzelnen Populationen. Dies führt zu einer Zunahme der Inzucht, welche wiederum einen negativen Effekt auf die Fitness, die Fruchtbarkeit und das Anpassungsvermögen der Tiere hat.
Das Rotwild gehört zu den größten heimischen Säugetieren in Deutschland. Für die nachhaltige Sicherung und Verbesserung der Hege dieser beeindruckenden Wildart ist es wichtig, den aktuellen genetischen Zustand anhand populationsgenetischer Daten zu untersuchen. Dabei dient das Rotwild als Leitbildart für eine Vielzahl von wandernden Wildtierarten, die durch Verinselung von Populationen und anthropogene Barrieren beeinträchtigt sind.
Sachsen-Anhalt hat durch seine Lage in Mitteldeutschland eine wichtige Rolle bei der Verknüpfung und dem genetischen Austausch zwischen den verschiedenen Populationen aus den unterschiedlichen Teilen der Bundesrepublik.

Stand der Forschung

Das Rotwild in Deutschland und sein populationsgenetischer Zustand ist bereits in der Vergangenheit Inhalt von wissenschaftlichen Studien gewesen und auch vor ein paar Jahren wieder in den Fokus gerückt. Der Arbeitskreis Wildbiologie der Justus-Liebig-Universität Gießen unter der Leitung von Prof. Gerald Reiner hat zunächst in Hessen auf kleinräumiger Ebene den Verdacht auf genetische Verarmung untersucht und diese Untersuchung später auf das gesamte Bundesland und auch auf Nordrhein-Westfalen ausgeweitet (u. a. REINER & WILLEMS 2019, REINER & WILLEMS 2021). In diesen Studien konnte belegt werden, dass es bereits zu einer Verminderung der genetischen Vielfalt, zu einem reduzierten genetischen Austausch zwischen den Populationen und in einigen Populationen zu einem bedenklichen Inzuchtgrad bis hin zu Inzuchtdepressionen gekommen ist.
Durch die Studie von WESTEKEMPER (2021) konnte ein grober Überblick für Sachsen-Anhalt gegeben werden. Aber die geringe Anzahl der Proben pro Gebiet und auch die Tatsache, dass nur eine geringe Anzahl ausgewählter Gebiete beprobt wurde, ist Grund für einen weiteren Forschungsbedarf, um einen besseren Einblick in den populationsgenetischen Zustand der Rotwildpopulationen in Sachsen-Anhalt zu erhalten.
Durch den Austausch auf verschiedenen Konferenzen und Tagungen zum Thema Rotwild wurde schrittweise zwischen dem Landesjagdverband Sachsen-Anhalt e. V. und Prof. Gerald Reiner der AG Wildbiologie der JLU Gießen ein Konzept für eine tiefergehende Studie in Sachsen-Anhalt entwickelt.

Genetische Vielfalt und genetische Konnektivität zwischen den Rotwildgebieten in Hessen und NRW (©Reiner und Laumeier, 2023)
Projektgebiete der Genetikstudie in Sachsen-Anhalt (Quelle: LJV)

Projektaufbau

Für Sachsen-Anhalt wurden 16 Untersuchungsgebiete festgelegt. Dazu zählen durch rotwildfreie Agrarlandschaft und anthropogene Siedlungen größtenteils isolierte Bereiche sowie Teile von größeren (Meta-)populationen, welche vermutlich in Austausch zu den Nachbarbundesländern Sachsen, Thüringen, Brandenburg, Niedersachsen und indirekt Mecklenburg-Vorpommern stehen. Festgelegt wurden die Gebiete auf Grundlage der ehemaligen Bewirtschaftstungsgebiete, der erfassten Verbreitung des Rotwildes durch die Deutsche Wildtier Stiftung sowie anhand der Ergebnisse aus der Abfragen durch das Bundesprogramm Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands.

Methodik

Zur Umsetzung und für den Erfolg der Studie benötigen wir die Unterstützung der Jäger.

Die genetischen Untersuchungen werden anhand von Gewebeproben von erlegtem Rotwild durchgeführt, Geschlecht und Alter sind dabei ohne Belang. Geeignet ist jede Art von Gewebe (z. B. Lunge, Milz, Zwerchfell, etc.). Die Probe sollte etwa 2 x 2 x 2 cm groß sein und in einem Gefrierbeutel eingefroren gelagert werden. Auch Gewebeproben von bereits erlegten Stücken können verwendet werden. Besonders wichtig sind die Kennzeichnung der Probenbeutel und der dazugehörige ausgefüllte Begleitschein, nur so kann eine fehlerfreie Zuordnung der Probe gewährleistet werden.

(Quelle: LJV)

Aktueller Stand der eingereichten Proben

(Stand: 03.04.2024)

Annaburger Heide 2%
Colbitz-Letzlinger Heide 100%
Dübener Heide 100%
Flechtinger Höhenzug - 1 0%
Flechtinger Höhenzug - 2 7%
Glücksburger Heide 37%
Havelberg 96%
Kropstädter Heide/Katharinenholz - 1 5%
Kropstädter Heide/Katharinenholz - 2 0%
Möckern-Hohenseeden - 1 7%
Möckern-Hohenseeden - 2 10%
Nördliche Altmark 13%
Nordwestliche Altmark 3%
Oberharz 100%
Ost-/Südharz 100%
Ziegelrodaer Forst 32%

Häufig gestellte Fragen

Ist das Rotwild eine gefährdete Art?

Gemäß der Roten Liste ist der Rothirsch (Cervus elaphus) als ungefährdet eingestuft,  da es häufig vorkommt, weit verbreitet ist und ausreichend Lebensraum vorhanden wäre. Jedoch reichen diese Kriterien nicht aus, um den Zustand einer Art festzulegen. Wichtig sind zudem die genetische Vielfalt in Populationen und der genetische Austausch zwischen den Populationen.

Wie Studien gezeigt haben, trifft dies nicht mehr überall in Deutschland auf die Rotwildpopulationen zu. Um herauszufinden, ob dies auch auf Sachsen-Anhalt zutrifft, ist Inhalt dieser Studie.

Was ist genetische Vielfalt?

Genetische Vielfalt ist die Anzahl unterschiedlicher Gene und Genvarianten in einer Population, die alle eine andere Aufgabe erfüllen.

Einfach vorgestellt wie ein Werkzeugkasten:

Gene = Werkzeuge — Jedes Werkzeug erfüllt seine eigene Aufgabe.

Genvarianten = Bits für Akkuschraube — Der Akkuschraube hat eine Aufgabe, mit den verschiedenen Bits ist er jedoch bei einer Vielzahl von Schrauben einsetzbar.

Wozu braucht es genetische Vielfalt?

Genetische Vielfalt in einer Population ist wichtig, damit sich die Individuen an ändernde Bedingungen anpassen können. Je größer die genetische Vielfalt, desto wahrscheinlicher ist es, dass ein Individuum sich anpassen und dieses an die Nachkommen weitergeben kann.

–> Die Art kann langfristig überleben.

Was ist Inzucht?

Inzucht liegt vor, wenn eng verwandte Individuen sich miteinander verpaaren. Dabei steigt die Wahrscheinlichkeit, dass von Mutter und Vater die gleiche Genvariante weitergegeben wird und dadurch Genvarianten verloren gehen.

Wie kommt es zur Inzucht?

In einer Population kommt es zur Inzucht, wenn kein genetischer Austausch mehr stattfinden kann. Die Population ist durch Barrieren isoliert von anderen und kann sich somit nur untereinander paaren. Dadurch wächst der Verwandtschaftsgrad innerhalb einer Population und die genetische Variabilität sinkt.

Was für Barrieren gibt es?

Häufig sind Barrieren anthropogenen Ursprungs beispielsweise Autobahnen, ausgebaute Gewässer, Besiedlung oder eine Änderung der Landnutzung (große Agrarflächen). Aber es gibt auch Barrieren natürlichen Ursprungs wie Gebirgsketten oder auch Inseln.

Was sind Inzuchtdepressionen?

Inzuchtdepressionen entstehen im Zuge von Inzucht und dem Verlust der genetischen Variabilität. Inzuchtdepressionen können sichtbar oder auch „unsichtbar“ auftreten.

Sichtbar: Missbildungen (Wirbelsäule, Schädel), Unterkieferverkürzungen, …

Nicht sichtbar: schlechte Anpassungsfähigkeit, reduzierte Fitness, Krankheitsanfälligkeit, reduzierte Fruchtbarkeit (Embryonaltod, Spermienqualität), …

Weiterführende Literatur

ALLENDORF, F. W.; LUIKART, G. & AITKEN, S. N. (2013): Conservation and the Genetics of Populations, Wiley-Blackwell, Hoboken, USA.

DARWIN, C. (1868): The Variation of Animals and Plants under Domestication. Volume 2. Cambridge University Press, Cambridge, UK.

EDELHOFF, H.; ZACHOS, F. E.; FICKEL, J.; EPPS, C. W. & BALKENHOL, N. (2020): Genetic analysis of red deer (Cervus elaphus) administrative management units in a human-dominated landscape. Conservation Genetics 21: 261-276.

KUEHN, R.; SCHROEDER, W.; PIRCHNER, F. & ROTTMANN, O. (2003): Genetic diversity, gene flow and drift in Bavarian red deer populations (Cervus elaphus). Conservation Genetics 4: 157-166.

REINER, G. & WILLEMS, H. (2019): Sicherung der genetischen Vielfalt beim hessischen Rotwild als Beitrag zur Biodiversität. Deutsche Wildtier Stiftung.

REINER, G. & WILLEMS, H. (2021): Genetische Isolation, Inzuchtgrade und Inzuchtdepressionen in den hessischen Rotwildgebieten. Beiträge der Jagd- und Wildtierforschung, Bd. 46: 161-184.

WESTEKEMPER, K. (2021): Impacts of landscape fragmentation on red deer (Cervus elaphus) and European wildcat (Felis silvestris silvestris): a nation-wide landscape genetic analysis. Dissertation. Georg-August-Universität Göttingen.

ZACHOS, F. E.; ALTHOFF, C.; STEYNITZ, Y. v.; ECKERT, I. & HARTL, G. B. (2007): Genetic analysis of an isolated red deer (Cervus elaphus) population showing signs of inbreeding depression. European Journal of Wildlife Research 53: 61-67.

Das Projekt wird gefördert aus Mittel der Jagdabgabe des Landes Sachsen-Anhalt.

Bildquelle aller Fotos ohne Nachweis: Canva/LJV-ST, LJV

Rebhuhn retten – Vielfalt fördern

Projektgebiet Zerbster Land

Bei dem Forschungsprojekt ist der Landesjagdverband Sachsen-Anhalt e. V. ein Kooperationspartner des Fördervereins Großtrappenschutz e. V. Das Projekt ist 2023 gestartet und auf sechs Jahre angesetzt.

Kontaktperson LJV:

Sachbearbeiterin Wildforschung
Natascha Schumann
n.schumann@ljv-sachsen-anhalt.de
039205-417576

Kontaktperson Rebhuhnprojekt:

Projektkoordinatorin – Projektgebiet Zerbster Ackerland
Nadine Schubert
nadine.schubert@grosstrappe.de
0176-75872103

Foto: LJV

Hintergrund

Früher war das Rebhuhn einer der häufigsten Vögel unserer Agrarlandschaft. Seit 1980 sind die Bestände des Rebhuhns allerdings europaweit um 94% zurückgegangen. Auf der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands wird das Rebhuhn inzwischen als „stark gefährdet“ eingestuft. Ursache für den Rückgang ist vor allem die Intensivierung der Landwirtschaft, die zu Verlust von Lebensraum und Nahrungsquellen sowie Rückzugsräumen für die Brut und Kükenaufzucht führt.

 

Das deutschlandweite Verbundprojekt „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!“ will über sechs Jahre in zehn Projektteilgebieten mit unterschiedlichen Naturräumen Maßnahmen zur Verbesserung des Rebhuhn-Lebensraums umsetzen und ihren Erfolg für den Rebhuhnschutz überprüfen. Das Projekt wird vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA), dem Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) und der Abteilung Naturschutzbiologie der Universität Göttingen koordiniert und im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz gefördert. Im Zerbster Ackerland, einem der zehn Projektgebiete, ist der Förderverein Großtrappenschutz e.V. für die Umsetzung des Projekts zuständig.

Stand der Forschung

Die Sterblichkeit bei Rebhühnern ist groß, weshalb die meisten Rebhühner nur eine Brutzeit erleben. Hauptgrund für die hohe Sterblichkeit ist Prädation und gefährdet sind vor allem Hennen, da sie während der Brutzeit lange Zeiten regungslos auf dem Nest verharren. Raubsäuger stellen dabei die größte Bedrohung dar, Greifvögel sind hingegen für nur etwa ein Fünftel der Verluste der Hennen auf dem Nest verantwortlich (GOTTSCHALK & BEEKE 2014, OLESEN 2017). Der Bruterfolg der Rebhühner ist mit nur 25% erfolgreichen Brutpaaren und durchschnittlich 7 Küken pro Brut gering. Ein Großteil der Bruten wird schon vor dem Schlupf verloren (75%), nur in 25% der Fälle verlieren die Brutpaare die Küken erst nach dem Schlupf.

Die hohe Sterblichkeit der Hennen während der Brutzeit und der überwiegende Verlust der Brut noch vor dem Schlupf zeigt, dass ein zentraler Ansatz zum Schutz des Rebhuhns das Schaffen eines sicheren und geeigneten Bruthabitats ist. Die Beschaffenheit des Bruthabitats spielt dabei eine wichtige Rolle: flächige Landschaftselemente mit einer Breite von 15m sind sicherer und Bruten in diesen Strukturen haben einen höheren Erfolg als solche in linienförmigen Elementen wie Hecken und Feldrainen (24% vs. 62% der Gelege prädiert). Zudem senkt eine strukturreiche Landschaft mit vielfältigen, kleinräumigen Strukturen das Prädationsrisiko weiter (LAUX et al. 2023, LAUX et al. 2022).

Die Raumnutzung von Rebhühnern konzentriert sich vor allem auf ungenutzte bzw. extensiv genutzte Vegetation, die ganzjährig zur Verfügung steht: Auf das ganze Jahr gesehen verbringen Rebhühner mehr als die Hälfte der Zeit in extensiv genutzter bzw. ungenutzter Vegetation, zur Brutzeit steigt dieser Wert auf 80%. Nester liegen ausschließlich in diesem Vegetationstyp, aber auf das ganze Jahr gesehen hält sich das Rebhuhn neben der Extensiv-Vegetation auch in verschiedenen Feldfrüchten wie Getreide, Raps und Zuckerrüben auf (REBHUHNSCHUTZPROJEKT o.J.).

Rebhühner brüten im Vergleich zu anderen Vögeln spät. Der passende Merksatz ist: Mai: legen, Juni: brüten, Juli: kleine Küken. Bei Störungen am Nest oder Prädation des Geleges können Rebhühner ein neues Gelege starten, was dazu führen kann, dass die Elterntiere bis in die ersten Augusttage hinein noch flugunfähige Küken führen. Für Hennen ist die Sterblichkeit während der Brutzeit am höchsten, für Hähne besteht das größte Risiko hingegen während der Paarfindung. Insgesamt steigt das Prädationsrisiko an Tagen mit geschlossener Schneedecke um das Fünffache im Vergleich zu Wintertagen ohne Schnee (GOTTSCHALK & BEEKE 2014).

Projektgebietskulisse des Zerbster Ackerlandes. Die blaue Silhouette zeigt den Umriss des Projektgebiets Zerbster Ackerland mit 218 km2 Fläche. (Quelle: Förderverein Großtrappenschutz e.V.)

Projektgebiet

Das Projektteilgebiet Zerbster Ackerland liegt ungefähr 30 Kilometer südöstlich von Magdeburg, zieht sich von Möckern im Norden und Steutz im Süden sowie von Deetz im Osten bis Ladeburg im Westen. Es umfasst 21.800 Hektar agrargeprägte Landschaft. In diesem Gebiet, das sich über Teile der Landkreise Anhalt-Bitterfeld, Jerichower Land und der kreisfreien Stadt Dessau-Roßlau erstreckt, liegt auch das viergeteilte Vogelschutzgebiet (EU-SPA) mit einer Fläche von 6.207 Hektar. In den Jahren 2022 und 2023 wurde im Rahmen eines Vorprojekts der Rebhuhnbestand zunächst im EU-SPA und dann im gesamten Gebiet untersucht. Mit einer Dichte von etwa einem Rebhuhn-Revier auf 100 Hektar weist das Projektteilgebiet eine geringe Dichte an Rebhühnern auf, die wir mit lebensraumaufwertenden Maßnahmen stärken und deren Teilbestände wir räumlich vernetzen wollen.

Methodik

Im Projektteilgebiet Zerbster Ackerland werden verschiedene Maßnahmen umgesetzt, um die Rebhuhnpopulation zu stärken. Zum einen soll in Zusammenarbeit mit Landwirtinnen und Landwirten auf 7% der Gesamtackerfläche mithilfe von Blühflächen, – streifen oder Brachen Rebhuhn-gerechter Lebensraum geschaffen werden. Zudem werden Informationsveranstaltungen für Landnutzende, also Landwirtinnen und Landwirte, Jägerinnen und Jäger aber auch Landeigentümerinnen und Landeigentümer, angeboten, um darüber zu informieren, wie in gemeinsamer Zusammenarbeit die Situation für das Rebhuhn verbessert werden kann. Zur Kontrolle des Erfolgs der unterschiedlichen Maßnahmen wird das Vorkommen der Rebhühner aber auch das anderer Feldvögel, die ebenfalls von den Maßnahmen profitieren können, bestimmt.

Foto: LJV

Ergebnisse Rebhuhn-Monitoring 2024

Im Verbundprojekt „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!“, bei dem auch ein Projektgebiet im Zerbster Ackerland vertreten ist, wurden auch in diesem Jahr wieder die Rebhuhnbestände kartiert. Dank der tatkräftigen Hilfe der vielen freiwilligen Kartiererinnen und Kartierer, unter denen sich auch jedes Jahr wieder interessierte Jägerinnen und Jäger befinden, konnten dieses Mal sogar alle 92 im Projektgebiet angelegten Kartierrouten begangen werden.

Die Ergebnisse zeigen einen Anstieg der Rebhuhn-Nachweise von 30 im Jahr 2022, auf 73 im Jahr 2023 und schließlich 107 in diesem Jahr. Allerdings wurden in den Jahren dank der engagierten Kartierenden auch stetig mehr und mehr Routen begangen: waren es im Jahr 2022 nur 38 Routen, so wurden 2023 schon 72 Routen begangen und im Jahr 2024 konnten mit zusätzlichen 20 schließlich alle geplanten Routen begangen werden. Die positive Entwicklung der Rebhuhn-Dichte der letzten Jahre auf nun 1,26 Nachweise pro 100 ha Agrarlandschaft in 2024 sollte also unter Vorbehalt bewertet werden, da sich auch die Anzahl der begangenen Routen in den Jahren stetig erhöht hat.

Abb. 1: Rebhuhn-Nachweise insgesamt
Abb. 2: Rebhuhn-Nachweise pro Route
Abb. 3: Rebhuhn-Dichte pro 100ha Ackerfläche
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Bildquelle aller Fotos ohne Nachweis: Canva/LJV-ST