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Landesjagdverband kritisiert Verunglimpfung der Jägerschaft durch Leiter des Wolfskompetenzzentrums Iden

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(Langenweddingen, 14.11.2022) In einem Beitrag des MDR zum Thema Wolfsbejagung (10.11.2022, mdr.de) äußerte der Leiter des Wolfskompetenzzentrums Iden (WZI), Andreas Berbig, die Vermutung einer Dunkelziffer illegal geschossener Wölfe in Sachsen-Anhalt und zieht hier eine Verbindung zur Jägerschaft. Der Landesjagdverband (LJV) hat in der Vergangenheit die illegale Tötung geschützter Tiere stets scharf verurteilt und hält an dieser Auffassung fest. Für Verwirrung in der Jägerschaft sorgte nun allerdings die pauschale Aussage des oben genannten Dezernatsleiters aus dem Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. „Seit Jahren drückt sich das Wolfskompetenzzentrum um eine realitätsnahe Schätzung des Wolfsbestandes in Sachsen-Anhalt. Die Anzahl der Durchzügler und Jungwölfe könne nicht angegeben, nicht einmal geschätzt werden, so hieß es in der Vergangenheit. Stets pochte man dort auf Fakten und eindeutig bestätigte Nachweise. Dass nun ausgerechnet das WZI bei der Bezichtigung der Jägerschaft ins Schätzen und Vermuten, ja sogar Verleumden verfällt, zeigt, dass die Argumentationskette des WZI zur Fortführung des Schutzstatus Ihres einzigen Untersuchungsobjekts an Ihr Ende gelangt ist“, so Dr. Carsten Scholz, Präsident des LJV. Der LJV wirbt gegenwärtig intensiv für eine pragmatische und wissenschaftsbasierte Lösung der sich häufenden Konflikte im Spannungsfeld um die bereits fest etablierte Wolfspopulation in Sachsen-Anhalt. Das Nachbarbundesland Niedersachsen hat bereits mehrere Wölfe mittels Ausnahmegenehmigungen entnommen und den Wolf in das Landesjagdrecht aufgenommen. Gegenwärtig steht dem geordneten Management der Population jedoch noch die Einstufung des Wolfes nach EU-Recht im Wege, eine Bejagung ist daher aufgrund seines Schutzstatus nicht möglich.

„Es wäre wünschenswert“, so Dr. Carsten Scholz, „wenn man vorsorglich und zusammen mit auf diesem Gebiet erfahrenen Wissenschaftlern und Behörden eine Strategie entwickeln könnte, um eine nachhaltige Bejagung ohne biogenetische Beeinträchtigung der Population zu gewährleisten. Der Wolf wird (so lassen die erfolgreichen Beispiele aus anderen Ländern vermuten) eines Tages auch in Sachsen-Anhalt bejagt werden müssen. Nun gilt es, gemeinsam an einem Strang zu ziehen und unter Berücksichtigung aller Betroffenen und zum Schutz anderer Wildtierpopulationen, ideologiefreie und produktive Gespräche hierfür zu führen. Derlei unbelegte Aussagen stehen einer erfolgreichen Zusammenarbeit im Wege.“ Neben den negativen Auswirkungen auf Nutztierbestände in Form von Rissen und Beeinträchtigungen durch erhöhten Stress, sowie eine massive psychische Belastung von Tierhaltern und Tierhalterinnen, beeinflusst der Wolf auch die Wildtiere in Sachsen-Anhalt teilweise sehr negativ. Besonders das Muffelwild ist in einigen Gegenden unseres Bundeslandes bereits verschwunden und in anderen akut von der Auslöschung bedroht. Der LJV wirbt daher für eine Aufnahme des Wolfes ins Landesjagdrecht, auch wenn dadurch vorerst keine Wölfe bejagt werden können. In der Folge ist eine Erwirkung der Änderung des Schutzstatus nach EU-Recht notwendig, welche über die Bundesregierung erfolgen muss. Daher fordert der LJV auch die Landesregierung auf, sich hierfür auf Bundesebene stark zu machen und gemeinsam mit Verbänden und wissenschaftlichen Institutionen einen Managementplan zu entwickeln, welcher eine Eingliederung des Wolfes in eine ganzheitliche wildökologische Betrachtung beinhaltet.

Der Landesjagdverband Sachsen-Anhalt als Dachverband für 39 Jägerschaften (Kreisgruppen) steht als Partner in Wildforschungsfragen zur Verfügung. Insgesamt sind in Sachsen-Anhalt 8700 Jägerinnen und Jäger im Verband organisiert. Der eingetragene Verein vertritt die Interessen der Jägerschaft und ist anerkannte Naturschutzvereinigung.

LJV

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