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Philipp Brabant im Interview: „Schießen gibt mir Sicherheit“

Philipp Brabant
Ostdeutscher Meister im jagdlichen Schießen 2022

Am vergangenen Wochenende hat Philipp Brabant aus Welsleben bei Magdeburg die Ostdeutsche Meisterschaft im jagdlichen Schießen gewonnen. Wie der 31-jährige aus der Jägerschaft Magdeburg denn Wettkampftag erlebt hat, erzählt er im LJV-Interview.

LJV: Philipp, erstmal herzlichen Glückwunsch! Das Ding hat schon lange keiner mehr nach Sachsen-Anhalt geholt. Wie war dein Gefühl am Wettkampftag?

Philipp: Och, eigentlich normal. Ich hatte zwei freie Tage vorher und habe die für einen Kurzurlaub an der Ostsee genutzt und dort gechillt. Es macht schon einen Unterschied, ob man am Freitag ankommt und Samstag gleich schießt oder noch Ruhe reinkommt. Außerdem ging es Samstag für uns erst um 15.00 Uhr los.

 

Mit welcher Disziplin bist du gestartet?

Zuerst kam der 100-Meter-Bock angestrichen. Das war gar nicht so gut. Mit einer neun und einer acht war ich unzufrieden. Dann kam der Überläufer, 100 Meter stehend freihändig. Das war sehr gut mit 46 Punkten. Da kann man schon mal komplett verreißen und ein bisschen unter der 8 ist schon der Lauf und der hat null Punkte – das ist bitter, aber das lief an dem Tag.

Dann kam der Fuchs mit 45 Ringen liegend – auch in Ordnung – und dann der laufende Keiler mit einer 3 direkt hinterm Teller. Jagdlich wäre das super aber beim Wettkampf ist eine 3 halt eine 3, im Ergebnis: 39 Ringe. So habe ich die Kugeldisziplinen mit 177 Ringen abgeschlossen.

 

Wann kam das Gefühl, dass da was gehen könnte?

Meine Freundin hat mich zum ersten Mal auf einen Wettkampf begleitet. Sie hat mich nach der Kugel gefragt, wie ich dastehe und ich habe ihr gesagt „gar nicht so gut“. Ich habe ihr erklärt, dass ich jetzt richtig, richtig gut Flinte schießen muss.

 

Und dann?

Dann habe ich richtig, richtig gut Flinte geschossen. Alle Tauben beim Trap und alle Tauben beim Skeet.

 

Hut ab. Was ist da in dir vorgegangen?

Ich dachte, „wenn du Skeet jetzt noch packst, dann könnte es mit dem Treppchen klappen.“

 

Hat dich das motiviert?

Tatsächlich hat es mir eher Angst gemacht. Je weiter du kommst, desto mehr denkst du drüber nach. Eigentlich muss man sich auf’s Schießen konzentrieren und dann fängt das Denken an. Das ist kontraproduktiv.


Ist die Flinte deine Lieblingsdisziplin?

Ja, auf jeden Fall. Sportlich schieße ich auch Skeet. Darin bin ich dieses Jahr auch Landesmeister geworden.

 

Herzlichen Glückwunsch! Skeet ist auch olympisch. Pläne?

Einmal an der Deutschen Meisterschaft im Skeet teilzunehmen wäre sehr geil. Aber in meiner Altersklasse muss man dann im Schnitt 114 von 125 Scheiben treffen. Bist du drunter, fährst du nicht hin. Das bedeutet 23 von 25 Scheiben in jeder Runde. Das Niveau ist heftig.

 

Du hast auf der Meisterschaft neben dem Gesamtsieg (Sieg aller Klassen) auch deine Altersklasse gewonnen, den Titel „Flintenmeister“ mitnehmen dürfen und Groß Gold erster Klasse errungen. Wie war das für dich?

Erstmal konnte ich es nicht glauben. Die Freude war enorm. Alle anderen aus Sachsen-Anhalt haben sich auch riesig gefreut. Den Gesamtsieg haben wir schon lange nicht mehr nach Sachsen-Anhalt geholt. Das ist schon ´ne große Nummer.

 

Wie ist das Mannschaftsgefühl?

Der Zusammenhalt ist richtig gut. Dadurch, dass wir als Mannschaft zusammen hinfahren, abends im Restaurant sitzen, immer zusammenschießen, stehen auch alle an deiner Seite. Sobald am Samstag klar war, dass es bei mir um was geht, standen sie hinter mir und haben mir zugeschaut. Das war super.

 

Macht dich das nervös?

Das spornt mich an. Nervös macht mich mein eigener Druck.

 

Wann hast du angefangen, jagdlich wettkampforientiert zu schießen? 

Ich habe 2010 den Jagdschein gemacht und 2011 schon jagdlich auf Wettkämpfen geschossen?

 

Wie kam das?

Durch Robert Engelmann, den Obmann Junge Jäger beim LJV. Der war bereits in der Mannschaft und hat mich mitgenommen.

 

Wirst du im Moment irgendwie unterstützt?

Als ich Junior war (bis 28 Jahre) hat mich der LJV unterstützt mit Munition. Auf den LJV-Schießständen konnte ich zum vergünstigten Preis schießen, weil ich im LJV-Kader war. Im Moment zahle ich selbst, bekomme aber über den Schützenverein vergünstigtes Training.

 

Wie kommt man in den LJV-Kader?

Man muss zu Vergleichsschießen antreten. Davon gibt es vier im Jahr: In Schweinitz, Gardelegen, Schönebeck und Genthin. Das sind zeitgleich die Qualifikationsschießen für die Deutsche und Ostdeutsche Meisterschaft. Wenn du dort gut abschließt, kommst du in den Kader.

 

Was heißt „gut“?

Bei den Junioren muss man im Schnitt die 260 Punkte schießen, bei den Herren sind’s 300 und drüber.

 

Das ist viel!

Vor neun Jahren dachte ich das auch. Aber mittlerweile ärgere ich mich, wenn ich unter 300 Punkte schieße.

 

Hast du einen Trainer?

Nein, sowas gibt es bei uns nicht. Ich bin in Schönebeck im Schützenverein, wo ich Skeet schieße. Dort korrigieren wir uns unter den Schützenbrüdern gegenseitig.

 

Warum Schützenverein?

Weil man im Schützenverein günstiger schießt. Eine Runde Training auf Tauben sind 4-5 Euro, im Schützenverein 2 Euro.

 

Fährst du zur Deutschen Meisterschaft?

Aus beruflichen Gründen passt es dieses Jahr leider nicht. Das ist die erste DM, die ich verpasse.

 

Was hat deine Freundin gesagt?

Die wusste an dem Tag nicht so recht, worauf sie sich da eingelassen hat – der Ablauf, die Spannung, der Mannschaftszusammenhalt. Am Ende war sie schon stolz.

 

Womit schießt du?

Bei der Büchse schieße ich eine Krico in .22 Hornet. Bei der Flinte eine Beretta.

 

Was würdest du dir von den Jungjägern in Sachsen-Anhalt wünschen?

Ich würde mir wünschen, dass mehr von ihnen zu den jagdlichen Vergleichsschießen kommen und einfach mitschießen. Niemand steigt mit 300 Punkten ein, aber man kann sich hocharbeiten. Wir brauchen junge, ambitionierte Jagdschützen und ganz besonders bei den Junioren Nachwuchs. Wer 16 oder 17 Jahre alt ist, der kann starten.

 

Was bedeutet das jagdliche Schießen für dich?

Schießen gibt mir Sicherheit. Wenn ich ein Reh auf 100 bis 150 Meter erlege, dann bin ich ruhig, weil ich das im Training über 1.000-mal gemacht habe und mir selbst vertraue. Wer nie auf dem Schießstand ist, der braucht sich nicht wundern, wenn er überdurchschnittlich wenig trifft. Fehler können mal passieren, aber müssen immer die absolute Ausnahme sein.

Ich bin dankbar, dass der Landesjagdverband mich in der Jugendzeit so unterstützt hat, auch den Schießständen bin ich dankbar, die einen vergünstigten Schießstandbeitrag ermöglichen. Ohne das wird es echt schwer.