Unsere Falkner

Wolfgang Mursa

Er hat eine Meinung und er vertritt sie ohne Kompromisse. Und er weiß, dass er manchmal auch in ein Fettnäpfchen tritt und sich nicht immer nur Freunde macht. Aber, so ist sich Wolfgang Mursa sicher, lieber offen und direkt sein, als angepasst und gesellschaftskonform daherzukommen. Wenn man den Güntersbergener auf seine Seite bringen und sich über Stunden mit ihm unterhalten möchte, gibt es eine einfache Lösung: Das Thema „Falknerei“ auf die Tagesordnung bringen. Seit fast 50 Jahren frönt der Jäger seiner Leidenschaft und wird nicht müde, mit seinen Vögeln für einen angewandten und nachhaltigen Naturschutz zu werben. Mit einem beachtlichen Ergebnis! Auf seinem Eulenwelt-Falkenhof-Harz am Stollberger Weg wird Besuchern ein beeindruckendes Programm geboten. Adler, Geier, Falken, Habichte, Eulen, Bussarde oder Karakas fliegen frei. Sie nähern sich den Gästen teilweise bis auf wenige Zentimeter und diese können, wenn sie sich es zutrauen, auch Geier füttern, Eulen streicheln oder die Tiere auf die Hand nehmen.

Wolfgang Mursa hat sein rund fünf Hektar großes Zuhause, wie er selbst sagt, mit den Jahren zu einer Arche für Greifvögel und Eulen ausgebaut. Bietet zweimal täglich Flugschauen und viele andere Mitmach-Aktionen an. So Wanderungen mit Greifvögeln und Eulen, die Teilnahme an Beizjagden, einen „Falkner- oder Eulen“-Erlebnistag oder Naturschutzvorträge.  Individuelle Programme für Schulklassen und Reisegruppen werden ebenfalls erstellt. Jährlich gibt es zudem einen Vorbereitungslehrgang auf die Falknerprüfung. Auf Wunsch können auch Tierpatenschaften oder Eulen-Therapien realisiert werden. Wie das im Detail aussieht, kann jederzeit in einem persönlichen Gespräch geklärt werden.

Jahre harter Arbeit liegen den Angeboten zugrunde. Wobei Wolfgang Mursa die Falknerei nicht in die Wiege gelegt wurde, sondern Schlüsselerlebnisse in seiner Kindheit und Jugend dafür ausschlaggebend waren, dass die Liebe zu den Greifvögeln und Eulen geweckt wurde. Als Ältester unter den fünf Geschwistern waren die ersten Lebensjahre geprägt von Bescheidenheit und eingebunden in eine Leidenschaft – dem Lesen. „Das war meine Welt – mit der Taschenlampe unter der Bettdecke eintauchend in die Welt der Sagen und gefesselt von geschichtlichen Werken“, erinnert sich Wolfgang Mursa. So gab es ein Sagenbuch, in dem ein Adler sich ein Kleinkind griff, um seine Jungen zu füttern. „Kann das überhaupt sein?“, fragte sich der Güntersbergener damals. Spätestens nachdem er den Klassiker der Falknereibücher, das „De arte venandi cum avibus“, eine der berühmtesten Handschriften des Mittelalters und vom Stauferkaiser Friedrich II. selbst verfasste Meisterwerk zur Falknerei mehrfach „verschlungen“ hatte, war ihm klar, dass die Sage kein Hirngespinst ist. „Meine Neugier war geweckt und ist bis heute nicht gestillt“, so der Falkner, der dann zunächst Jäger wurde und zu DDR-Zeiten auch Falkner wurde. Die waren damals beim Kulturbund angesiedelt und waren mehr oder weniger unter sich.

„Es gab nur wenige Falkner und wir waren irgendwie Exoten, denen aber ein unendliches Verständnis für die Jagd und die Natur zugesprochen wurde“, so Mursa, der damals in und um Oschersleben der Falknerei nachging. Nach der Wende musste er in Sachen Jagd und Falknerei kürzertreten, ohne beides aufzugeben. Mursa machte sich als Metallbaumeister selbständig und zog nach Drübeck. Irgendwann fragte er sich, ob er dieses Leben im Hamsterrad wirklich ewig führen will. „Die Tage bis zur Holzkiste sind gezählt und ich wollte mehr Zeit für meine Hobbys“, lautete seine Schlussfolgerung. Da kam es wie gerufen, dass im Tierpark Bad Mergentheim bei Würzburg händeringend ein Mensch gesucht wurde, der die dortige Falknerei in die richtigen Bahnen lenkt. Wolfgang Mursa setzte sich unter 30 Bewerbern durch, baute innerhalb eines Jahres die Falknerei um und auf und konnte sich dann leichten Herzens aus Baden-Württemberg verabschieden. Mit der Gewissheit, dass in solch einer Aufgabe sein Herz aufgeht, baute er auf dem Regenstein in Blankenburg seine eigene Falknerei. Dies ging solange gut, bis die ersten Tiere aus den Volieren gestohlen wurden. „Zeit, sich nach etwas Neuem umzusehen“, dachte Wolfgang Mursa. Baupläne in Wernigerode oder Friedrichsbrunn scheiterten und auch das heutige Areal in Güntersberge stand zunächst unter keinen guten Stern.

Mehr als zwei Jahre dauerte es, bis alles geklärt und eingetütet werden konnte. Damit begann vor über zehn Jahren der Aufbau des Falknerhofes und Mursas Traum endgültig Realität. Mittlerweile ist der Güntersbergener nicht nur als Fachmann gefragt, sondern auch Landesvorsitzender des Ordens Deutscher Falkoniere. Der ist eine Gemeinschaft der Falkner und Greifvogelfreunde und versteht sich, im Rahmen des fachgerechten Natur und Artenschutzes, als Fachverband für die Zucht, Haltung und Pflege von Greifvögeln sowie für die Ausübung einer artgerechten und zeitgemäßen Falknerei. Die Ordens-Mitglieder pflegen jedes Jahr nach eigenen Angaben ehrenamtlich ca. 200 bis 300 Greife gesund und entlassen diese wieder in die Freiheit. Rund zehn Prozent davon gehen auf das „Konto“ von Wolfgang Mursa.

Kontakt: Wolfgang Mursa, Stolberger Weg 36, 06493 Harzgerode – Ortsteil Güntersberge, Telefon: 039488/793377 und 0160/92704199, E-Mail: wolfgang.mursa@freenet.de, Homepage: www.eulenwelt-falkenhof-harz.de

Michael Rückrieme

Mit Distanz betrachtet, könnte man Michael Rückrieme als einen Wanderer zwischen den Welten bezeichnen. Da sind auf der einen Seite die Familie, die Jagd, die Falknerei und ein   anstrengender   Job im Drei-Schicht-System und auf der anderen Seite ein tatkräftiges ehrenamtliches Engagement, dass manchmal mehr Zeit in Anspruch nimmt, als dem Vatteröder zur Verfügung steht.  Denn seit gut zehn Jahren opfert er viele Stunden, um ihn Kindertageseinrichtungen, Schulen, bei Nachwuchsfeuerwehren oder in Seniorenheimen   über die Themen Jagd und Wald zu informieren und aufzuklären.

So hat Michael Rückrieme im Grenzbereich zwischen den Landkreisen Harz und dem Mansfelder Land fast jede Ecke kennengelernt. Ist in Schielo, Königerode, Harzgerode, Neudorf genauso anzutreffen, wie in Mansfeld, Vatterode oder Braunschwende. „Sicherlich ist es nicht immer einfach, alles unter einen Hut zu bringen. Und es gibt die Tage, wo auch 48 Stunden nicht ausreichen würden, um alles schaffen zu können,“ weiß das Mitglied des Jägerschaftshegeringes Harzgerode. Aber deshalb würde er nicht verzweifeln und erst recht nicht den Spaß an der Sache verlieren. Und genau diese „Sache“ hat sich mit den Jahren zu einer echten Erfolgsgeschichte entwickelt.

So stand am Anfang ein „Waldfuchsprojekt“ der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Natürlich in der Kita, die Tochter Klara besuchte. Und das lebenslustige Mädchen trat von Beginn an bewusst in die Fußstapfen ihres „Helden“. Anfänglich als treue Begleiterin bei den Terminen. Doch mit zunehmenden Alter wuchsen dann die Aufgaben – immer auf freiwilliger Basis.  Klara übernahm Verantwortung als Hundeführer für Teckel „Hummel“ und   konnte den Kita-Knirpsen auch schon einige Dinge erklären. Natürlich wird auch mit angepackt, wenn Präparate oder andere Dinge ein- und ausgeladen und auf- und abgebaut werden müssen.    Das Feuer wurde endgültig entfacht, als es gelang ein Turmfalkenjunges, ein Fundtier, aufzupäppeln, welches Rückriemes in Obhut genommen hatten.  Nicht mehr zu bremsen ist Klara seit „Paula“ – ein europäischer Uhu – zur Familie gehört. „Andere haben einen Hund oder eine Katze, wir eben ein Uhu. Ich finde das cool und habe auch kein Problem damit, zu erklären, was es mit dem Vogel auf sich hat“, ist Klara stolz auf ihr ungewöhnliches Hobby. Mittlerweile gehört dazu auch das Jagdhornblasen oder die Revierarbeiten – im Prinzip alles, was auch Vater Michael hinter dem warmen Ofen hervorlockt.   Und auch der Berufswunsch ist schon einbetoniert: „Ich möchte Förster werden“, kündigt Klara an.

 

 

Vater Michael   dürfte mit dieser Entwicklung keine Probleme haben. Ist doch im Prinzip ein ähnlicher Werdegang in seinem Stammbuch zu finden.  Sein Mentor und Idol war sein   Großvater. Er, wie auch sein damaliger Heimatkundelehrer, weckten früh die Begeisterung für das, was sich vor der Haustür und Feld und Flur so ereignet.  Auch bei ihm fing alles klein an – mit Kirrungen bestücken oder den ersten Hochsitz bauen. Dazu kam, dass direkt auf dem Schulhof zu DDR-Zeiten auch die Wildkammer zu finden war. Für Michael Rückrieme wirkte diese wie ein Magnet. Hier konnte er sein Wissen, welches er in der total jagdlich geprägten Familie sammeln konnte, noch ein Stück erweitern.  In Erinnerung werden auch für immer die Fahrten mit der Pferdekutsche oder später mit dem alten Lada ins Revier bleiben oder die DDR-Drückjagden mit den NVA-Bottichen, aus denen Würstchen und Tee angeboten wurden. Ohne in ein nostalgisches Koma zu fallen, weiß Michael Rückrieme genau, warum ihm das alles so wichtig ist: „Ich bin ein Kind des Waldes, habe hier immer meinen Ausgleich zum Alltag gefunden und bin niemals müde geworden, das vorzuleben, was mir selbst vorgelebt wurde.“

Übung macht den Meister. Und so nutzen Michael Rückrieme und Tochter Klara jede Gelegenheit, um den Umgang mit „Paula“ und das gleichzeitige Erklären zu üben.

Auch deswegen treibt es ihn unermüdlich an, der nächsten Generation auf den Einklang zwischen Gesellschaft und Natur hinzuweisen. „Auch sie sollen sich glücklich schätzen, dass wir das alles nutzen und erleben dürfen. Und dass dies keine Selbstverständlichkeit ist, sondern wir auch etwas dafür tun müssen, dass es so bleibt.“  Wie ernst es ihm damit ist, lässt sich an der Entwicklung seines „Waldfuchs-Projektes“ bemessen. Schnell bemerkte der Vatteröder, dass die Sache wachsen muss. Und dass es aus seiner Sicht nicht ausreicht, nur in der Kita und bei Spaziergängen dem Thema gerecht zu werden. „Es fehlte der Wald“, erinnert sich Michael Rückrieme. Ein kleines Wäldchen hatte er schnell gefunden, länger dauerte es dagegen, bis er dieses dann auch nutzen durfte – sogar kostenlos. Nachdem diese Hürde genommen war, entwickelte sich alles ziemlich rasant. Gemeinsam mit den Kindern wurde der „Wald“ aufgeräumt, mit Hilfe von Freunden und Sponsoren eine Hütte errichtet und eine ein dazugehöriges Stück Wiese urbar gemacht. Der Grundstein war gelegt, um ein wahres Lehrparadies aufzubauen. Es gibt eine Fütterungsstelle, ein Insektenhotel, Angebote, die die Sinne ansprechen, Tierfährten in Beton abgebildet, Nistkastenrevier und, und…

Jedes Jahr wird der Baum des Jahres in dem Areal gepflanzt und immer wieder etwas Neues gebaut. Dazu hat Michael Rückrieme über den Freundes- und Bekanntenkreis, aus Jägernachlässen, aber auch über Ebay Tierpräparate und Trophäen angeschafft. Bis dahin war das Waldmobil des Landesjagdverbandes Dauergast. Natürlich gehören bis heute auch Themen-Ausflüge ins Umland, Exkursionen und Revierrundgänge zu den Angeboten, die    auf dem Plan stehen. Höhepunkt jeder Veranstaltung ist aber seit 2017   Uhu „Paula“.  Zu ihr ist Michael Rückrieme auch ein wenig wie die Jungfrau zum Kind gekommen.   Nach seiner erfolgreichen Falknerprüfung hatte er ab und zu mal ein paar Pflegegäste, aber nie Ambitionen, auch selbst ein Tier zu halten.    Kontakte zu anderen Falknern gab es ausreichend. In den Gesprächen gab es aber keine Abneigung, es irgendwann mal dann doch zu einer „Familienerweiterung“ kommen zu lassen. Die Entscheidung nahm ihn eines Tages ein Züchter aus der Steiermark ab, der ihm per WhatsApp ein Foto von einem Gelege schickte. Darauf zu sehen: Ein mit „Michi“ beschriftetes Ei. Keine Frage, dass Michael Rückrieme dieses Angebot nicht ausschlug. Vier Wochen blieben ihm damals, um alle Vorbereitungen zu treffen. Im Mittelpunkt stand dabei der Bau einer 55 Quadratmeter großen Voliere.  Uhu und Rückriemes wurde schnell eins und unzertrennlich. Auch wenn sich „Paula“ im Allgemeinen sehr zutraulich zeigt, hat sie doch auch ihre „Starallüren“.  „Ich glaube, sie spürt deutlich, wenn sie im Mittelpunkt steht“, meint der Falkner mit einem verschmitzten Lächeln.  Auch Teckel „Hummel“ bekam das schon zu spüren. Eine Attacke von „Paula“ verschreckte den freundlichen Teckel, der seitdem auf der Hut ist, wenn der Uhu in seine Nähe kommt. Letztendlich kommen aber beide klar, wenn sie wieder die tierischen Stars in einer Veranstaltung sind.

Das sind derzeit aber eher die kleineren Probleme des Jägers und Falkners. Michael Rückrieme träumt   von einem Zuhause für alle die Dinge, die in den letzten Jahren zusammengetragen worden.   Um nicht für jede Reise einen halben Hausstand hin- und herzufahren,  schwebte ihm  eine feste Unterkunft vor, in der die Veranstaltungen größtenteils stattfinden.   Fündig geworden ist er in Braunschwende, wo ihm die Stadt Mansfeld ein altes Speichergebäude zu Verfügung stellt, für das der Vatteröder für die Nebenkosten aufkommt und jetzt alles daransetzt, den Umbau und die Sanierung voranzutreiben.