Die Sachsen-Anhalter packt die Jagdleidenschaft: Derzeit sind 11 800 Männer und Frauen im Besitz eines Jagdscheins. Erfreulicherweise brechen immer öfter auch Frauen in die Männerdomäne ein, derzeit liegt der Anteil bei etwa acht Prozent Frauen. Tendenz eher steigend. Der Weg zum Jagdschein ist aber nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Die Ausbildung zum „Grünen Abitur“ umfasst bis zu 180 Stunden in sieben Fächern: jagdbare Tiere (Wildtierkunde), Hege und Jagdbetrieb, Ökologie, Natur- und Landschaftsschutz, Jagdhundewesen, Behandlung erlegten Wildes (einschließlich Wildtierkrankheiten), Jagdwaffen und Jagdrecht.
In Sachsen-Anhalt ist zur Prüfung zugelassen, wer spätestens sechs Monate vor der Prüfung 15 Jahre alt geworden ist. Voraussetzung ist neben der bestandenen Jägerprüfung ein einwandfreies amtliches Führungszeugnis. Die Prüfung besteht aus drei Teilen, dem jagdlichen Schießen, der schriftlichen Prüfung und der mündlich-praktischen Prüfung. Das jagdliche Schießen besteht aus den Teilprüfungen Büchsenschießen, Flintenschießen und dem Kurzwaffenschießen.
Bei der schriftlichen Prüfung werden, in einem von der Prüfungskommission erarbeiteten Fragebogen, 20 Fragen für jedes der sieben Prüfungsfächer gestellt, die die Prüflinge unter Aufsicht zu beantworten haben. Bei der mündlich-praktischen Prüfung werden den Prüflingen Fragen und Aufgaben aus allen Prüfungsfächern gestellt. Die Prüfungsmodalitäten sind in der Jäger- und Falknerprüfungsordnung ausführlich beschrieben und finden sich in der neuen Durchführungsverordnung zum Landesjagdgesetz.
Die Jägerschaft Quedlinburg bietet jährlich einen Ausbildungskurs zur Jägerprüfung an. Die Kurse beginnen im Spätherbst und enden im Frühsommer. Die theoretische und praktische Ausbildung findet hauptsächlich Samstags von 8 bis 14 Uhr im Bereich Thale-Friedrichsbrunn statt. Während dieser Zeit kann der Auszubildende sich an einen erfahrenen Jäger vermitteln lassen, welcher die Funktion eines Mentors übernimmt und den Eleven über das Jagdjahr in alle Bereiche der jagdlichen Praxis einführt.
Zur Optimierung des Lehrgangs wird den Auszubildenden sämtliche Literatur zur Verfügung gestellt. Ausbilder und Auszubildende verwenden das Heintges Lehr-und Lernsystem. Nach Absolvierung des Lehrgangs kann sich der Bewerber bei der Unteren Jagdbehörde zur Staatlichen Jägerprüfung anmelden. In der Regel findet diese gleich im Anschluss an die Ausbildung statt. Für einen Lehrgang können Sie sich jederzeit anmelden. Der Jagdschein wird nach bestandener Prüfung in Sachsen-Anhalt für maximal drei Jahre ausgestellt und danach gegen entsprechende Gebühren verlängert.
Kontakt über Obmann für Jungjägerausbildung oder Vorsitzender der Jägerschaft
Immer mehr Frauen wollen auf die Jagd gehen – auch in der Jägerschaft Quedlinburg
Janine Moess ist 25 Jahre jung, Mutter einer süßen Tochter, erwartet ihr zweites Kind und steht als Schweißerin fest im Berufsleben. Anna-Lena Reuschel ist Schülerin, blickt auf 15 Lebensjahre zurück und möchte erst einmal ihr Abitur erfolgreich abschließen. Während Janine ihren Lebensweg schon in feste Bahnen gelenkt hat, kann Anna-Lena heute noch nicht sagen, wo sie in zehn Jahren einmal stehen wird. So unterschiedlich Lebenswege, Erwartungen und Ziele im Moment sein sollten, so eint beide doch ein Herzenswunsch: Sie wollen Jägerinnen werden und haben sich entschieden, einen Jungjägerkurs bei der Jägerschaft Quedlinburg zu absolvieren.
Der Weg zu diesem Entschluss hätte bei den jungen Frauen nicht unterschiedlicher sein können. Anna-Lena ist in einer Jägerfamilie groß und ist sozusagen seit ihrer Geburt geprägt worden. Denn Opa Erich und Vater Eik sind leidenschaftliche Weidmänner und haben Anna-Lena schon im zarten Alter von zwei Jahren mit ins Revier genommen. Sie selbst weiß noch, dass sie mit vieren Jahren erstmals bei einer Nachsuche dabei war und dass sie, seit sie sieben Jahre alt ist, regelmäßig mit auf Ansitz geht. „Wirklich stillsitzen konnte ich damals noch nicht und kann es auch heute noch nicht so richtig“, gesteht die Schülerin ein. Was sie dagegen mittlerweile aber echt gut draufhat, ist das Jagdhornblasen. Gehört die 15-Jährige doch schon seit einiger Zeit fest zum Stamm der Jagdhornbläsergruppen „Hercynia“ und „Hercynia 2.0“. Auch da hat die Familie in Form von Opa Erich ein wenig „nachgeholfen“. Der hatte früh ihr Talent erkannt und seine Enkelin ohne ihr Wissen beim Jungbläsercamp des Landesjagdverbandes angemeldet. Der Sprung „ins kalte Wasser“ hat nicht geschadet, sondern eine Leidenschaft entfacht. „Auch wenn in der Familie immer der Wunsch bestand, dass auch ich die Jagd und das Jagdhornblasen zu meinem Hobby mache, wurde mir niemals etwas aufgezwungen. Das musste auch niemand, denn ich finde dieses Hobby interessant, facettenreich und spannend“, legt sich Anna-Lena fest.
Ganz anders lief es bei Janine. „Ich war bis 14 noch keine Freundin der Jagd und konnte die Jagd sowie die Beweggründe, die dahinterstehen, nicht nachvollziehen“, sagt die 25-Jährige. Die „Wende“ kam mit jenem Tag, als ihr Onkel sie überzeugen konnte, mit auf Ansitz zu gehen. „Ab da hat es mich gepackt. Diese Idylle beim morgendlichen Ansitz. Die Symbiose von Ruhe und Anspannung waren die ersten Bausteine für ein Umdenken“, erinnert sich die junge Mutter. Wildbret hat sie dann ab diesem Zeitpunkt auch gern gegessen und so schlussfolgerte sie für sich, dass sie dann auch ihr Essen selbst erlegen und verarbeiten kann. Mit der Zeit sind dann noch andere ausschlaggebende Dinge dazu gekommen. „Ich habe mittlerweile viele Jäger kennengelernt. Alle waren sehr sympathisch. Sie verstehen meine Ansichten und in ihrem Kreis fühlt sich einfach Zuhause. Das ist einfach mein Ding“, so Janine Moess.
Beide wissen aber auch, dass die Jagd nicht nur Freunde kennt. „Argumente darlegen und Hintergründe erklären. Ich werde mich nicht verstecken und vertrete meine Meinung“, kündigt die 25-Jährige an. Und auch Anna-Lena vertritt eine klare Position: „Meine Ansichten offenlegen, den Standpunkten treu bleiben und wenn keine vernünftige Auseinandersetzung möglich ist, sich auch nicht fertig machen lassen.“ Manchmal sei es eben auch vernünftiger, Kritikern ihren „Kopf“ zu lassen, wenn sachliche Argumente nicht greifen würden.
Auf die im Oktober beginnende Ausbildung freuen sich die beiden. Während Anna-Lena es als eine Herausforderung sieht, das Ganze neben der Schule unter einen Hut zu bringen, „ackert“ sich Janine seit Monaten durch alle jagdlichen Lehrbücher, die sie in die Hände bekommt. Sie hat allergrößten Respekt vor der Waffenkunde, dem Jagdrecht und dem Schießen: „Das habe ich noch nie gemacht, aber es wird so viel geübt und gebüffelt, bis es funktioniert.“ Und: Hier habe man sehr viel Verantwortung, der sie von Anfang an gerecht werden möchte. „Ich habe schon einige Grundkenntnisse und weiß, wenn es einmal schwieriger werden sollte, die Familie an meiner Seite“, so Anna-Lena. (2021)

Janine Moess (li.) und Anna-Lena Reuschel wollen Jägerinnen werden.

Und sie haben es geschafft: Weidmannsheil
Impressionen vom Jungjägerlehrgang 2021/2022.
Zu Besuch bei einem Ausbildungstag der Harzer Jagdhundefreunde
Fotos (2022): Jan-Leo Braschoß
Geschafft: Glückliche Jungjäger 2022 nach Prüfungsende

Unser Lehrgang 2023/2024 (Foto: privat)
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Unser Lehrgang 2024/2025 (Foto: privat)

Jungjägerlehrgang 2021/2022: Hier kommen die Teilnehmer zu Wort.
Die Jagd als solches ist Maximilian Groß nicht fremd. Seit sieben Jahren ist der 26-Jährige als Treiber bei Gesellschaftsjagden dabei, und seit einiger Zeit unterhält er in seinem Heimatort Güntersberge ein Rotwildgatter.
Woher das Interesse an der Natur und ihrer Geschöpfe kommt, kann er auch nicht an einem bestimmten Ereignis festmachen. Auch gibt es keine familienbedingte Prägung auf das Weidwerk. Warum auch? „Ich finde in Wald und Flur meine Ruhe sowie eine gewisse innere Einkehr. Das hilft mir seit Jahren, zu entspannen und ausgiebig über Dinge nachzudenken“, hat Maximilian Groß für sich festgestellt. Trotzdem bedurfte es ein wenig Überzeugungsarbeit, unter anderem von Kreisjägermeister Holger Piegert und Jagdhundespezialist Eik Reuschel, um sich dann doch an das „Grüne Abitur“ zu wagen. Und da Holger und Eik immer wieder ein wenig gestichelt haben, stellte sich der Familienvater die Frage: Wenn nicht jetzt, wann dann?
„Und letztendlich ist es doch schön, selbst zu jagen, als nur zuzuschauen“, begründet der junge Mann, wie er die letzten Bedenken aus dem Weg räumte. Und er hatte noch einen Beweggrund, sich über Monate an fast jedem Sonnabend noch einmal auf die Schulbank zu setzen: Maximilian Groß möchte seine beiden Mädchen Julia und Ida weiter darauf einschwören, nur noch Fleisch zu konsumieren, von dem sie einhundertprozentig die Herkunft kennen. „Meine Tochter soll wissen, wo Fleisch, Milch und Eier herkommen und dass dahinter nun einmal Tiere standen. Dabei gibt es einfach nichts Feineres als ein Stück Wildbret.“ Aber er freue sich bei der Ausbildung auch darauf, sein bisheriges Wissen zu vertiefen oder zu erfahren, ob er die Dinge, die er bisher gemacht, auch richtig umgesetzt hat. Dabei setzt er auch darauf, dass sich als zukünftiger Waidmann der Freundes- und Bekanntenkreis noch ein Stück erweitern wird. So hat der Güntersberger schon in der Ausbildung viele Gleichgesinnte kennen gelernt und ist davon überzeugt, dass auch dieser Weg nicht zu Ende ist. „Ratschläge von erfahrenen Jägern anzunehmen, ist für mich selbstverständlich“, kündigt der 26-Jährige an. Und auch, dass er mit einer vernünftigen Ausübung seines Hobbys dazu beitragen möchte, seinen Teil für ein ausgewogenes Verhältnis in der Gesellschaft zu leisten.
Angefangen dabei, die Jagd und ihre Notwendigkeit zu erklären und fortgesetzt damit, wenn es beispielsweise gilt, der Afrikanischen Schweinepest Herr zu werden. Denn dass diese eines Tages auch im Harz ankommen wird, steht für Maximilian Groß fest: „Dann werde ich alles dafür tun, was ich kann, um zu helfen. Und zu beweisen, dass Jagd mehr ist, als nur Strecke zu machen.“
Denn Jäger kümmern sich nicht nur um das jagdbare Wild, sondern auch um bedrohte Arten und die Verbesserung von Lebensräumen oder um den Schutz des Waldes. Das sind Aufgaben, die sich die Waidmänner selbst gegeben und auferlegt haben.

Foto: Anna-Lena Reuschel

Im Kopf war der Gedanke schon seit Jahren fest verwurzelt und immer wieder stand die Frage im Raum: Soll ich oder soll ich nicht? „Ich hatte einfach Manschetten, da ich wusste, wie viel Wissen ich mir aneignen muss“, erinnert sich Tanja Stüber. Die 43-jährige Ballenstedterin stellte sich aber auch eine andere Frage: Wovor hast Du eigentlich Angst? Hatte sie doch ein hartes Studium der Verwaltungswissenschaften erfolgreich hinter sich gebracht, um bei ihrer Arbeit in einer Polizeiverwaltungsbehörde noch besser aufgestellt zu sein. Doch irgendwie flößte ihr trotzdem das Komplett-Paket Jagd großen Respekt ein. Vielleicht auch deshalb, weil sie über die Jagd zwar einiges vom Schwiegervater mitbekommen hat, selbst aber nie wirklich mit dem Thema konfrontiert war. Andererseits gab es da auch immer schon den Drang, sich in der Natur nicht nur zu bewegen, sondern sich auch richtig gut auszukennen. „Dann kam der Moment, wo klar war, dass, selbst wenn ich die Prüfungen nicht bestehen sollte, mir Wissen und Fähigkeiten aneignet habe, die mir keiner mehr nehmen kann“, umschreibt Tanja Stüber den Moment, wo sie ihre Anmeldung zum Jungjägerlehrgang auf den Weg brachte. Zwar erst einmal mit einen um ein Jahr durch die Corona-Pandemie verzögerten Start. Doch das änderte nichts daran, dass sich die Ballenstedterin dann ungebremst in den Unterrichtsstoff der Ausbildungsfächer „einsaugte“. „Ich bin wissbegierig und interessiere mich für viele Dinge. Wie umfangreich dann die Ausbildung tatsächlich werden würde, hatte ich nicht geahnt“, so Tanja Stüber. Mittlerweile freut sie sich über die Lernfortschritte und die Momente, in denen sie ihr Wissen auch schon mit anderen teilen kann. Nur vor dem Schießen hatte und hat sie noch Bedenken. Nie mit Waffen konfrontiert, waren Schussknall und Rückschlag unbekannte Dimensionen. „Mit jeder Übungsstunde wird das besser“, freut sich die 43-Jährige, die momentan auch etwas ruhiger den Prüfungen entgegenblickt. Das werde nicht alles Easy sein, aber sie fühle sich umfangreich vorbereitet, um gute Ergebnisse erzielen zu können. Sollte alles geschafft sein, sehnt sie sich nach dem Moment, wo sie allein auf einem Hochsitz sitzen darf. „Dann werde ich mit mir im Reinen sein“, meint die Ballenstedterin, die bereits jetzt verinnerlicht hat, dass die Jagd vielmehr ist und viel mehr dahintersteckt, als Wild zu erlegen. Jäger zu sein, bedeute auch, mit viel Verstand zu agieren. Aber auch, künftig ein gesundes und biologisches reines Lebensmittel auf den Tisch zubekommen. „Wenn ich mir ansehe, welche Produkte da unter anderem beim Fleisch in den Kaufhallen in den Regalen stehen, habe ich keine Lust mehr, die Massentierhaltungen zu unterstützen. Ich möchte, dass ich von dem, was da auf meinem Tisch steht, auch weiß, woher es kommt. Wildbret bedeutet für mich ein bewusstes Essen und vollbiologische Nahrung, auch wenn es in der Konsequenz bedeutet, nicht jeden Tag Fleisch auf dem Teller zu haben“, hat sich Tanja Stüber festgelegt. Mit dieser Einstellung ist die Ballenstedterin in Deutschland nicht allein. So ist laut Marktanalysen die Nachfrage nach Wildbret – also Fleisch von wild lebenden Tieren, die in freier Wildbahn gelebt haben, dort auch erlegt wurden und damit ein Naturprodukt sind – in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Auch darum, weil das Wild keinen Schlachtstress erleidet und nicht medikamentös behandelt wird.
Noch ist sich Marcel Hesse nicht einmal sicher, ob er tatsächlich später einmal intensiv die Jagd ausüben wird. Der 40-jährige Ballenstedter liebt seit Jahren die Herausforderung, sich weiterzubilden. Neues auszuprobieren und in andere Welten einzutauchen. So packt er immer wieder Dinge an, von denen er überzeugt ist, dass sich das lohnt und diese ihn in seiner persönlichen Entwicklung voranbringen. Jetzt war es der Weg zum Jagdschein, der ihn reizte, auch wenn durch die Corona-Pandemie fast ein Jahr Verzug eingetreten war. „Ich bin davon überzeugt, dass jede Qualifikation dazu beiträgt, sich bewusster mit vielen Dingen auseinanderzusetzen“, erklärt gelernte Hybrid-OP-Techniker. Als verheirateter Mann und Vater von zwei Kindern macht er aber auch keinen Hehl daraus, dass ihn die Aussicht, für sich und die Familie mal selbst ein durchweg gesundes Lebensmittel zu „erzeugen“ lockte, noch einmal stundenlang die Schulbank zu drücken. Denn eine familiäre oder im Freundeskreis beruhende Affinität zur Jagd gibt es bei Marcel Hesse nicht. Er beschreibt sich eher selbst als einen Typ, der den Wald und seine Bewohner bewusst genießen kann. Sozusagen eine Sensibilität entwickelt, die ihm ermöglicht, in dieser Umgebung abzuschalten und für den Alltag wieder aufzutanken. „Ich wollte auch noch viel mehr lernen oder wiedererlernen – von den Bäumen und Sträuchern bis hin zu den Tieren. Ich liebe das einfach“, sagt der Ballenstedter, der in der Großstadt aufgewachsen ist und vielleicht auch deshalb einen ständigen Drang in die Natur hat.
Und sich auf neue Dinge einzulassen, daran kam Marcel Hesse nicht vorbei. Beispielsweise als es darum ging, sich mit den Jagdwaffen auseinanderzusetzen. „Ich war nicht bei der Bundeswehr und habe lediglich mal mit dem Luftgewehr auf einer Kirmes geschossen“, redet der Ballenstedter nicht um den heißen Brei herum. Hemmungen hatte er trotzdem nicht, aber den allergrößten Respekt, als der Zeitpunkt gekommen war, eine „echte“ Waffe in den Händen zu halten und diese auch zu benutzen.
Und dass der 40-Jährige doch der Jägerei frönen wird, nachdem er nun die Prüfung geschafft hat, liegt irgendwie auf der Hand. „Ich möchte diesen Zusammenhalt, den es unter den Jägern gibt, wenn man sich mag und respektiert, auch spüren. Wo hat man das noch, sich darauf verlassen zu können, wenn man nachts angerufen und um Hilfe gebeten wird, dass dann keine Ausreden oder Ausflüchte zu hören sind“, freute sich Marcel Hesse auf ein großes Stück waidmännischer Kameradschaft.


Es sind mittlerweile einige Jahre ins Land gegangen, doch Janos Thoms kann auch heute noch herzhaft über sein Missgeschick lachen, welches ihm damals den Gang vor das Jagdgericht bescherte. Eine solche oberste „Gesetzbarkeit“ wird immer dann einberufen, wenn Treiber, Jäger und Hundeführer gegen das jagdliche Brauchtum verstoßen haben. Die „Strafen“ bestehen zumeist aus einer Runde Getränke, harmlosen Späßen oder einem Obolus für die Jagdkasse. Der Friedrichsbrunner war wieder einmal als Treiber bei einer Gesellschaftsjagd im Einsatz, was in den letzten 25 Jahren die Regel ist, und geriet unverhoffter Weise und urplötzlich in eine anstürmende Rotte Wildschweine.
Alle Treiber suchten Schutz. Sie versteckten sich hinter Bäumen oder erklommen in Windeseile erhöhte Positionen, bis die Gefahr vorbei war. Janos Thoms war dabei mitten in den Schwarzwildnachwuchs geraten und von diesem umzingelt. Alles ging gut, nur die verständlicherweise große Aufregung legte sich nicht so schnell. Zurück am Treffpunkt der Treiber und Jäger musste er natürlich von seinem Abenteuer erzählen. Sein Problem: Die Frischlinge waren bei ihm damals die Ferkel. Was unter Jägern überhaupt nicht geht und das Jagdgericht auf den Plan rief. Janos nahm die Strafe gelassen hin, genauso wie manch kleine Spöttelei, die er bis heute deswegen von den Grünröcken erdulden muss. Diese „Seitenhiebe“ sind mittlerweile eine Ausnahme und die Gefahr kaum noch vorhanden, dass sich der 51-Jährige deshalb noch einmal an den Pranger stellen lassen müsste. Janos Thoms hat viel dazu gelernt.
So bei seinen Solo-Ausflügen in die Wälder um Friedrichsbrunn, über die Gesellschaftsjagden bis hin zu zahlreichen Gesprächen mit den Jägern. „Die Natur und ihre Lebewesen interessieren mich. Ob Spaziergang oder Ansitz – die Entspannung dabei ist unvergleichbar und zutiefst befriedigend“, weiß der gebürtige Ungar, den vor 35 Jahren die Liebe in den Harz zog und hier Wurzeln schlagen ließ. „Schuld“ daran, dass Janos Thoms jetzt mit dem Besuch der Jungjägerausbildung von der passiven auf die aktive Jägerseite wechseln möchte, ist Friedrichsbrunns Revierförster Jens Schneidewind. „Jens hat mir immer wieder Zusammenhänge erklärt und meine Neugierde noch mehr angestachelt. Irgendwann stand dann auch die Frage nach dem Jagdschein im Raum. Ich hoffe, dass ich die jetzt die Prüfungen schaffe“, so der 51-Jährige. Er, der jagdliche „Quereinsteiger“, hofft dann auf einen Begehschein in einem Revier und freut sich darauf, seine Leidenschaft noch weiter entwickeln zu können.
Dabei möchte er nicht nur für ein Gleichgewicht in der Natur sorgen, sondern auch die anderen Seiten des Jägerdaseins ausleben und erleben. Für ihn gehört das Pflanzen eines Baumes genauso dazu, wie Müll in der Landschaft aufzusammeln.
Besonders reizvoll aber ist für Janos Thoms der Zusammenhalt in der Jägergemeinschaft. „Das ist alles so sehr familiär und kameradschaftlich. Jeder ist für jeden da und ich möchte dazugehören“, macht der Friedrichsbrunner aus seinen Zielen kein Geheimnis.
Beim Thema Kitzrettung bekommt Jan-Leo Braschoß glänzende Augen. Diese Facette der Jagd und Hege fasziniert den 17-jährigen Gernröder und er weiß heute schon genau, dass er in diesem Bereich sehr aktiv sein möchte. Vor drei Jahren hat er sich eine Drohne angeschafft und vor anderthalb Jahre diese dann auch erstmals bei einer Analyse eines Wildschadens auf einem Acker eingesetzt. Und er wird nicht müde, sich weiter mit dem Thema auseinander zu setzen, sich zu informieren und vor allem, seine Fähigkeiten auszubauen. „Es erfüllt mich mit großer Zufriedenheit, zu wissen, dass ich einmal mit meinem Einsatz ein Tier retten kann “, erklärt der Schüler am Ballenstedter Gymnasium.
Diesen Drang, nicht nur der Jagd zu frönen, sondern auch die Hege des Wildes in seinem Bewusstsein zu verankern, hat Jan-Leo Braschoß umgangssprachlich in die Wiege gelegt bekommen. Sein Opa, sein Onkel sind Jäger, genauso wie sein Vater, den er schon als ganz kleiner Junge mit ins Revier folgte. In dem familiären Umfeld wurde dem 17-Jährigen bewusst nahegebracht, dass Jagd viel mehr ist, als nur Wild zu erlegen. „Jäger sorgen dafür, dass vor allem alte und kranke Tiere eines Bestandes geschossen werden und sie tragen Verantwortung dafür, dass ein Bestand gesund bleibt und nicht gefährdet ist“, hat der junge Mann für sich erkannt. Längst weiß er, dass Naturschutz und Jagd eine Einheit bilden und er möchte dazu beizutragen, dass dies so bleibt. In gewisser Weise fühlt er sich dabei sogar privilegiert. „Es gibt nicht viele, die von sich sagen können, dass sie Wildtieren sprichwörtlich Auge in Auge gegenüberstehen“, erklärt Jan-Leo Braschoß. Bei ihm haben sich da besonders zwei Ereignisse tief eingebrannt. So erblickte er bei einem Reviergang mit seinem Vater auf einer Lichtung Rotwild. Das Haupt majestätisch erhoben präsentierte sich ein Hirsch von seiner Schokoladenseite und ließ den Beobachter gewähren.
„War das beeindruckend, nur wenige Meter neben dem Tier verharren zu können“, so der Gernröder. Ein anderes Mal war es eine Rotte Wildschweine, die urplötzlich aus einem Maisfeld herausstürzte. Über 30 Tiere sorgten für mächtig Spektakel und bleibende Erinnerungen. „In Einklang mit der Natur und den Wildtieren zu sein, ist für mich ein Privileg“, ist der 17-Jährige überzeugt, der sich darüber freut, dass ihm in der Jungjägerausbildung nicht nur das fachliche Rüstzeug vermittelt werde. Er schätze es auch, dass Jagdethik zu den Dingen gehöre, die man wissen müsse. Auch macht er kein Geheimnis daraus, dass die „Truppe“ gut zusammenpasse und er mit allen künftigen Jungjägern gut klarkomme. „Ich wünsche mir, dass alle die Prüfungen schaffen. Auch wenn es sehr viel ist, was man wissen muss. Das ist aber auch gut so“, meint Jan-Leo Braschoß.









































