Jagdhundewesen

Jagdhunde – unsere Freunde, Helfer und Symphatieträger

Ein brauchbarer Jagdhund ist für eine weidgerechte Jagdausübung unerlässlich. Das Jagdgesetz schreibt den Einsatz von Jagdhunden für die jeweilige Jagdart vor und fordert, dass die Hunde entsprechend ausgebildet und geprüft sein müssen. Die jährlichen Gebrauchsprüfungen sind dabei mit einer Meisterprüfung für den Hund gleichzusetzen. Im Vergleich zu anderen Bundesländern ist der Einsatz von Jagdhunden in Sachsen-Anhalt durch das Landesjagdgesetz und die entsprechenden Ausführungsbestimmungen recht eindeutig geregelt. Das Gesetz definiert: „Die Jagd ist den Geboten der Weidgerechtigkeit entsprechend, nur mit für den jeweiligen Einsatz erfolgreich geprüften brauchbaren Jagdhunden auszuüben. Und immer sollten Weidgerechtigkeit, jagdlicher Anstand und die Verantwortung für die Kreatur jeden Jäger veranlassen dafür Sorge zu tragen, dass von ihm beschossene Stücke mit aller Sorgfalt und hohem Verantwortungsbewusstsein durch gut eingearbeitete Nachsuchengespanne nachgesucht werden.

Harzer Jagdhundefreunde

Die Jagdhundefreunde in Aktion.           Fotos: Privat

„Vom Welpen bis zur VGP“

Unter diesem Motto haben sich die Harzer Jagdhundefreunde gebildet. Ausschlaggebend hierfür waren die Erfahrungen, positiv wie negativ,  die ich, Uwe Kruse, während der Ausbildung meiner, mittlerweile durchgeprüften,Weimaraner Hündin gemacht habe und bei meinem Rüden gerne verändern wollte. Mit der Aufnahme in die Quedlinburger Jägerschaft und deren Interesse an gut ausgebildeten Hunden war der Grundstein gelegt. Zu unserer Gruppe gesellten sich nach und nach nicht nur Erstlingsführer,sondern auch gestandene Hundeführer stellten nach anfänglicher Skepsis fest, dass auch durchgeprüfte Hunde regelmäßig Erlerntes erhalten bzw. auffrischen sollten. Zurzeit sind bei den Harzer Jagdhundefreunden regelmäßig 20 Hunde verschiedener Rassen im Alter von derzeit 9 Monaten bis zu 6 Jahren. Die Mitglieder sind auf etwa 55 angewachsen, Hundeführer die die Prüfungen hinter sich haben kommen aber in unregelmäßigen Abständen um Kontakt zu halten und erlerntes aufzufrischen.

Wir hoffen auch weiterhin, dass sich die Gruppe erweitert um optimale Bedingungen für die Ausbildung des Jagdgebrauchshundes zu schaffen. Für das Welpenspiel und die ersten Übungen, wie Gehorsam und Apport, haben wir mittlerweile die Möglichkeit, das Gelände des Schützenvereins in Quarmbeck zu nutzen, bevor es für die Jungtiere zum Vorstehen, Stöbern, etc. ins Revier geht. Durch Förderung der  angewölften Anlagen und gezielte Ausbildung nach bewährten Lehrmethoden soll ein für die Jagd brauchbarer Hund herangebildet werden, der sein Können durch eine Prüfung unter Beweis stellt und somit den Anforderungen des Gesetzgebers und der Zucht gerecht wird. Auch ist es wichtig den Hund stets in anderen Revierstrukturen zu trainieren. Aus diesem Grunde appellieren wir an dieser Stelle an die umliegenden Jägerschaften und Hundeführer  ruhig einmal einen Blick über den Tellerrand zu werfen und sich anzuschauen, was wir bei den Harzer Jagdhundefreunden machen und sich ggf. unserer Gruppe anzuschließen. Eine Prüfung wird sehr selten im eigenen Revier gelaufen, auch auf Gesellschaftsjagden ist ein gut arbeitender Hund immer gern gesehen.

Um die Kosten für die Ausbildung, Trainingsgeräte, Schleppwild, etc. für alle in einem erträglichen Rahmen zu halten, finanzieren sich die Harzer Jagdhundefreunde zu einem Teil aus Spenden, kostenpflichtigen Vorträgen, anderen Veranstaltungen (Osterfeuer, Sommerfest ) und zum anderen Teil aus einer Kostenpauschale von derzeit 20 Euro im Jahr pro Familie. Für die Theorie sollte sie einmal so umfangreich sein, dass sie nicht im Feld gehalten werden kann, (wie z. B. Einführung in den Arbeitsplan,Vorstellen der Arbeitsmaterialien) stehen uns die Räumlichkeiten des  Schützenhauses zur Verfügung.  Vorträge, Seminare oder ähnliche Veranstaltungen können hier ebenfalls stattfinden.

Wir treffen uns jeden Sonntag um 10 Uhr am Schützenhaus „Altstädter Schützengilde“  Hubertusweg 1, 06484 Quedlinburg im Ortsteil Quarmbeck. Am 2. Dienstag eines jeden Monats ist am gleichem Ort um 19 Uhr unser „Hundestammtisch“. Hier werden Erfragungen ausgetauscht und Aktionen der Gruppe besprochen und geplant.

Powerpoint Präsentation Hundegruppe

 

Arbeit unseres Obmannes

Momentaufnahmen eines Prüfungstages.

„Liebkost und geherzt“

Mächtige Nebelbänke stehen über der Wiese am Friedrichsbrunner Hasenwinkel. Fast scheint es so, als würde der angrenzende Wald zu einem jener verwunschenen Sehnsuchtsorte werden, wie sie in Märchen aus den Kindheitstagen vorkommen. Doch dafür hat André Sittel keinen Blick und vor allem keine Zeit. Seine gesamte Aufmerksamkeit richtet sich auf seinen Jagdhund Daika von der Kleudelburg. Der Tiroler Bracke stehen an diesem verregneten Tag eine Menge an Aufgaben bevor, die sie und ihr Herrchen bei allem Prüfungsstress abgeklärt, unaufgeregt und mit Bravour meistern müssen. Denn fällt der Hund auch nur in einer der Aufgaben durch, wird es erst einmal nichts, um als ein vollwertiger und geprüfter Jagdhund bei Nachsuchen oder Stöberjagden eingesetzt zu werden.

Ohne Prüfung gibt es keine Versicherung für Daika, die ihr Herrchen davor schützt, auf Tierarztrechnungen und anderem sitzenzubleiben, wenn es im Wald mal mit einer Wildsau zu hoch hergehen sollte. Und so passt der Wienröder mächtig auf, dass er seiner Hündin alle Unterstützung zukommen lässt, die den Prüfungsrichtern nicht bitter aufstößt. Gecheckt wird nicht nur der Gehorsam und die Leinenführigkeit des Tieres, sondern auch seine Schussfestigkeit. Dahinter verbirgt sich nichts anderes, als dass Daika bei einem lauten Knall nicht sofort das Weite sucht. Und stöbern muss die Bracke können. Also ein Gebiet durchstreifen, um selbstständig das Wild, welches sich dort verbirgt, auf die Läufe zu bringen. Schwierigster Akt an diesem Tag ist aber die Schweißarbeit. Hund und Jäger müssen dabei nicht durch das Gelände hetzen, bis sie auf die Haut durchnässt sind. „Schweiß“ bedeutet in der Jägersprache „Blut“ und dieses verliert ein Tier, wenn es angeschossen weiterflüchtet. Zurückzuführen ist dies wohl auf die Sprache der Germanen, bei denen es teilweise für das Verb „schwitzen“ auch die Bedeutung „quellendes Blut von Tieren“ gab.

Entsprechend der Waidgerechtigkeit und den Tierschutzgesetzen ist ein Jäger verpflichtet, das verwundete Tier zu suchen und im Notfall auch zu erlösen. Nichts passt für diese Aufgabe besser als eine Hundenase mit ihrem ausgeprägten Geruchssinn. So hat der Mensch rund fünf Millionen Riechzellen, während die Hunde auf bis zu 220 Millionen zurückgreifen können. Der Hund kann schätzungsweise eine Million verschiedene Gerüche unterscheiden, der Mensch kommt gerade einmal auf 10 000. Und Daika weiß diese Vorteile gut einzusetzen. Zielstrebig arbeitet sie die tags zuvor ausgebrachte „künstliche“ und 600 Meter lange Fährte ab. Die Fährte wurde vor über 20 Stunden mit 250 Milliliter Blut im Wald angelegt, und für den Hund gibt es als „Belohnung“ am Fährtenende immer ein Stück Wild. Selbst als diese einmal verloren scheint, bemerkt die Hündin den Irrtum und findet auf den „rechten“ Weg zurück. Die Minuten ziehen sich, bis Daika ans Ziel gelangt und zur Belohnung von Herrchen liebkost und geherzt wird. André Sittel ist erleichtert. „Man ist doch immer wieder aufgeregt. Auch weil man niemals weiß, in welcher Tagesform sich der Hund befindet“, erklärt der Jäger. Daika ist bereits der dritte Jagdhund, den er in seinem Jägerleben ausgebildet hat und der als vollwertiges Familienmitglied integriert wird. Jeden Tag ein paar Stunden und zumeist das ganze Wochenende investiert der Wienröder in die Ausbildung des Tieres. Jetzt hofft André Sittel, dass es die Tiroler Bracke im Jagdeinsatz etwas ruhiger angehen lässt als ihr Dackel-Vorgänger. Der hatte seine speziellen Eigenheiten, wenn es darum ging, von etwas Besitz zu ergreifen. „Ich habe ihn mal auf ein Wildschwein gesetzt, damit er es bewacht. Diese Aufgabe hat er so perfekt erfüllt, dass es zunächst niemandem gelang, den Hund von der Sau wieder runterzunehmen. Er hat das Stück bis aufs Letzte verteidigt“, sagt André Sittel. Ein anderes Mal wurde der Hund bei einer Jagd von einem anderen Jäger mit ins Auto genommen, um ihn zum Sammelplatz zu bringen. Nachdem dieser das Auto verlassen hatte, ließ ihn der Dackel nicht wieder rein. „Die Tiere lassen sich nicht von ihrer Aufgabe abbringen „, schätzt der Weidman solche Hunde-Charaktere. Auch wenn er hofft, dass Daika etwas „umgänglicher“ sein wird. Sittel freut sich, dass nach überstandener Prüfung erst einmal eine andere „Zweisamkeit“ beginnen kann.

Von solchen Ereignissen könnte auch Christoph Lins, der Obmann für Hundewesen in der Jägerschaft Quedlinburg, stundenlang berichten. Er, wie auch Klaus-Jürgen Kühne und Ronald Sittel, sind an diesem Tag als Prüfer gefordert. Und zufrieden, dass es alle fünf Prüflinge am Ende geschafft haben. „Prüfungen in den Rassehundeverbänden sind noch schwerer. Der Landesjagdverband in Sachsen-Anhalt hat es ermöglicht, dass es in der Brauchbarkeitsprüfung etwas einfacher zugehen darf. Die erforderlichen Leistungen müssen aber auch hier nachgewiesen werden“, so Christoph Lins. Man könne dies vielleicht mit dem Abitur bei den Rassehundverbandsprüfungen und dem Hauptschulabschluss bei der Brauchbarkeitsprüfung des Landesjagdverbandes vergleichen. Wichtig ist, dass es eines sogenannten brauchbaren Hundes bedarf, um die Jagd tierschutzkonform und weidgerecht auszuführen. „Die ethische und moralische Grundhaltung der Jäger als auch die Jagdgesetzgebung geben uns unser Handeln vor. In jedem Jagdbezirk müssen erfolgreich geprüfte Jagdhunde zur Verfügung stehen“, weiß Christoph Lins auch aus seiner täglichen Arbeit als stellvertretender Leiter des Landesforstbetriebes Ostharz.

Einer von uns – Eik Reuschel

Ein Herz und eine Seele.

„Der Hund macht mich stolz“

30 Sonnen am Himmel, starker Wind, frostige Temperaturen – egal, wie das Wetter sich präsentiert: Eik Reuschel zieht es aufgrund seiner emotionalen Passion zur Jagd fast täglich in die Natur. So gut wie immer mit dabei ist Cessy von der Annaburger Heide, die Bayrische Gebirgsschweißhündin, mit der Eik Reuschel ein unzertrennliches Gespann bildet. Und das sich im Harz einen sehr guten Ruf erarbeitet hat, wenn es darum geht, krankes Wild aufzuspüren. Nachsuche heißt dieses Handwerk in der Jägersprache und ist für die Grünröcke ethische Pflicht und oberstes Gebot der Waidgerechtigkeit. Zum Einsatz kommen dabei gut ausgebildete und geprüfte Jagdhunde, denn die Suche nach angeschossenem oder bei einem Verkehrsunfall verletzten Wild ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Der stellt sich der gelernte Elektromeister jährlich in 70 bis 120 Einsätzen. „Hardcore“ nennt Reuschel die Zeit von Oktober bis Januar, in der er immer jedes Wochenende im Einsatz ist. Und genau dafür ist er mit einer Silbernen Ehrennadel des Jagdgebrauchshundeverbandes geehrt worden. Der Verband, der sich seit 1899 der Aufgabe verschrieben hat, als Dach- und Spitzenorganisation für das gesamte Jagdgebrauchshundewesen alle Vereine fest zusammenzuschließen, die durch Prüfung und Zucht dem waidgerechten Jagen dienen wollen, hat strenge Kriterien für die Vergabe von Ehrennadeln. Dazu gehört die Auswertung von weit über 300 Leistungen bei der Fährtenarbeit, also Spuren von mehr als 300 Meter Länge suchen, die Tiere im Boden hinterlassen.

„Der Hund macht mich unheimlich stolz“, freut sich der Silberhütter, der für seinen Vierbeiner nur lobende Worte übrig hat. So hat Cessy die gesamte Familie umgekrempelt. „Die Hündin bindet alle ein, läuft nicht weg und macht so gut wie keinen Stress“, weiß der Jäger. Eik Reuschel, der in Salzwedel geboren wurde und seit 1973 im Harz heimisch ist, hat da schon andere Erfahrungen machen müssen. Mit den Rauhaardackeln Utz von den Fuchsklippen und Troll von der Schorfheide, den Vorgängern von Cessy, gestaltete sich alles ein wenig anders und turbulenter. „Auch sie waren tolle und liebevolle Hunde, aber in ihrem Rudel mit vier Menschen wurde auf zwei gehört und auf die anderen zwei nur nach Tagesform und Laune“, erinnert sich der 48-Jährige. Was mit den zwei „Rabauken“ so alles erlebt wurde, reiche für mehrere Gesprächsabende. Cessy sei da vom Charakter, auch bei der Fährtenarbeit und der Nachsuche, in einer anderen Dimension unterwegs. „Der Hund gibt generell das Tempo vor, er dirigiert die Abläufe und das alles sehr souverän. Dazu kommt, dass Cessy sehr mitteilungsbedürftig ist. Alles, was ihr vor die Nase kommt von anderen Fährten und Spuren, wird angezeigt, ohne sich von der Hauptarbeit zu verabschieden. Einfach traumhaft“, schwärmt Eik Reuschel. Und damit genau diese Charakterzüge weitervermittelt werden, wird es bei den Reuschels in diesem Jahr Familienzuwachs geben. Ein Welpe aus dem Wurf von Cessys Schwester wird in Silberhütte ein neues Zuhause finden, auch um die „Tante“ zu entlasten.

„Wir freuen uns alle riesig darauf“, erklärt Reuschel, der in fünfter Generation die Tradition der Jagd in der Familie aufrechterhält. Seine Jagdausbildung hat er 1992/93 absolviert, nachdem er zuvor ständig mit Großvater und Vater im Wald auf Achse war. An der Passion änderte sich in all diesen Jahren nicht viel. „Ich könnte ohne den Wald und die Jagd nicht leben. Brauche beides, um dem Alltagsstress entfliehen zu können. Ich muss nicht in den Urlaub fahren. Mir reichen mein Revier und das Angeln“, legt sich der Elektromeister fest. Diese Leidenschaft ging sogar so weit, dass sich der 48-Jährige nach einem Fußbruch ins Revier chauffieren und nachts wieder abholen ließ, nur um ein paar Stunden in seinem meditativen Universum Kraft tanken zu können. Und natürlich durfte Cessy dabei nicht fehlen.