Jungjägerausbildung

Die Sachsen-Anhalter packt die Jagdleidenschaft: Derzeit sind 11 800 Männer und Frauen im Besitz eines Jagdscheins. Erfreulicherweise brechen immer öfter auch Frauen in die Männerdomäne ein, derzeit liegt der Anteil bei etwa acht Prozent Frauen. Tendenz eher steigend. Der Weg zum Jagdschein ist aber nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Die Ausbildung zum „Grünen Abitur“ umfasst bis zu 180 Stunden in sieben Fächern: jagdbare Tiere (Wildtierkunde), Hege und Jagdbetrieb, Ökologie, Natur- und Landschaftsschutz, Jagdhundewesen, Behandlung erlegten Wildes (einschließlich Wildtierkrankheiten), Jagdwaffen und Jagdrecht.

In Sachsen-Anhalt ist zur Prüfung zugelassen, wer spätestens sechs Monate vor der Prüfung 15 Jahre alt geworden ist. Voraussetzung ist neben der bestandenen Jägerprüfung ein einwandfreies amtliches Führungszeugnis. Die Prüfung besteht aus drei Teilen, dem jagdlichen Schießen, der schriftlichen Prüfung und der mündlich-praktischen Prüfung. Das jagdliche Schießen besteht aus den Teilprüfungen Büchsenschießen, Flintenschießen und dem Kurzwaffenschießen.

Bei der schriftlichen Prüfung werden, in einem von der Prüfungskommission erarbeiteten Fragebogen, 20 Fragen für jedes der sieben Prüfungsfächer gestellt, die die Prüflinge unter Aufsicht zu beantworten haben. Bei der mündlich-praktischen Prüfung werden den Prüflingen Fragen und Aufgaben aus allen Prüfungsfächern gestellt. Die Prüfungsmodalitäten sind in der Jäger- und Falknerprüfungsordnung ausführlich beschrieben und finden sich in der neuen Durchführungsverordnung zum Landesjagdgesetz.

Die Jägerschaft Quedlinburg bietet jährlich einen Ausbildungskurs zur Jägerprüfung an. Die Kurse beginnen im Spätherbst und enden im Frühsommer. Die theoretische und praktische Ausbildung findet hauptsächlich Samstags von 8 bis 14 Uhr im Bereich Thale-Friedrichsbrunn statt. Während dieser Zeit kann der Auszubildende sich an einen erfahrenen Jäger vermitteln lassen, welcher die Funktion eines Mentors übernimmt und den Eleven über das Jagdjahr in alle Bereiche der jagdlichen Praxis einführt.

Zur Optimierung des Lehrgangs wird den Auszubildenden sämtliche Literatur zur Verfügung gestellt. Ausbilder und Auszubildende verwenden das Heintges Lehr-und Lernsystem. Nach Absolvierung des Lehrgangs kann sich der Bewerber bei der Unteren Jagdbehörde zur Staatlichen Jägerprüfung anmelden. In der Regel findet diese gleich im Anschluss an die Ausbildung statt. Für einen Lehrgang können Sie sich jederzeit anmelden. Der Jagdschein wird nach bestandener Prüfung in Sachsen-Anhalt für maximal drei Jahre ausgestellt und danach gegen entsprechende Gebühren verlängert.

Immer mehr Frauen wollen auf die Jagd gehen – auch in der Jägerschaft Quedlinburg

Janine Moess ist 25 Jahre jung, Mutter einer süßen Tochter, erwartet ihr zweites Kind und steht als Schweißerin fest im Berufsleben. Anna-Lena Reuschel ist Schülerin, blickt auf 15 Lebensjahre zurück und möchte erst einmal ihr Abitur erfolgreich abschließen. Während Janine ihren Lebensweg schon in feste Bahnen gelenkt hat, kann Anna-Lena heute noch nicht sagen, wo sie in zehn Jahren einmal stehen wird. So unterschiedlich Lebenswege, Erwartungen und Ziele im Moment sein sollten, so eint beide doch ein Herzenswunsch: Sie wollen Jägerinnen werden und haben sich entschieden, einen Jungjägerkurs bei der Jägerschaft Quedlinburg zu absolvieren.

Der Weg zu diesem Entschluss hätte bei den jungen Frauen nicht unterschiedlicher sein können. Anna-Lena ist in einer Jägerfamilie groß und ist sozusagen seit ihrer Geburt geprägt worden. Denn Opa Erich und Vater Eik sind leidenschaftliche Weidmänner und haben Anna-Lena schon im zarten Alter von zwei Jahren mit ins Revier genommen. Sie selbst weiß noch, dass sie mit vieren Jahren erstmals bei einer Nachsuche dabei war und dass sie, seit sie sieben Jahre alt ist, regelmäßig mit auf Ansitz geht. „Wirklich stillsitzen konnte ich damals noch nicht und kann es auch heute noch nicht so richtig“, gesteht die Schülerin ein. Was sie dagegen mittlerweile aber echt gut draufhat, ist das Jagdhornblasen. Gehört die 15-Jährige doch schon seit einiger Zeit fest zum Stamm der Jagdhornbläsergruppen „Hercynia“ und „Hercynia 2.0“. Auch da hat die Familie in Form von Opa Erich ein wenig „nachgeholfen“.  Der hatte früh ihr Talent erkannt und seine Enkelin ohne ihr Wissen beim Jungbläsercamp des Landesjagdverbandes angemeldet. Der Sprung „ins kalte Wasser“ hat nicht geschadet, sondern eine Leidenschaft entfacht. „Auch wenn in der Familie immer der Wunsch bestand, dass auch ich die Jagd und das Jagdhornblasen zu meinem Hobby mache, wurde mir niemals etwas aufgezwungen. Das musste auch niemand, denn ich finde dieses Hobby interessant, facettenreich und spannend“, legt sich Anna-Lena fest.

Ganz anders lief es bei Janine. „Ich war bis 14 noch keine Freundin der Jagd und konnte die Jagd sowie die Beweggründe, die dahinterstehen, nicht nachvollziehen“, sagt die 25-Jährige. Die „Wende“ kam mit jenem Tag, als ihr Onkel sie überzeugen konnte, mit auf Ansitz zu gehen. „Ab da hat es mich gepackt. Diese Idylle beim morgendlichen Ansitz. Die Symbiose von Ruhe und Anspannung waren die ersten Bausteine für ein Umdenken“, erinnert sich die junge Mutter. Wildbret hat sie dann ab diesem Zeitpunkt auch  gern gegessen und so schlussfolgerte sie für sich, dass sie dann auch ihr Essen selbst erlegen und verarbeiten kann. Mit der Zeit sind dann noch andere ausschlaggebende Dinge dazu gekommen.  „Ich habe mittlerweile viele Jäger kennengelernt. Alle waren sehr sympathisch. Sie verstehen meine Ansichten und in ihrem Kreis fühlt sich einfach Zuhause. Das ist einfach mein Ding“, so Janine Moess.

Beide wissen aber auch, dass die Jagd nicht nur Freunde kennt. „Argumente darlegen und Hintergründe erklären. Ich werde mich nicht verstecken und vertrete meine Meinung“, kündigt die 25-Jährige an. Und auch Anna-Lena vertritt eine klare Position: „Meine Ansichten offenlegen, den Standpunkten treu bleiben und wenn keine vernünftige Auseinandersetzung möglich ist, sich auch nicht fertig machen lassen.“ Manchmal sei es eben auch vernünftiger, Kritikern ihren „Kopf“ zu lassen, wenn sachliche Argumente nicht greifen würden.

Auf die im Oktober beginnende Ausbildung freuen sich die beiden. Während Anna-Lena es als eine Herausforderung sieht, das Ganze neben der Schule unter einen Hut zu bringen, „ackert“ sich Janine seit Monaten durch alle jagdlichen Lehrbücher, die sie in die Hände bekommt. Sie hat allergrößten Respekt vor der Waffenkunde, dem Jagdrecht und dem Schießen: „Das habe ich noch nie gemacht, aber es wird so viel geübt und gebüffelt, bis es funktioniert.“ Und: Hier habe man sehr viel Verantwortung, der sie von Anfang an gerecht werden möchte. „Ich habe schon einige Grundkenntnisse und weiß, wenn es einmal schwieriger werden sollte, die Familie an meiner Seite“, so Anna-Lena.

Janine Moess (li.) und Anna-Lena Reuschel wollen Jägerinnen werden.

Impressionen vom Jungjägerlehrgang 2021/2022.

Zu Besuch bei einem Ausbildungstag der Harzer Jagdhundefreunde

Fotos (2022): Jan-Leo Braschoß