Jagdhornbläser

Hercynia

Eigentlich wollten die Jagdhornbläser von Hercynia im Mai ausgiebig feiern. Doch die „Sause“ zum 35-jährigen Gründungsjubiläum der Musikergruppe fiel aus. Denn auch im Harz sorgte die Corona-Pandemie für Stillstand im Vereinsleben. So mussten die Musiker der Jägerschaft eine Zwangspause einlegen und sich schweren Herzens dazu entschließen, ihre Geburtstagsfeier in Zeiten zu verschieben, in denen Corona nicht mehr den Alltag dominiert. „Das schmerzt doch schon ein wenig“, gesteht Peter Musche. Der 71-Jährige ist als letztes Gründungsmitglied der Jagdhornbläsergruppe das Urgestein.  Sozusagen der letzte Aktive aus der Reihe derjenigen, die 1985 per „staatlichen Auftrag“ zusammenkamen, um eine Bläsergruppe ins Leben zu rufen.

Auslöser dieser „Anweisung“ war der Wunsch des Oberförsters Horst Presch, Leiter der Öberförsterei Thale, nach einer Bläsergruppe. Geprobt wurde in der Oberförsterei in Thale, zunächst als reine Herrentruppe. 1992 gab es dann die ersten jagdhirnbläserinnen in der Truppe. Die zunächst fünf Mitglieder unter Leitung von Lutz Meyer hielt es nicht lange nur im Probenraum. Schnell folgten die ersten Auftritte und 1992, nachdem Oda Musche die musikalische Leitung übernahm, bereits die Teilnahme am Landesbläserwettstreit. Dort konnte gleich der 6. Platz unter den 17 teilnehmenden Gruppen belegt werden. Und fast immer hatten die Bläser ähnliche Grundlagen für ihren Enthusiasmus: die Jagd, einen Jagdhund, das Interesse an der Musik oder die Suche nach einer sinnvollen Freizeitgestaltung.

„Man hat die gleichen Interessen, hat auch abseits der Musik viele Ansatzpunkte für interessante Gespräche und wird mit der Zeit zu Freunden“, erklärt Peter Musche das Erfolgsprinzip. Die Gruppe entwickelte sich immer weiter und im Juni 1993 wurden Nägel mit Köpfen gemacht. „Hercynia gründet sich und absolvierte alles, was so nötig war – von Satzung bis hin zur Wahl eines Vorstandes. Ein Jahr später lautete die Bilanz: 12 Mitglieder, davon drei Frauen. Es folgte 1995 das erste Trainingslager, wofür Hercynia nach Oberstdorf reiste. Die Jagdhornbläser sind da bereits fast das ganze Jahr im Einsatz und in der Region ein fester Bestandteil bei großen Volksfesten, Konzerten oder Familienfeiern. Im Jahr 1995 übernimmt dann Annegret Steffek die musikalische Nachwuchsarbeit und wird für ihre dafür geleistete Arbeit 1999, auch im besonderen für ihre Nachwuchsarbeit, mit der Verdienstnadel des Landesjagdverbandes in Bronze geehrt. 2006 übernimmt sie dann die Leitung der Gruppe. Angespornt von den Auftritten mit anderen Jagdhornbläsern im Harz, entscheidet sich Hercynia im Jahr 2000 dazu, die 1. Harzoffene Meisterschaft der Jagdhornbläser um den Walpurgispokal zu organisieren und auszurichten. Große Unterstützung erhielten sie durch ihre Fans aus dem Hegering Thale.

Und wie es sich für eine gutes und stimmiges Vereinsleben gehört, gibt es immer wieder Ausflüge, Feiern und Gruppenfahrten, die die Harzer in alle Teile der Republik führten. Einen immer größeren Raum nehmen mit der Zeit die Auftritte bei Hochzeiten, Geburtstagen oder Beerdigungen ein. Und es gibt noch eine andere Hercynia-Seite: Regelmäßig übernimmt die Gruppe für ein Geschöpf im Thalenser Tierpark auf dem Hexentanzplatz eine Patenschaft. So konnten sich unter anderem ein Wolf, ein Uhu oder ein Wespenbussard über die Zuneigung der Musiker freuen.

Nach dem viel zu frühen Tod von Annegret Steffek übernimmt wieder Oda Musche 2011 die musikalische Leitung bei Hercynia, die dem ungeschriebenen Motto „Mit Spaß andere unterhalten“ bis heute treu geblieben ist. „Wenn die Musik keinen Spaß mehr macht, sollte man aufhören“, ist auch Peter Musche überzeugt. Der möchte, solange er es noch kann, dem Jagdhornblasen treubleiben. Er liebt es einfach, wie alle Mitglieder von Hercynia, wenn es gelingt, das Publikum zu begeistern und zu unterhalten: „Anderen eine Freude machen – mehr kannst du nicht erreichen. Und mit mehr kannst du nicht belohnt werden.“ Die aktuellen Mitglieder von Hercynia: Oda Musche ( musikalische Leiterin), Peter Musche (letztes Gründungsmitglied), Jens Schneidewind (Gründer von Hercynia 2.0 und dort auch musikalischer Leiter), Babara Hohmann, Andreas Krummel, Heinz John, Mario Rienäcker, Uwe Lilienthal

Kontakt

Oda Musche über oda.musche@gmx.de

Foto (aus 2009)  und Video (Auftritt in Kurklinik Bad Suderode): Peter Musche

Hercynia 2.0

Das Ziel war eindeutig und klar: Beim ersten großen öffentlichen Auftritt vor fachkundigem Publikum sollten keine Schnitzer passieren und die Musikstücke sauber geblasen werden.“Und wir stehen gut da“, konnte Jens Schneidewind eine positive Bilanz ziehen. Hat der musikalische Leiter und Gründer der Jagdhornbläsergruppe „Hercynia 2.0“ nach einem Landesbläsertreffen des sachsen-anhaltinischen Jagdverbandes in Magdeburg doch mit Freude festgestellt, dass es für seine vor einigen Jahren gegründete Truppe keinen Grund gibt, sich zu verstecken.

Denn bevor die intonierte Mischung aus Jagd- und Volksliedern sich zu einem bühnenreifen Programm fügte, mussten die Jagdhornbläser zig Stunden üben. „Es sieht letztendlich einfach aus, aber es steckt jede Menge Arbeit dahinter“, weiß Jens Schneidewind, der zudem sehr stolz darauf ist, wie sich seine „Schützlinge“ ständig weiterentwickelt haben. Beim Start war nicht abzusehen, was aus den vier „Hanseln“ werden könnte, die sich damals nur mal ausprobieren wollten. Deren Ziel es war, eventuell ein paar Jagdsignale vernünftig blasen zu können. Jens Schneidwind sagte nicht „Nein“, auch weil er genau weiß, dass die Jagdhornbläser die Sympathieträger und das Aushängeschild für die Jägerschaft sind. Schnell kristallisierte sich heraus, dass die „Neuen“ mit Feuereifer bei der Sache waren. Die zunächst gewollte reine Jagdsignalbläserei reichte allen nicht mehr. Das Repertoire erweiterte sich, die Übungsstunden wurden intensiver. Dazu kam, dass die Gruppe immer größer wurde. Es folgten erste kleine Auftritte im Rahmen von Jagdveranstaltungen. Und schließlich die Geburt von „Hercynia 2.0“. Das 2.0 steht dabei für die Gründung der „Nachwuchsabteilung“ von „Hercynia“ (Lateinisch für „Harz“), der Jagdhornbläsergruppe der Jägerschaft Quedlinburg, die schon seit über 30 Jahren existiert.

Jens Schneidewind geht davon aus, dass es bei der kontinuierlichen Entwicklung bleibt. „Wir wollen Neues einstudieren, besser und anspruchsvoller werden“, gibt der Friedrichsbrunner die Marschroute vor. Solch eine Botschaft kommt beim „Küken“ der Gruppe gut an. Anna-Lena Reuschel war vom Auftritt in Magdeburg und dem gemeinsamen Abschlussblasen aller Teilnehmer begeistert. „Mit so vielen anderen Musikern aufzutreten, dass hat sich so gut angehört. Ich hatte sogar eine Gänsehaut.“

Die Schülerin aus Silberhütte hat sich bewusst für das Jagdhornblasen entschieden, da sie von der Herausforderung fasziniert war, die das Instrument mit sich bringt. So wird durch das Blasen in das Mundstück eine Luftsäule geschaffen, die durch die vibrierenden Lippen des Spielers in Schwingungen versetzt wird. „Dies in Perfektion zu beherrschen, ist einfach nur schön. Und ich war überrascht, wie viele das so gut können“, so Anna-Lena Reuschel. „Angesichts des immer größer werdenden Zuspruchs, vor allem von musikbegeisterten Frauen, sollte das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht sein“, hofft Jens Schneidewind.

Kontakt

Jens Schneidewind über jens-schneidewind@gmx.de

Foto und Video (Auftritt bei Hubertsfeier in Friedrichsbrunn): Detlef Valtink